Zeitschrift 
Heilpädagogische Forschung : Zeitschrift für Pädagogik und Psychologie bei Behinderungen
Seite
184
Einzelbild herunterladen

| | i 1 &

EEEEEEEEUEEE EEE SEES ben

Buchbesprechungen

Manfred Schraag: Sonderschule L und Sport Bestandserhebung und Analyse derBedingungen des Sportunterrichtes als Grundlage zur Verbesserung und Erwei­terung eines Schulfaches. 291 S., 1988, Marhold Verlag, Berlin, kart., DM 28,

Zunächst analysiert der Autor die be­stehenden Aussagen zum Erziehungsauf­trag des Faches Sport im Hinblick auf die Schüler der Schule für Lernbehinder­te. Die Zusammenschau von Entwick­lungsförderung durch Bewegung, Spiel und Sport einerseits und der Ermögli­chung sportlicher Handlungsfähigkeit andererseits wird fächerübergreifend und fachbezogen diskutiert. Daraus leitet der Verfasser neun Ziel-/Aufgabenbereiche ab, die sich zum Teil überschneiden, aber den derzeitigen Diskussionsstand wieder­geben. In der sich anschließenden Erör­terung(S. 1743) wird die Interdepen­denz von Gesamtentwicklung und moto­rischer Entwicklung im Handlungsfeld der Schule aufgezeigt.

In den weiteren Kapiteln wird anhand ei­ner Fragebogenuntersuchung überprüft, inwieweit unter den derzeitigen Rah­menbedingungen des Sportunterrichts die oben postulierten Ziele/Aufgaben erfüllt werden können.

184

Die Datenerhebung erfolgt 1985 an 277 von 284 Schulen für Lernbehinderte des Landes Baden-Württemberg. Es werden u.a. Angaben ermittelt zur Lehrerstruk­tur, nach Ausbildung, Alter und Ge­schlecht, zur Sportgeräte- und Sport­stättensituation, zur Anzahl der real erteilten Sportstunden, zu administra­tiven und organisatorischen Vorgaben, zum Schwimmunterricht und Schulson­derturnen. Insgesamt werden 16 Frage­stellungen zum Schulsportalltag unter­sucht.

In der differenzierten Bestandsaufnahme und Situationsanalyse wird ein breites Spektrum des Sportunterrichts aufge­deckt, das über Baden-Württemberg hinaus als weitgehend exemplarisch an­gesehen werden kann. Das umfangreiche Datenmaterial wird durch 36 Abbildun­gen und 34 Tabellen übersichtlich vorge­stellt. In der Diskussion der Ergebnisse gibt der Verfasser Anregungen zur Lehr­planentwicklung, Lehreraus-, Fort- und Weiterbildung insbesondere der Son­derschullehrerinnen zum Angebot der Schulen im unterrichtlichen und außer­unterrichtlichen Bereich, zur Zusammen­arbeit von Schule und Sportverein, zur Sportstättenausrüstung, zum Erfahrungs­austausch in Form von regionalen Ge­

sprächskreisen und,Sportfachbetreu­ern an jeder Schule. Darüber hinaus spricht er alle am Erziehungsprozeß ver­antwortlichen und beteiligten Institutio­nen an, um alsDenkanstoß und somit alsBaustein zu wirken,damit Bewe­gung, Spiel und sportliche Leistung als Schulfach Sport und als zentrale Auf­gabe aller Sonderpädagogik in der Schul­wirklichkeit noch etwas mehr verankert werden. In dieser Schulart bedarf Bewe­gungsförderung unter ganzheitlichen Ge­sichtspunkten besonderer Beachtung und steht im Dienste der Förderung der Ge­samtpersönlichkeit des Kindes und des Jugendlichen(S. 186). Umfangreiche Literaturangaben, ein An­hang zu einigen Daten sowie Vorschläge und Anregungen aus der Sicht einzelner befragter Schulen runden die Ausführun­gen ab, die zur Fundgrube für Praxis und Theorie werden können. Bleibt kritisch anzumerken, daß die sta­tistisch gewonnenen Daten der Rahmen­bedingungen nicht die ganze Schulwirk­lichkeit widerspiegeln und von daher die Bemühungen zur Verbesserung der quan­titativen und qualitativen Komponenten nicht nachdrücklich genug gefordert wer­den können.

Prof. Dr. Marita Sommer, Köln

HEILPÄDAGOGISCHE VORSCHUNG Band XV, Heft 3, 1989