Heft 
(2017) 103
Seite
75
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SBB St 58, 50, TFA Pa 7,2 [1] j, 14 in ihrer eigenen Zeit auftritt, so schwer erkennen, beweist aber, daß sie auch die längst anerkannten Werke des Ge­nies, welche sie auf Auktorität verehren, weder verstehn, noch genießen, noch eigentlich schätzen.« S. 492. Der Feuerwerker und die Blindenanstalt. Brillant. S. 492 .: Parerga II. 20. Ueber Urtheil, Kritik, Beifall und Ruhm . § 246, 492: »Demnach bedarf ein schönes Werk ei­nes empfindenden Geistes, ein gedachtes Werk eines den­kenden Geistes, um wirklich dazuseyn und zu leben. Allein, nur gar zu oft kann Dem, der ein solches Werk in die Welt schickt, nachher zu Muthe werden, wie einem Feuerwer­ker, der sein lange und mühsam vorbereitetes Erzeugniß endlich mit Enthusiasmus abgebrannt hat und dann er­fährt, daß er damit an den unrechten Ort gekommen, und sämmtliche Zuschauer die Zöglinge der Blindenanstalt ge­wesen seien. Und doch ist er so immer noch besser daran, als wenn er ein Publikum von lauter Feuerwerkern gehabt hätte; da, in diesem Fall, wenn seine Leistung außeror­dentlich gewesen, sie ihm den Hals hätte kosten können.« S. 493. (Die ganze Seite)­Der Prozeß wie das Ge­wicht der Stimme die Zahl derselben unterkriegt, brillant. [ li seitlich: ] Ganz wundervoll. Ersten Ran­ges. S. 493 .: Parerga II. 20. Ueber Urtheil, Kritik, Beifall und Ruhm . § 247, 493: »Demnach hat man, dies Alles wohl er­wogen, sich nicht zu wundern, daß sie so spät, vielmehr daß sie jemals Beifall und Ruhm erlangen. Dies geschieht nur auch eben durch einen langsamen und komplicirten Proceß, indem nämlich jeder schlechte Kopf allmälig, ge­zwungen und gleichsam gebändigt, das Uebergewicht des zunächst über ihm stehenden anerkennt und so aufwärts, wodurch es nach und nach dahin kommt, daß das bloße Resultat des G e w i c h t e s der Stimmen das der Z a h l derselben überwältigt; welches eben die Bedingung alles ächten, d. h. verdienten Ruhmes ist.« S. 497. Die Stellen über Selbstbewußtsein und das alte Thema »nur die Lumpe sind bescheiden« sind mißlich. Er citirt Shakespeare, der in seinen Sonet­ten beständig von der Unsterblichkeit seiner Verse spricht. Dies Beispiel ist schlecht. Denn ohne sei­ne Dramen würde sich die Welt schwerlich noch um die »unsterblichen Sonette« kümmern. Sie sind gut, würden aber doch vergessen sein. Das Selbstbewußtsein richtet sich also hier auf Dinge, S. 497 ] Parerga II. 20. Ueber Urtheil, Kritik, Beifall und Ruhm . § 248, 494-510, hier 496: »Demgemäß ist die Tugend der Bescheidenheit bloß zur Schutzwehr gegen den Neid erfunden worden. Daß es allemal Lumpe sind, die auf Be­scheidenheit dringen und sich so herzinniglich über die B e s c h e i d e n h e i t eines Mannes von Verdienst freu­en, habe ich auseinandergesetzt in meinem Hauptwerke. [] S h a k e s p e a r e deklarirt, in vielen seiner Sonette, also wo allein er von sich sprechen konnte, mit eben so 74 75 Fontanes Exzerpte aus Schopenhauer  Delf von Wolzogen 75