Anton Wollheim da Fonseca, Heinridi Smidt, Heinrich von Mühler, Bernhard von Lepel, Wilhelm von Merckel und Rudolf Löwenstein, die zwischen 1827 und 1842 in den Tunnel feingetreten sind. Sie alle waren als Schriftsteller mehr oder minder Dilletanten, wenn auch einer von ihnen (Smidt) als Vielschreiber bezeichnet werden muß.
Ein gewisser Dilletantismus war also dem Tunnel von vornherein eigen. Mit dieser dilletantischen Haltung verband der Tunnel bald eine ausgeprägt konservative Einstellung. Anfangs trat sie weniger hervor. Je mehr jedoch die bürgerlich-demokratische und liberale Bewegung in der Literatur Ausdruck fanden, desto stärker betonte der Tunnel seinen Konservatismus. Diese Verbindung von Dilletantismus und Konservatismus war kein Zufall, sondern in gewissem Sinne eine Notwendigkeit. Denn die soziale und politische Rückständigkeit war gerade der rechte Nährboden für künstlerische Unzulänglichkeit. Die rückwärts gerichtete politische Orientierung hat den Tunnel gehindert, große literarische Leistungen zu vollbringen.
Diese Entwicklung des Tunnels zu einem Verein vorwiegend konservativer Literaten wurde entscheidend dadurch mitbestimmt, daß 1841 bzw. 1842, also in den Jahren, da die bevorstehende bürgerliche Revolution sich in der Literatur mit Macht anzukündigen begann, zwei Dichter in den Verein eintraten, die keineswegs bürgerliche Demokraten waren, nämlich Christian Friedrich Scherenberg und Moritz Graf Stradiwitz. Der Tunnel, der sich bis in die späten dreißiger Jahre hinein allsonntäglich an unverbindlichen, recht und schlecht gereimten Liedern, an einer gutbürgerlichen Unterhaltungsliteratur ohne größere Ansprüche erfreut hatte, erhielt allerdings durch Scherenberg und Strachwitz neue Impulse. Scherenberg konfrontierte den Tunnel mit Auffassungen und Stoffen, die der billigen Harmonie der Sonntagspoesie widersprachen, wenn auch Scherenberg weder poetische Kraft noch Formtalent genug hatte, um die eignen hohen Ansprüche zu realisieren. Strachwitz, formal nicht unbegabt, lenkte die Aufmerksamkeit des Tunnels mit Nachdruck auf die Ballade, deren Pflege dann die Hauptleistung des Tunnels werden sollte. Sie bewirkten also eine partielle Überwindung des bloß Dilletantischen, aber sie haben den Verein durch ihre konservative Einstellung zugleich gehindert, Anschluß an das politische und literarische Leben des Vormärz zu finden.
Immerhin vermochte indes der Verein dank dem Wirken von Scherenberg und Strachwitz im fünften Jahrzehnt ein gehobenes künstlerisches Niveau zu erreichen, so daß er nun auch auf die begabteren jungen Poeten anziehend wirkte. An ihrer Spitze steht Theodor Fontane. Ihm folgten an namhafteren Autoren Emanuel Geibel, Paul Heyse, Felix Dahn und, wenngleich nicht als Mitglied, sondern nur als Gast, Theodor Storm. An weniger bedeutenden sind Friedrich Eggers, George Hesekiel und Hugo von Blomberg zu nennen. Der Verein gewann aber auch dadurch, daß sich ihm bildende Künstler wie Adolph Menzel, Theodor Hosemann und Ludwig Burger sowie der anerkannte Kunstwissenschaftler Franz Kugler anschlossen.
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