Heft 
(2017) 103
Seite
56
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Signatur SBB St 58, 34, TFA Pa 7,2 [1] j, 9 S. 244. Können in unsrem anschauenden Intellekt (Ge­hirn) anschauliche Bilder entstehn, auch­ohne daß auf Körper da sind, die auf die äußern Sinne F wD o eir n rk t Te a rn n a? e uJma.uDnatezursgcheheiödrettdseicrhTrdauurmch. die ungemei­ne Frische, Andauer­und gleichsam Faßbarkeit des Bildes, das er giebt vom bloßen Phantasiebil­de, das vergleichsweise immer blaß ist. S. 244 .] Parerga I. Versuch über das Geistersehn und was damit zusammenhängt , 244: »Zunächst nun also frägt sich, ob denn wirklich in unserm anschauenden Intellekt, oder Gehirn, anschauliche Bilder, vollkommen und ununter­S sßce c hr h ee o ni p d e bS n ain h rn a ge u l e ew r icihrkednedneenG, ewgeelnchweardtadseelrbKstödrpieerauvferdainelaäßut-, ohne diesen Einfluß entstehn können. Glücklicherweise benimmt uns hierüber eine uns sehr vertraute Erschei­nung jeden Zweifel: nämlich d e r T r a u m. Die Träume für bloßes Gedankenspiel, bloße Phantasiebil­der ausgeben zu wollen, zeugt von Mangel an Besinnung, oder an Redlichkeit: denn offenbar sind sie von diesen spe­cifisch verschieden. Phantasiebilder sind schwach, matt, unvollständig, einseitig und so flüchtig, daß man das Bild eines Abwesenden kaum einige Sekunden gegenwärtig zu erhalten vermag, und sogar das lebhafteste Spiel der Phantasie hält keinen Vergleich aus mit jener handgreifli­chen Wirklichkeit, die der Traum uns vorführt. S. 245. »Ueberraschend im Traum ist die dramatische Richtigkeit der Charaktere (im Traum ist jeder ein Shakespeare), und dieselbe Allwissenheit in uns, die es macht, daß im Traum­jeder natürliche Körper genau in Gemäßheit seiner Eigenschaften handelt, macht es auch, daß jeder Mensch, der in meinen Träumen auftritt, in vollster Gemäßheit seines Charakters handelt und redet.« »Wir wissen oft nicht, ob wir etwas erlebt oder geträumt haben; wenn aber jemand zweifelt, ob etwas geschehen sei, oder ob er es sich blos ein­gebildet habe, so wirft er auf sich den Verdacht des Wahnsinns.« (Dies scheint mir doch fraglich.) S. 245 .] Parerga I. Versuch über das Geistersehn und was damit zusammenhängt , 245: »Das durchaus Objektive des­selben zeigt sich ferner darin, daß seine Vorgänge meis­tens gegen unsre Erwartung, oft gegen unsern Wunsch ausfallen, sogar bisweilen unser Erstaunen erregen; daß die agirenden Personen sich mit empörender Rücksichts­losigkeit gegen uns betragen; überhaupt in der rein objek­tiven dramatischen Richtigkeit der Charaktere und Hand­lungen, welche die artige Bemerkung veranlaßt hat, daß Jeder, während er träumt, ein Shakespeare sei. Denn die selbe Allwissenheit in uns, welche macht, daß im Traum jeder natürliche Körper genau seinen wesentlichen Eigen­schaften gemäß wirkt, macht auch, daß jeder Mensch in vollster Gemäßheit seines Charakters handelt und redet. In Folge alles Diesen ist die Täuschung, die der Traum er­zeugt, so stark, daß die Wirklichkeit selbst, welche beim Erwachen vor uns steht, oft erst zu kämpfen hat und Zeit gebraucht, ehe sie zum Worte kommen kann, um uns von der Trüglichkeit des schon nicht mehr vorhandenen, son­dern bloß dagewesenen Traumes zu überzeugen. Auch hinsichtlich der Erinnerung sind wir, bei unbedeutenden Vorgängen, bisweilen im Zweifel, ob sie geträumt oder 56 56 Fontane Blätter 103 Unveröffentlichtes und wenig Bekanntes