Signatur SBB St 58, 26, TFA Pa 7,2 [1] j, 7 sehr wahr. Natürlich sollen die Begriffe aus den Anschauungen (die also vorausgehen müssen) erwachsen; ich glaube aber nicht, daß namentlich bei phantasiereichen Kindern das Lesen von Geschichten und Märchen viel schadet, im Gegent F h o e n il t . a N n u e r das Hineintrichtern von redensartlichen Sätzen, die in der eigenen Seele fundamentlos sind, ist gefährlich. Hier §385, 663: »Der Natur unseres Intellekts zufolge sollen die B e g r i f f e durch Abstraktion aus den A n s c h a u u n g e n entstehn, mithin diese früher daseyn, als jene. Wenn es nun wirklich diesen Gang nimmt […]; so weiß der Mensch ganz gut, welche Anschauungen es sind, die unter j S e c d h e o n p s e e n i h n a er ue B r egriffe gehören und von demselben vertreten werden: er kennt Beide genau und behandelt demnach alles ihm Vorkommende richtig. Wir können diesen Weg die natürliche Erziehung nennen. Hingegen bei der künstlichen Erziehung wird, durch Vorsagen, Lehren und Lesen, der Kopf voll Begriffe gepfropft, bevor noch eine irgend ausgebreitete Bekanntschaft mit der anschaulichen Welt da ist.« Und so fort . Ebd., § 386, 666: »Vor allem sei man darauf bedacht, sie zu einer reinen Auffassung der Wirklichkeit anzuleiten und sie dahin zu bringen, daß sie ihre Begriffe stets unmittelbar aus der wirklichen Welt schöpfen und sie nach der Wirklichkeit bilden, nicht aber sie anderswo herholen, aus Büchern, Mährchen, oder Reden Anderer, und solche Begriffe nachher schon fertig zur Wirklichkeit hinzubringen, welche letztere sie alsdann, den Kopf voll Chimären, theils falsch auffassen, theils nach jenen Chimären umzumodeln fruchtlos sich bemühen, und so auf theoretische, oder praktische Irrwege gerathen.« 40 S. 667. Ueber Erziehung. Die Vorschläge, die S. macht, sind gut gedacht, aber sie stehn auf der Stufe eines in den Gedanken eines Philosophen gutconstuirten Staates. Es giebt keine solchen Staaten und es wird auch nie solche »Erziehungen« geben, wie S. sie anräth. Der Grundsatz erst »Anschauungen« dann »Begriffe« ist richtig, aber er ist in unserer Culturwelt auch nicht annähernd durchzuführen. Beispielsweise in einer großen Stadt. S. proponirt: »bis zum 16. Jahre sollen die Kinder nichts von Philosophie und Religion hören, überhaupt sich nur mit Thatsächlichem bekannt machen.« Wie denkt er sich nun aber die Ausführung? In einer großen Stadt schwirren die Urtheile umher wie Mücken im Sommer; über alles wird geurtheilt und – die Kinder hören zu. Sollen sie all die Zeit über penS. 667. Ueber Erziehung .] Vgl. Parerga II. 28. Ueber Erziehung . § 387, 666: »Eben weil früh eingesogene Irrthümer meistens unauslöschlich sind und die Urtheilskraft am spätesten zur Reife kommt, soll man die Kinder, bis zum sechzehnten Jahre, von allen Lehren, worin große Irrthümer seyn können, frei erhalten, also von aller Philosophie, Religion und allgemeinen Ansichten jeder Art, und sie bloß solche Dinge treiben lassen, worin entweder keine Irrthümer möglich sind, wie Mathematik, oder keiner sehr gefährlich ist, wie Sprachen, Naturkunde, Geschichte u.s.w., überhaupt aber in jedem Alter nur solche Wissenschaften, die demselben zugänglich und ganz und gar verständlich sind.« 42 Fontane Blätter 103 Unveröffentlichtes und wenig Bekanntes
Heft
(2017) 103
Seite
42
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