Daraus wurde der Schluß gezogen:
Trete unser Tunnel In demselben Gleis,
Jeder sei ein Brunnei Hier in unserm Kreis.
Das sollte die Voraussetzung dafür sein, daß, wie es in demselben Lied heißt, „ein ernster Wille Löbliches erschafft“. In diesem Sinne nannte sich der Verein — gemäß § 1 seiner Statuten von 1835 — „zur Erinnerung an das, was ein ernster Wille des Menschen gegen äußere Hindernisse vermag, .Tunnel über der Spree zu Berlin'“. Damit hatten Unverständnis und Parodie der Einsicht und einem solideren Bemühen Platz gemacht. Fontane hat später, nachdem der Londoner Tunnel fertiggestellt und 1843 eröffnet worden war, in seinem Bericht zum 25. Stiftungsfest (1852) den Vergleich zwischen dem Londoner und dem Berliner Tunnel noch zu vertiefen gesucht, indem er sagte: „Wir feiern heut das fünfundzwanzigjährige Bestehn unsres Vereins. Das sieht nicht nach was Besondrem aus. Unser Tunnel gleicht hierin seinem Londoner Namensvetter auf ein Haar. Wer jenen Bogengang durchschreitet und nur äußerlich sieht, statt innerlich nachzudenken, dem wird jener wunderbare Bau nichts andres dünken als die Wölbung einer Kirche oder ein Kreuzgang, wie er deren hundert schon zuvor durchschritten. Die Größe liegt nicht im Augenschein, sondern im Gedanken, in der Vorstellung, daß Dreimaster über unsren Köpfen hinweggleiten. So auch unser Tunnel.“ Und zwar erblickte Fontane das Besondere am Tunnel darin, daß dieser sich als literarische Gesellschaft trotz „natürlicher Anlage" zu Haß und Neid, Eifersucht und Überschätzung nicht nur am Leben erhalten, sondern auch fortentwickelt habe und „von Jahr zu Jahr“ seiner „Blüte“ näher komme.
Was es aber auch mit der Betonung des Sonntags und mit der Berufung auf den Londoner Tunnel auf sich haben mochte, der Hauptakzent !ag auf der Bezeichnung „Literarischer Sonntags-Verein“. Denn von Anfang an bestand die Haupttätigkeit des Vereins in der Pflege der schönen Literatur. Die Statuten von 1835 legten dann in § 11 fest: . Die auf Erreichung seiner Tendenz hinzielende, eigentliche Tätigkeit des Vereins beschränkt sich 1. auf das Vorlegen künstlerischer Produktionen der Mitglieder (Späne), 2. auf ihre Beurteilung durch den Verein.“ Bei diesen künstlerischen Produktionen, die man also in ironischer Bescheidenheit als „Späne“ bezeichnete, handelte es sich weit überwiegend um literarische Arbeiten einschließlich Übersetzungen. Selbstverständlich ging dieser Vortrag der Späne im Tunnel ihrer Veröffentlichung voraus. In der Regel schloß sich an den Vortrag des Spans eine kritische Debatte an, in der sich der Verein (wenn auch nicht immer mit Erfolg) bemühte, sich ein einhelliges Urteil über das vorgelegte literarische Werk zu bilden.
Allerdings nahm der Verein, wiewohl er sich hauptsächlich mit der schönen Literatur befaßte, auch bildende Künstler und Musiker auf,