Heft 
(2017) 103
Seite
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[1] j, 11 auf die Herzgrube der Somnambulen. Von gespenstischer Realität, so etwa fährt er fort, kann hierbei keine Rede sein. Solch Gespenst hat nicht mehr Realität als die Erscheinung dessen, der sich selbst sieht; das Traumorgan producirt diese Erscheinungen aus Anlaß irgend eines Ue­berbleibsels, irgend einer zurückgelassenen Spur. Von gespenstischer Realität , ...] Parerga I. Versuch über das Geistersehn und was damit zusammenhängt , 303 f.: »Nach dem Gesagten versteht es sich von selbst, daß einem auf diese Weise erscheinenden Gespenste nicht die unmit­telbare Realität eines gegenwärtigen Objekts beizulegen ist; wiewohl ihm mittelbar doch eine Realität zum Grunde liegt: nämlich was man da sieht, ist keineswegs der Ab­geschiedene selbst, sondern es ist ein bloßes ειδωλον , ein Bild Dessen, der ein Mal war, entstehend im Traumorgan eines hierzu disponirten Menschen; auf Anlaß irgend eines Ueberbleibsels, irgend einer zurückgelassenen Spur. Das­selbe hat daher nicht mehr Realität, als die Erscheinung Dessen, der s i c h s e l b s t sieht, oder auch von Andern dort wahrgenommen wird, wo er sich nicht befindet.« Hierhin gehört auch das sich doppelt Wähnen, das dem Sterben oft vorausgeht. »Wie geht es?« »O, besser, seit wir im Bette zwei sind.« Bald drauf starb er. Hierhin gehört ...] Parerga I. Versuch über das Geistersehn und was damit zusammenhängt , 304: »[] desgleichen die nicht seltene Thatsache, daß Kranke, wann dem Tode nahe, sich im Bette doppelt vorhanden wähnen. ›Wie geht es? fragte hier vor nicht langer Zeit ein Arzt seinen schwer darniederliegenden Kranken: ›jetzt besser, seitdem wir im Bette zwei sind,‹ war die Antwort: bald darauf starb er.« 64 Fontanes Exzerpte aus Schopenhauer  Delf von Wolzogen 65 SBB St 58, 42, TFA Pa 7,2 [1] j, 11 und TFA Pa 7,2 [1] j, 12 Schopenhauer sagt dann: »Ich bin der Meinung, daß die meisten wirklich gesehenen Erscheinun­gen Verstorbener zu dieser Kategorie der Visio­nen gehören und ihnen demnach zwar­eine ver­gangene (denn sie waren einmal) aber keineswegs eine gegenwärtige, geradezu objektive Realität entspricht. Schopenhauer sagt dann ] Parerga I. Versuch über das Geis­tersehn und was damit zusammenhängt , 306: »Ueberhaupt bin ich der Meinung, daß die allermeisten wirklich gesehe­nen Erscheinungen Verstorbener zu dieser Kategorie der Visionen gehören und ihnen demnach zwar eine vergan­gene, aber keineswegs eine gegenwärtige, geradezu ob­jektive Realität entspricht: [].« (Hier die ganze S. 306 bis Mitte 307). (Hier die ganze S. 306 bis Mitte 307) .] Vgl. Parerga I. Ver­such über das Geistersehn und was damit zusammenhängt , 306  f.: Schopenhauer gibt hier Belege für die Annahme, derartige Visionen würden durch ein »Ueberbleibel« des Verstorbenen hervorgerufen: »Und somit könnte es sein, daß auch leichtere, unsern Sinnen kaum mehr wahrnehm­bare Spuren, wie z. B. längst vom Boden eingesogene Blutstropfen, oder vielleicht gar das bloße von Mauern eingeschlossene Lokal, wo einer, unter großer Angst, oder Verzweiflung, einen gewaltsamen Tod erlitt, hinreichten, 65