Heft 
(1977) 26
Seite
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12 Heinrich Mann, Huldigung für Max Liebermann. In: H. M., Essays, Bd. 1. (Ausgewählte Werke, Bd. XI. Hrsg, von Alfred Kantorowicz. Berlin 1954, S. 423.

13 Das Bild ist abgedruckt worden in: Klaus Schröter, Bildmonographie Heinrich Mann. Hamburg 1971, S. 149. Aufgrund einer Nachforschung des HeinriCh-Mann- ArChivs konnte festgestellt werden, daß Heinrich Mann sich auf dem erwähnten Bild in seiner eigenen Wohnung befindet. Wann die Aufnahme gemacht wurde, konnten weder das Heinrich-Mann-ArChiv noch der Bilderdienst des Süddeutschen Verlags (München), der das Foto der Bildmonographie zur Ver­fügung stellte, mir mitteilen. - Herr Klaus Schröter teilte mir schriftlich mit, daß er das Photo aufLos Angeles, vierziger Jahre datieren würde, da nämlich H. Mann sich in derselben Haltung, ja offensichtlich im selben Jackett zeigt, wie auf dem in meiner Monographie auf S. 143 abgebildeten Photo.

Bibliographischer Nachsatz: Nach Abschluß des Manuskriptes erschien folgender Aufsatz: Werner Psaar, Alonzo Gieshübler und der kleine Herr Friedemann. Versuch einer Grenzbestimmung. - In: Der Deutschunterricht. Jg. 28, H. 5. Stutt­gart 1976, S. 35-57.

Joachim Krueger (Berlin)

Kuglers und Storms Inzestgedichte

Mit dem wiederaufgefundenen Text von Kuglers Ballade Stanislaw Oswiecim

Im Storm-Kapitel seiner LebenserinnerungenVon Zwanzig bis Dreißig erzählt Fontane, wie es dazu kam, daß Theodor Storm das Gedicht Geschwisterblut 1 (ursprünglich unter dem TitelSchlimmes Lieben) schrieb. Fontane schildert die Sitzung des Literarischen Sonntagsvereins Tunnel über der Spree, in dem Storm als Gast erschien, und berichtet dann:Irgendwer hatte ein Gedicht vorgelesen, in dem eine verbreche­rische Liebe zwischen Bruder und Schwester behandelt wurde. Man fand es mit Recht verfehlt, am verfehltesten aber fand es der mitkritisierende Storm, der, als er sein Urteil abgeben sollte, des weiteren ausführte, daß vor allem ,die schwüle Stimmung darin fehle. ,Nun, Tannhäuser, so rief man ihm zu, ,dann machen Sies doch. Und Storm war auch wirklich dazu bereit und erschien vierzehn Tage später mit dem von ihm zugesagten Gedicht ,Geschwisterliebe, aber nur, um einen totalen Abfall zu erleben. 2

Uns geht es hier nicht darum, darauf aufmerksam zu machen, daß in Wirklichkeit das vorgetragene Gedicht nicht von allenTunnel-Mit­gliedern als verfehlt empfunden wurde, daß später nicht Storm selbst (der imTunnel seinen Rütli-NamenTannhäuser führte) erschien undGeschwisterblut (nichtGeschwisterliebe) las, sondern daß Friedrich Eggers dieses ihm von Storm zugesandte Gedicht vortrug, und zwar nicht zwei, sondern sechs Wochen später. Diese kleinen Erinnerungsfehler sind in der Fontane-Literatur längst richtiggestellt worden. Vielmehr wenden wir uns dem Gedicht zu, durch das Storms Geschwisterblut veranlaßt wurde. Aus den von Fontane geführten Protokollen derTunnel-Sitzungen vom 2. Januar 1853 und 13. Februar

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