die gleichfalls ihre Werke, seien es Zeichnungen oder Kompositionen, vor! egten.
Es fanden sich indessen in den Reihen des Vereins nicht nur und nicht einmal vorwiegend Schriftsteller und Künstler vom Fach, sondern auch sehr viele dichtende Dilletanten, die die Literatur als nebenberufliche Liebhaberei pflegten, und außerdem gänzlich unproduktive Mitglieder, die sich bestenfalls als Kritiker betätigten. Entsprechend den im Tunnel anfangs herrschenden närrischen Bräuchen hießen die produktiven Mitglieder „Makulaturen“, die unproduktiven „Klassiker“.
Es war jedoch dafür gesorgt, daß die arbeitenden Mitglieder die Mehrheit behielten und das Leben des Vereins bestimmten und prägten, da § 53 der Statuten gebot, daß die Zahl der nicht-arbeitenden Mitglieder nur ein Drittel der Gesamtheit der ordentlichen Mitglieder betragen durfte. Der Jahresbericht des Sekretärs hatte darüber Auskunft zu geben.
Die Statuten (es sind hier stets die von 1835 gemeint) hielten alle Mitglieder in § 55 zu reger Mitarbeit an: „Jedes ordentliche Mitglied ist verpflitchet, nach Kräften durch Wort und Tat zur Erreichung der Zwecke des Vereins mitzuwirken und für die Erhaltung seines guten Rufes zu sorgen. Vor allen Dingen muß es den Verein regelmäßig besuchen und, wenn es selbst nicht arbeitet, die Späne anderer aufmerksam und offenherzig beurteilen.“
Die Zwecke des Vereins, seine „Tendenz“, bestanden nach § 2 der Statuten darin, „in einem heitern, geselligen Zusammensein produktivkünstlerische Tätigkeit zu fördern und durch freundlich-ernste Beurteilung der gelieferten Arbeiten sowohl den Arbeitenden das Fortschreiten auf einem richtigen Wege zu erleichtern als in sämtlichen Mitgliedern einen reinem ästhetischen Geschmack zu erhalten und auszubilden. Er schließt hiermit zwar keine Kunst von sich aus, vorzugsweise jedoch widmet er seine Bestrebungen der Dichtkunst und nächst ihr der Musik.“ Wenn auch der Tunnel keineswegs ein Schriftstellerverband im vollen Sinne des Wortes war, hatte er doch statutenmäßig den Vorrang der Dichtung vor den anderen Künsten gesichert und konnte sich daher zu recht „Literarischer Sonntags-Verein“ nennen.
Was die Mitglieder angeht, so ließen sich nicht nur „Makulaturen“ und „Klassiker“, sondern auch ordentliche Mitglieder und Ehrenmitglieder unterscheiden. Ordentliches Mitglied konnte nur sein, wer seinen Wohnsitz in Berlin hatte und somit in der Lage war, den Tunnel regelmäßig zu besuchen. Verließ ein ordentliches Mitglied Berlin für längere Zeit, konnte es Ehrenmitglied werden und auf diese Weise mit dem Tunnel verbunden bleiben. Bei einer Rückkehr nach Berlin bestand die Möglichkeit, wieder in den Kreis der ordentlichen Mitglieder aufgenommen zu werden.
In einigen wenigen Fällen hat der Verein Persönlichkeiten, die nie ordentliche Mitglieder des Tunnels gewesen sind, zu Ehrenmitgliedern ernannt, um ihnen seine Hochachtung zu bekunden. Das traf z. B. auf Brunei zu.
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