SBB St 58, 23, TFA Pa 7,2 [1] j, 5 und TFA Pa 7,2 [1] j, 6 SBB St 58, 22, Aber so wie es mehr sein will als ein geistreiches Aperçu (und es will mehr sein) so berührt es mich wie Unsinn. Man kann daraus citieren, um mal, an einer bestimmten Stelle der Debatte, einen guten Trumpf auszuspielen, aber von Wahrheit, Erkenntniß, Recht und Billigkeit ist es so weit ab wie Kaliban von Antinous. 46 Den Harem und seine Wirthschaft über unser occidentales Frauenleben stellen wollen, heißt überhaupt gegen Freiheit, Menschenrecht und Menschenwürde sich flau oder selbst gegenauch eine männliche Vernunft verleihen sollen. […] »Denn bei der widernatürlich vortheilhaften Stellung, welche die monogamische Einrichtung und die ihr beigegebenen Ehegesetze dem Weibe ertheilen, indem sie durchweg das Weib als das volle Aequivalent des Mannes betrachten, was es in keiner Hinsicht ist, tragen kluge und vorsichtige Männer sehr oft Bedenken, ein so großes Opfer zu bringen und auf ein so ungleiches Paktum einzugehn. […] Für das weibliche Geschlecht als e i n G a n z e s betrachtet, ist demnach die Polygamie eine wirkliche Wohlthat.« 37 sätzlich stellen. Man muß dann auf Sclaventhum und Hörigkeit zurückgreifen und Mecklenburg über England stellen. Natürlich hat das alles etwas für sich; es giebt nichts so Tolles, was nicht in bestimmter künstlicher Beleuchtung, momentan reizend oder selbst richtig erscheinen könnte, aber es ist alles Täuschung. In Mecklenburg verhungert niemand, in London verhungern Hunderte, dennoch ist England Stolz und Vorbild der Nationen und Mecklenburg die komische Figur. Das eine drückt eben einfach ein Höheres, das andre ein Niedrigeres aus. Das Niedrigere kann in gemeinem Sinn das glücklichere sein und irgend ein Nationalökonom kann sagen: »Das Land, das die meistgefütterten Menschen hat, ist das glücklichste« aber ein Philosoph, ein aufs Geistige gestellter Mann kann dergleichen nur sagen, wenn er zu gleicher Zeit ein krasser Egoist ist, der für sich Freiheit fordert, den Rest der Menschh eit aber [ li seitlich unten: ] als inferiores Pack ansieht, das in Harem oder Hörigkeit seine Tage verbringen mag. So komisch mir die [ li seitlich oben: ] christliche Entrüstung ist, die den Asiaten in all und jedem eine erbärmliche Stellung anweisen möchte, so bin ich doch weit ab [ zu Kopf 180°: ] davon, diese als die Träger des »Richtigen« und »Eigentlichen« anzusehn, zu deren Zuständen [ links unten :] wir zurückkehren müßten. Fontanes Exzerpte aus Schopenhauer Delf von Wolzogen 39
Heft
(2017) 103
Seite
39
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