Heft 
(1982) 34
Seite
211
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IV.

Bei der Mehrzahl der Personennamen, die wir in Fontanes Romanen finden, handelt es sich um realistische Namen, die wir als dem geogra­phischen Hintergrund der Werke entsprechend empfinden und als solche nachprüfen können. Dabei stellt sich heraus, daß die weit überwiegende Anzahl der Namen in den Namenkundebüchern von Bach und Brechen­macher verzeichnet und dokumentiert ist. 11

Von dem heimatkundlich orientierten Wanderer der Mark Brandenburg erwarten wir, daß er sich in der Namengebung dem Gebrauch der jewei­ligen Landschaften, wenn nicht genau anschließt, so doch glaubwürdig an­nähert. Es handelt sich besonders um den Raum Brandenburg, Mecklen­burg, Pommern und benachbarte Provinzen wie Niedersachsen, Sachsen- Anhalt und Schlesien. Als besonders zahlreich in Niederdeutschland, östlich der Elbe, beschreibt Bach die von Ortsnamen hergeleiteten Familiennamen. In der Regel erscheinen sie ohne Ableitungssilbe, oft auch ohne von . 12 Tatsächlich sind solche Familiennamen häufig in den Romanen Fontanes anzutreffen: Ratsherr Lindstedt, von Bülow, von Rundstedt, Minde von Minden an der Weser?) in Grete Minde. Grenzaufseher Kraatz, Menz, von Uttenhoven in Quitt. Aus Elfi Briest seien erwähnt: Borckes, von Crampas, Buddenbrook, von Titzewitz (von dem Ort Diwitz?), Nienkerken (ein häu­figer Ortsname in Pommern und Mecklenburg ist Nienhagen). In den Poggenpuhls: Bleichröder, Schweriner, Leysewitz, Fürstin von Wied. Im Stechlin haben wir eine Frau von Hülsen, Wedel, Teschendorf, den Ober­lehrer Tucheland, Hauptmann von Czako (von dem Ortsnamen Zachow?), Herrn von Storbeck und schließlich Stechlin (von Stecklin in Branden­burg?).

Im ostelb. Gebiet tritt, nach Osten hin zunehmend, ein stärkerer Bestand an FN slav. Herkunft hervor. Es handelt sich dabei vielfach um als Her­kunftsnahmen verwandte slav. ON, die keineswegs auf die slav. Abstam­mung der betreffenden Familie hindeuten. In Pommern stellen die slav. Herkunftsnamen in manchen Kreisen bis gegen 20 v. H. des Gesamtbestan­des an FN dar. 13 Es wimmelt nun dementsprechend im Werk Fontanes von slavischen Familiennamen: Zemitz (Grete Minde); Olszewski-Gold- schmidt, Hradscheck, Jeschke, Reetzke, Szulskider eigentlich ein ein­facher Schulz aus Beuthen in Oberschlesien war (Unterm Birnbaum); Kowalski, Jaczewski, Skobeleff (Quitt); Gizickis, Jatzkows, Palleske, Gol- chowski (Elfi Briest); Posadowsky, Szilagy, Lorschowski, Schimonski (Stechlin).

In Neuvorpommemtreten manche schwed. oder mit schwed. Sprachmit- teln umgebildete dt. FN auf. 14 Einige solcher Namen finden sich ebenfalls bei Fontane: Hans Hensen (Grete Minde); Stedingk (Effi Briest); Bennigsen (Stechlin).

Natürlich gibt es in den Romanen Fontanes auch Namen, die aus anderen Teilen Deutschlands stammen, und zwar gehören diese nicht unbedingt nur solchen Figuren an, die alsZugereiste bekannt sind oder als solche ein Außenseiterdasein führen.Die Freizügigkeit hat eine Menge von Namen an Orte geschleudert, wo sie nie gewachsen sein konnten. 1,1