Um die Unterschiede in der sozialen Stellung der Mitglieder wenigstens im Vereinsleben zu überbrücken, erhielten die Mitglieder gemäß § 41 der Statuten sogenannte Tunnel-Namen, mit denen allein sie im Verein angeredet und genannt wurden. Die Übernamen waren nichts Neues. Abgesehen davon, daß schon in den deutschen Sprachgesellschaften des siebzehnten Jahrhunderts, wie etwa in der 1617 gegründeten Fruchtbringenden Gesellschaft, Übernamen verwendet wurden, spielten sie auch in der Wiener Ludlamshöhle, die Saphir kannte, eine wichtige Rolle.
Die Statuten (§ 41) verlangten eigentlich, daß als Tunnel-Name der Name eines berühmten Mannes des Berufszweiges verwendet werden sollte dem das Mitglied zugehörte. Daher hieß der spottlustige Schriftsteller Saphir im Tunnel Aristophanes, der Maler und Illustrator Theodor Hosemann erhielt den Tunnel-Namen Hogarth, nach dem englischen Kupferstecher und Maler.
In anderen Fällen hat es sich der Verein leichter gemacht und dem neuen Mitglied den Namen eines bekannten Dichters seines Heimatlandes zugelegt, so daß Fontanes Jugendfreund Friedrich Witte im Verein J. J. Engel hieß, weil er wie Engel aus Mecklenburg stammte. Etwas schwieriger wird die Sache, wenn ein Tunnel-Name dieser Art auch einen allgemeinen Hinweis darauf enthält, daß das Mitglied in einer Wahlheimat lebt. Heinrich von Orelli trat im Tunnel als Zschokke aut. obgleich er. verglichen mit Zschokke, den umgekehrten Weg gegangen war. Der in Magdeburg geborene Schriftsteller Heinrich Zschokke hatte hauptsächlich in der Schweiz gewirkt, der aus Zürich stammende Privatgelehrte Heinrich von Orelli aber hatte Berlin zu seiner zweiten Heimat gemacht.
Mitunter gab man sich, wie es scheint, recht wenig Mühe und wählte einfach einen berühmten Namen, der ähnlich wie der bürgerliche Name des Mitgliedes klang. Daher mußte sich Fontane mit dem Tunnel-Namen Lafontaine begnügen, obgleich er mit diesem französischen Dichter, der vor allem durch seine Fabeln bekannt geworden war, wenig gemein hat.
Bei vielen Mitgliedern ist der Anlaß zur Wahl ihres Tunnel-Namens nicht mehr feststellbar, da wir über Persönlichkeit und Wirken der Betreffenden nicht genug wissen.
Außer dem Tunnel-Namen erhielt jedes ordentliche Mitglied gemäß §51 der Statuten noch „einen auf individuellen Beziehungen beruhenden humoristischen Beinamen“. Auch dafür lassen sich Vorbilder in den deutschen Sprachgesellschaften und besonders in der Wiener Ludlamshöhle nachweisen. Für die Wahl dieser humoristischen Beinamen waren Gesichtspunkte maßgebend, die teilweise mit den Aspekten übereinstimmten, nach denen die Tunnel-Namen vergeben wurden. Man machte dabei jedoch reichlich vom Wortspiel Gebrauch, das ja das Hauptelement in Saphirs Witz gebildet hatte.
So erhielt z. B. der Arzt Adolf Löwenstein, der auch als Dichter dille- tierte, zu seinem Tunnel-Namen „Hufeland“ den humoristischen Bei-
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