Heft 
(1978) 27
Seite
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Daran, daß der Tunnel rechts und mitunter sehr weit rechts stand, wird man folglich nicht gut zweifeln können. Freilich duldete er auch Liberale in seinen Reihen, aber die Führung des Vereins lag nie in ihrer Hand.

Mit diesem Konservatismus des Tunnels war eine Tendenz zur Abkapse­lung verbunden. Oberflächlich betrachtet, kann es so scheinen, als hätten konservative extreme Haltung und öffentlichkeitsscheu nichts miteinander zu tun und als seien es nur zufällige äußere Anlässe gewesen, die den Tunnel bewogen, sich auf sich selbst zurückzuziehen. In der Tat hat es solche äußeren Anlässe gegeben, und sie fielen mit ins Gewicht, als der Verein beschloß, möglichst nicht an die Öffentlichkeit zu treten. Dennoch gab es eine innere Verbindung zwischen der konservativen Orientierung und der Selbstgenügsamkeit des Tunnels. Politisch rück­wärts gewandt und darum auch literarisch ohne Anschluß an die zeit­genössische Entwicklung, zog der Tunnel nur eine weitere Konsequenz, indem er sich auch gesellschaftlich absonderte und sich in eine strenge Isolierung begab.

Übrigens tendierte der Verein bereits seit seinen Anfängen zu einer Absonderung. Es haben nur deren Formen gewechselt. In den ersten Jahren seiner Existenz hatte die ablehnende Haltung des Tunnels gegenüber der Gesellschaft das Narrenkleid getragen. Man kaschierte die Absonderung von der Gesellschaft mit närrischem Tun. Und in dieser frühen Phase, die in die trübsten Jahre nach den Karlsbader Beschlüssen fiel, hatte das närrische Sonderdasein außerhalb der Gesellschaft als spielerischer Ersatz für ernste Aktivitäten wenigstens noch einen Schein der Berechtigung, wenn es auch abwegig wäre, es als bewußten sozialen Protest zu deuten. Das närrische Gehabe führte lediglich in ein aus­gesprochen privates Refugium.

D : ese ursprüngliche Richtung des Vereins, die zumal den Intentionen Saphirs entsprach, wird im Vorwort der Statuten von 1835 unter Beru­fung auf das Vorbild, die Wiener Ludlamshöhle, folgendermaßen gekenn­zeichnet:Übereinstimmend mit der Tendenz dieses Vorbildes, war der nächste Zweck des Vereins ein heiter-geselliges Zusammensein, welches durch den Vortrag von Gedichten und andern künstlerischen Arbeiten, die jedoch lediglich der Richtung eines ungebundenen Humors entsprechen mußten, belebt werden sollte. Gemäß dieser ursprünglichen Absicht der unbeschränktesten Herrschaft heiterer Laune und geistreichen Scherzes, der sich bis zur willkürlichsten Lust nach dieser Seite geistiger Tätigkeit hin steigern durfte, wurde eine lose, burleske Verfassung des Vereins beliebt, und die ersten Statuten bekunden zur Genüge, wie sich alles in ein Kleid fröhlicher Tollheit hüllte, ja, bis zur Unkenntlichkeit ver­hüllte und in lustigen Scherz verlor.

Einige Jahre darauf hat der Tunnel dann einezwar modifizierte, aber nicht gänzlich umgewandelte Tendenz angenommen, indem er sich allmählich einemernstem und festem Streben zuwandte. Man war auch jetzt denfröhlichen Spielen des menschlichen Geistes durchaus nicht abgeneigt, hatte aber erkannt,daß in ihnen allein eine höhere

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