Heft 
(2017) 103
Seite
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TFA Pa 7,2 [1] j, 3 und TFA Pa 7,2 [1] j, 4 »Der Mensch, welcher kein Latein versteht, gleich[t] Einem, der sich in einer schönen Ge­gend bei nebligem Wetter befindet; sein Horizont ist äußerst beschränkt; nur das Nächste sieht er deutlich, wenige Schritte darüber hinaus verliert es sich ins Unbestimmte. Der Horizont des Latei­ners hingegen geht sehr weit, durch die neueren Jahrhunderte, das Mittelalter, das Alterthum.« Nach meinen Lebenserfahrungen ist dies alles Unsinn. Es giebt nichts Beschränkteres als einen lateinischen Gymnasial-Professor und die, die eine Ausnahme davon machen, verdanken es ent­weder der Gnade Gottes, [ links seitlich: ] F An 20 andren Stellen giebt er dies selber zu. versteht, gleicht Einem, der sich in einer schönen Gegend bei nebligem Wetter befindet: sein Horizont ist äußerst beschränkt: nur das Nächste sieht er deutlich, wenige Schritte darüber hinaus verliert es sich ins Unbestimmte. Der Horizont des Lateiners hingegen geht sehr weit, durch die neueren Jahrhunderte, das Mittelalter, das Alterthum. [] Wer kein L a t e i n versteht, gehört nicht zum Vol­ke, auch wenn er ein großer Virtuose auf der Elektrisirma­schine wäre und das Radikal der Flußspathsäure im Tiegel hätte.« 33 Fontanes Exzerpte aus Schopenhauer  Delf von Wolzogen 35 SBB St 58, 45 TFA Pa 7,2 [1] j, 4 die ihnen einen guten Gripps mit ins Leben gab oder modernen Einflüssen, die mit der Latinität nicht das Geringste zu schaffen haben. Reisen, das Leben in den alten westeuropäischen Cul­turländern und das regelmäßige Lesen der Times geben einem einen ganz andern Horizont als die Beschäftigung mit Cicero, den, von allen nicht absolut zur Philologen-Gilde gehörenden­Men­schen die ich kennen gelernt habe, überhaupt keiner fähig [ li seitlich unten: ] war nach Seite der Sprache oder aber des Inhalts hin, voll zu ver­stehn. Natürlich giebt es solche, [ li seitlich oben: ] aber sie sind so rar, daß sie wenig in Betracht kommen, und [xxx] SBB St 58, 16 TFA Pa 7,2 [1] j, 4 T ihren »erweiterten Horizont« müssen mir auch diese erst beweisen. Mit andern Worten: Nicht­Philologen wissen beinah nie etwas von diesen Dingen, die Philologen selbst aber wenigstens so viel ich deren kennen gelernt habe waren fast­ausnahmslos bornirte Kerle, vor deren Weitblick und [ li seitlich: ] Einsicht ich keinen Res­pekt gewinnen konnte. Schopenhauer denkt auch hier nur an sich.