Heft 
(2017) 103
Seite
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Signatur Fontane schlechte Belehrung und Mittheilung Anderer; so ist in der Jugend meistens wenig Uebereinstimmung und Verbin­dung zwischen unsern, durch bloße Worte fixirten Begrif­fen und unsrer, durch die Anschauung erlangten realen Erkenntniß. Beide kommen erst allmälig einander näher u S n ch d o b p e e r n ic h h a t u ig er en sich gegenseitig: aber erst wann sie mit einander ganz verwachsen sind, ist die Reife der Erkennt­niß da. Diese Reife ist ganz unabhängig von der sonstigen, größern, oder geringern Vollkommenheit der Fähigkeiten eines Jeden, als welche nicht auf dem Zusammenhange der abstrakten und intuitiven Erkenntniß, sondern auf dem intensiven Grade Beider beruht.« § 389 auch sehr wahr. Doch muß man die Erzählungs­und Märchenlektüre der Kinder von der Romanlektüre junger Leute streng scheiden. Jene ist unschuldig, oft ein Vorzug, der Ueber­schuß an Phantasie verblitzt sich; gefährlich sind aber allerdings die »Romane«, die die Welt nach dieser oder jener Seite hin unwahr schildernd, jungen Leuten den Kopf derartig verdrehen, daß sie nachher in der wirklichen Welt den Schaden davon haben. Wenn S. auch W. Scott als in gewis­sem Sinne verwerflich aufführt, so ist das ridikül. Der Schaden, den Scott angerichtet hat, zerreißt noch kein Spinnweb. § 389 auch sehr wahr .] Parerga II. 28. Ueber Erziehung. § 389, 668 f.: »Für den praktischen Menschen ist das nöthigste Studium die Erlangung einer genauen und gründlichen Kenntniß davon, w i e e s e i g e n t l i c h i n d e r W e l t h e r g e h t: aber es ist auch das lang­wierigste, indem es bis ins späte Alter fortdauert, ohne daß man ausgelernt hätte; während man in den Wissen­schaften doch schon in der Jugend das Wichtigste bemeis­tert. [] Diese schon an sich bedeutende Schwierigkeit der Sache wird nun noch verdoppelt durch die R o m a n e , als welche einen Hergang der Dinge und des Verhaltens der Menschen darstellen, wie er in der Wirklichkeit eigentlich nicht Statt findet. Dieser nun aber wird mit der Leichtgläu­bigkeit der Jugend aufgenommen und dem Geiste einver­leibt; wodurch jetzt an die Stelle bloß negativer Unkunde ein ganzes Gewebe falscher Voraussetzungen, als positiver Irrthum, tritt, welcher nachher die Schule der Erfahrung selbst verwirrt und ihre Lehren in falschem Lichte erschei­nen läßt. Gieng der Jüngling vorher im Dunkeln; so wird er jetzt noch von Irrlichtern irre geführt; das Mädchen oft noch mehr. Ihnen ist, durch die Romane, eine ganz falsche Lebensansicht untergeschoben und sind Erwartungen erregt worden, die nie erfüllt werden können. Dies hat meistens den nachtheiligsten Einfluß auf das ganze Leben. Entschieden im Vortheil stehn hier die Menschen, welche in ihrer Jugend zum Romanelesen keine Zeit, oder Gele­genheit, gehabt haben, wie Handwerker u. dgl. Wenige Romane sind von obigem Vorwurf auszunehmen, ja, wir­ken eher im entgegengesetzten Sinne: z. B. und vor allen G i l B l a s und sonstige Werke des L e s a g e (oder viel­42 44 Fontane Blätter 103 Unveröffentlichtes und wenig Bekanntes