Am 21. März 1860 wurde in der Tempelhofer Wohnung die Tochter Martha, genannt ,Mete‘, geboren, als drittes Kind in der Familie. Endlich ein Mädchen! Des Dichters besondere Liebe und Sorge hat fortan diesem Kind gegolten.
Diese Wohnung sah auch den ersten größeren Schriftstellerruhm mit den Englandbüchern und dann im November 1861 das Erscheinen des ersten Bandes der „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“. Sie sah aber auch Fontanes Eintritt in die ,Kreuzzeitung 1 am 1. Juni 1860. Hier war er bis Mai 1870 als Redakteur des ,Englischen Artikels“ tätig. Im Sommer 1862 waren die Tage der Familie Fontane in dieser Wohnung gezählt. Als Emilie Fontane mit den kleinen Kindern bei ihrer Freundin Johanna Treutier in Schlesien zur Erholung weilte, schrieb ihr der Gatte am 1. Juli 1862 folgendes:
„Ich schreibe diese Zeilen bei neueingesetztem Fliegenfenster, was eine wahre Erquickung für mich ist, frische Luft, die ich sosehr liebe, und dennoch kein Zug, den ich sosehr hasse. Wie reizend diese Fenster sind, das empfand ich schon vor anderthalb Wochen in Teupitz. Das schon gebrauchte Bett, in dem ich schlief, stand innerhalb der frischen Luftströmung, die durch das Fliegenfenster kam, und während ich die Frische empfand, hatte ich doch nicht jenes Gefühl der Erkältung, was sich bei offenen Fenstern gleich bei mir einstellt. Verzeih diese lange Abhandlung über einen so geringfügigen Gegenstand; aber ich verspreche mir viel Gutes davon für meine Gesundheit. Werd’ ich die Fiebergeneigtheit meines Blutes los, so bin ich eigentlich unberufen und unbeschrien, ein leidlich gesunder Mensch. Lange werden wir die Fliegenfenster in dieser Wohnung nicht mehr benutzen, denn gestern, am 30ten (ich wollte Dir nicht gleich davon schreiben), ist Degebrodts Kündigung, und zwar zum 1. Oktober d. J., durch den unvermeidlichen Wischer abgegeben worden.
Ich bin überwiegend froh darüber und bitte Dich, die Sache ebenfalls mit heiterem Auge anzusehen. Kein Zweifel, daß die Wohnung große Vorzüge hatte: Parterre, billig, ansprechend, große Räume und eine Stadtgegend und ein Verkehr, die mir angenehm waren; aber es sind auch entschiedene Mängel da. Die Wohnung ist zu klein für uns, namentlich wenn wir eine Engländerin oder Französin ins Haus nehmen wollen, die Vorderzimmer liegen zu kalt und zu schattig, Commoditö fehlt, Speisekammer ist nicht u. dgl. mehr. Ich bitte Dich nun ruhigen Blutes zu bleiben und Dich nicht um den Genuß der letzten Urlaubs-Vierzehntage zu bringen; ich werde Mathilden täglich auf die Wanderschaft schicken, damit sie hier in der Gegend, d. h. zwischen Potsdamer Straße und Johannistisch Umschau hält. Es stehen so viele Wohnungen leer, daß die Sache durchaus nicht ängstlich ist.“
Ein paar Tage später berichtet er über die Ergebnisse seiner Bemühungen an seine Frau:
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