kleine Schrift von J. K. Sybel über die ehemalige Plauer Porzellan-Manufaktur.«
Unter Friedrich von Görne, Plaue war inzwischen (1620) durch Leonhard v. Arnim an die v. Görne verkauft worden, gelangten Schloß und Städtchen Plaue zu neuem Glanz und Ansehen. Noch einmal erlebte der Ort einen Höhepunkt seiner Entwicklung. Die unter v. Görne entstandene Porzellan- Manufaktur, die zweite nach Meißen in Mitteleuropa, machte den Ort weithin bekannt. 15 Auf eine kurze Blütezeit setzte aber schon bald ein völliger Niedergang ein, als Plaue an Wilhelm v. Anhalt kam. Nur mühselig erholte sich das kleine Städtchen nach dessen Abzug. Auf ein kurzes Zwischenspiel, die „von Lauer-Münchhofensche Zeit“, erwarben die v. Kö- nigsmarck 1839 Schloß Plaue. Eingehend beschreibt Fontane nun Schloß Plaue, das in seiner jetzigen Zeit zwischen 1711 und 1715 unter Friedrich v. Görne erbaut worden war. 10 Fontane hatte es offenbar schon in den siebziger Jahren besichtigt, als er sich als Logiergast bei K. F. Wieseke aufhielt. Aufmerksam notiert der Dichter die Anordnung der Räume des Schlosses, ihre Funktion und vor allem die Ausstattung mit Bildern und Porzellan. Besonders kritisch vermerkt er seinen Eindruck vom „Ahnenoder Rittersaal“ derer v. Königsmarck: „Der Unbefangene wird von diesen bildlichen Verherrlichungen der Familie keinen besonders befriedigenden Eindruck empfangen, nicht weil es an der Berechtigung zu solcher Verherrlichung fehlte ... sondern lediglich weil es dem hier Gebotenen an dem Kunstmaße gebricht, das man, glaube ich, heutzutage bei Neuschöpfungen der Art fordern darf.“ 17
Aber all diese Unterkapitel wirken nur wie ein Vorspiel, eine Einleitung zum 6. und damit ausführlichsten Abschnitt, das Fontane „Schloß Plaue gegenüber“ nannte. Es ist gewissermaßen eine Gegenüberstellung zu dem vorhergehenden. Hier tritt uns nicht der über die Jahrhunderte gewachsene und allmählich erstarrte Ruhm des Ortes entgegen. Hier war Neues entstanden : ein Gegengewicht zu Burg, Schloß und Adel. Fontane schuf durch die Einschaltung der Wieseke-Geschichte ein höchst eigenwilliges Spannungsverhältnis. Wieseke tritt uns als Vertreter einer neuen, der kapitalistischen Zeit entgegen und ist eine jener typischen Persönlichkeiten in der Zeit vor 1871. Fontane kennzeichnet dies mit einem bildhaften Vergleich : ... „denn von der anderen Havelseite her blickte statt Konstan- tionpel und des Halbmondes von der Aja Sophia, nur das Storchnest einer Ziegelscheune herüber.“ 18 Dieser Kontrast hat den Dichter sehr beeindruckt und das in „Schloß Plaue gegenüber“ gesehene und gehörte blieb in ihm sehr lebendig: „Wie wenn es gestern gewesen wäre, steht der Tag vor mir, zu dem ich ,in großer Kumpanei 1 zum ersten Male auf diese Schloß Plaue gegenübergelegene Ziegeleistelle zufuhr.“ 19
Fontane gibt eine ausführliche Lebensdarstellung von Karl Ferdinand Wieseke, der einer wohlhabenden Brandenburger Kaufmannsfamilie entstammte 20 und Altersgenosse des bekannten Brandenburger Oberbürgermeisters Franz Zieglers 21 gewesen ist. Nach einer Kaufmannslehre in Berlin, wo er seine Frau Julie Tannhäuser kennengelernt hatte, war er Anfang der zwanziger Jahre nach Brandenburg zurückgekehrt. Für 22 590
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