SBB St 58, 27, TFA Pa 7,2 [1] j, 7 auch nicht annähernd durchzuführen. Beispielsweise in einer großen Stadt. S. proponirt: »bis zum 16. Jahre sollen die Kinder nichts von Philosophie und Religion hören, überhaupt sich nur mit Thatsächlichem bekannt machen.« Wie denkt er sich nun aber die Ausführung? In einer großen Stadt schwirren die Urtheile umher wie Mücken im Sommer; über alles wird geurtheilt und – die Kinder hören zu. Sollen sie all die Zeit über pensylvanisch einge mer möglich sind, wie Mathematik, oder keiner sehr gefährlich ist, wie Sprachen, Naturkunde, Geschichte u.s.w., überhaupt aber in jedem Alter nur solche Wissenschaften, die demselben zugänglich und ganz und gar verständlich sind.« sperrt bleiben? Da wäre der Schaden größer als der Vortheil und ich würde mich ohne Weiteres für Fortbestand des gegenwärtigen Zustandes entscheiden. S. 668 (§ 388 auch über Erziehung) ausgezeichnet. S. 668 (§ 388 auch über Erziehung) ] Parerga II. 28. Ueber Erziehung. § 388, 668: »Die R e i f e der Erkenntniß, d. h. die Vollkommenheit, zu der diese in jedem Einzelnen gelangen kann, besteht darin, daß eine genaue Verbindung zwischen seinen sämmtlichen abstrakten Begriffen und seiner anschauenden Auffassung zu Stande gekommen sei; so daß jede seiner Begriffe, unmittelbar oder mittelbar, auf einer anschaulichen Basis ruhe, als wodurch allein derselbe realen Werth hat; und ebenfalls, daß er jede ihm vorkommende Anschauung dem richtigen, ihr angemessenen Beriff zu subsumiren vermöge. Diese R e i f e ist allein das Werk der Erfahrung und mithin der Zeit. Denn, da wir unsere anschaulichen und unsere abstrakten Erkenntnisse meistens separat erwerben, erstere auf dem natürlichen Wege, letztere durch gute und schlechte Belehrung und Mittheilung Anderer; so ist in der Jugend meistens wenig Uebereinstimmung und Verbindung zwischen unsern, durch bloße Worte fixirten Begriffen und unsrer, durch die Anschauung erlangten realen Erkenntniß. Beide kommen erst allmälig einander näher und berichtigen sich gegenseitig: aber erst wann sie mit einander ganz verwachsen sind, ist die Reife der Erkenntniß da. Diese Reife ist ganz unabhängig von der sonstigen, größern, oder geringern Vollkommenheit der Fähigkeiten eines Jeden, als welche nicht auf dem Zusammenhange der abstrakten und intuitiven Erkenntniß, sondern auf 41 Fontanes Exzerpte aus Schopenhauer Delf von Wolzogen 43
Heft
(2017) 103
Seite
43
Einzelbild herunterladen
verfügbare Breiten