Heft 
(2018) 105
Seite
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26 Fontane Blätter 105 Unveröffentlichtes und wenig Bekanntes [2.] Theodor Fontane an Edmund Zoller(?), Berlin, 8. September 1883 eh. Br. m. U., 2 Bl. HBV: nicht verzeichnet H: Theodor-Fontane-Archiv C 382 [1r] Berlin 8. Sept. 83. Potsd. Str. 134. c. Hochgeehrter Herr Hofrath Lassen Sie mich diese Zeilen mit dem Ausdruck meines Bedauerns darüber beginnen, in Nordernei wochenlang an einander vorübergegangen zu sein; nach Spielhagens Abreise(Ende Juli) hab ich einen Monat lang fast in Einsamkeit gelebt, trotzdem ich mit der Insel-Aristokratie: Knyphausens etc. von alter Zeit her Fühlung habe. Diesmal, vielleicht weil einige Mittel­glieder fehlten,|[1v] blieb es bei oberflächlichen Berührungen, und mein Hauptumgang war meine Wirthin, eine Capitainswittwe, die 10 Jahre lang in den chinesischen Gewässern war und von Saigun und Bankock sprach wie von Norden und Aurich. Im Ganzen genommen hab ich dabei kein schlechtes Geschäft gemacht. Der Liguorianer 11 -Pater darf Sie nicht schrecken, er ist ein feiner und liebens­würdiger Mann. Ueberhaupt ist es ganz|[2r] unmöglich, daß ich auf nationalem oder confessionellem Gebiete je Anstoß gebe; mir sind alle Erscheinungsformen künstleri­sch gewiß aber beinah auch in meinem Her­zen gleichwerthig. Meine Arbeit, 12 die Ihnen jetzt vorliegt, zeigt dies, des­sen bin ich sicher, auf jeder Seite. Das Honorar ist damals, als die Sache vereinbart wurde, in einem durch Herrn Carl v. Hallberger an Herrn Dominik gereichten Briefe auf 400 Mark| [2v] per»Nord und Süd«-Bogen vereinbart worden. Ich schrieb zu jener Zeit viel für»Nord und Süd«, weshalb ich den Bogen speziell dieser Zeit­schrift als Norm nahm. Freund Dominik hatte vor, in einem Begleitschrei­ben auf diese Abmachungen hinzuweisen, scheint es aber unterlassen zu haben. Taxire ich das M. S. richtig, so muß eine zwischen 3 und 4000 Mark liegende Summe herauskommen. In der Hoffnung Sie recht bald einmal in Berlin begrüßen zu dürfen, hochgeehrter Herr Hofrath, in vorzüglicher Ergebenheit/ Th. Fontane.