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Deutsche Noman-Bibtiothek.
Brief an eine Theatcrdirektion zu schreiben, so verfaßte er mehrere Entwürfe, die er uns zur Begutachtung vorzulegen pflegte. Dessen ungeachtet sprach er von seiner gewaltigen Korrespondenz. Aber eines Tages als er in seine Brusttasche griff, mir uns den Artikel einer Mailänder Musikzeitung vorzulesen, zog er zugleich einen langen, schmalen, mit Linien und Sternchen bedruckten Lederstreifen heraus. Was das sei, darüber konnte Niemand im Zweifel sein, der einmal ein Schneidermaß gesehen.
Hocherröthend steckte er es hastig wieder ein.
Eines Tages war ich, da die Sängerin noch nicht zu sprechen war, in Signor Carlo's Zimmer getreten. Er saß
— auf einem Tische, und zwar noch in Hemdärmeln. Vor ihm lag ein halbfertiges Wamms von braunem Tuch. Rasch räumte er Alles weg, sprang herunter, war sehr verlegen. Aber eine Scheere und ein Endchen Wachslicht, welches noch die Spur gewichster Fäden trug, war auf dem Tische liegen geblieben.
„Wer ist Signor Carlo?" fragte ich an diesem Tage den alten Maestro.
Er erwiederte mit einem Seufzer:
„Carlo ist Marietta's Jugendgeliebter, ein Schneider! Beide stammen aus einem Dorfe unfern Cesena in der Romagna. Er hat ihr aber- und abermal eine wahre Hundetreue bewiesen — das hat sie gerührt, denn sie ist die beste Seele. Nun führt sie ihn als ihren Sekretär mit sich. Er näht ihr die Männerkleider, auch Pierrotto's Wamms und Beinkleid geht aus seiner kunstfertigen Hand hervor. Nun wirst Du Vieles verstehen ..."
„Sind sie am Ende verheirathet?" fragte ich.
„O nein. Für einen so dummen Streich ist Marietta zu gescheidt. Sie hat sehr viel Ehrgeiz. Carlo wird sich nicht lange mehr bei ihr halten. Doch noch ist für den armen Teufel der böse Augenblick nicht gekommen ..."
Ich war von diesen Eröffnungen ganz niedergcschmettert. Was, die himmlische Marietta, diese große Sängerin liebte eine erbärmliche Schneiderseele? Wenn irgend etwas, hätte mich das von einer übertriebenen Begeisterung heilen sollen. Aber ich stand bereits in jenem Stadium, wo kein Heilmittel mehr anschlägt.
Der Tag der Consuelo-Ausführung kam. Der alte Maestro hatte eine Oper im Style Mozart's und Cimarosa's geschrieben. Consuelo hatte mehrere innige, ergreifende Momente, Porpora
— Gordigiani selbst gab den Porpora — konnte mit seiner gealterten Stimme nicht durchgreifen, nur Marietta als Knabe Pierrotto war unübertrefflich. Es gab einen Achtungserfolg. Die Oper war melodiös, hatte aber einen Haarbeutel mit auf die Welt gebracht; die Instrumentation war in kindlichen, längst überwundenen Formen gehalten.
Einige Tage später legte ich mein zweites medizinisches Rigorosum ab. Ich bestand mit Ehren, aber es wäre Alles noch weit besser gegangen, wenn nicht Marietta Alboni nun schon seit sechs Wochen in Prag gewesen wäre.
Dem Rigorosuni folgte meine Doktorpromotion.
Als ich unmittelbar nach dem feierlichen Akte auf meinem Zimmer Rokokofrack, Kniehosen, Seidenstrümpfe und Schnallenschuhe abstreifte und den federbesetzten Dreispitz weggeworfen, flog ich in den „Blauen Stern", um mit Marietta, die dort wohnte, zu speisen. Sie war bei der Festlichkeit zwar nicht anwesend gewesen, doch hatte sie mir bei dieser Erhebung zum Doktor einen kleinen Beistand geleistet. Sie hatte mir nämlich, als meine schwarzen Seidenstrümpfe beim Anziehen gerissen waren, mit einem Paar ihrer Theaterstrümpfe ausgeholfen. Ich verwahre sie noch heute als eine Erinnerung an die große Sängerin, die ich später mit ihrem Carlo in Paris wieder traf, aber seitdem sie Gräfin Pepoli wurde, nie mehr gesprochen habe.
W o sa i k.
Beim Gemäldehändler. Eine Dame in Begleitung ihrer Wirthschaftcrin sucht ein Fruchtstück für ihr Speisezimmer. Ganz besonders gefällt ihr ein solches, auf dem sich vier oder fünf Pfirsiche und eine angeschnittene Melone befinden. „Wie viel kostet das?" fragt die Dame. — „Fünfhundert Mark." — Da flüstert ihr die Wirthschafterin in's Ohr: „Kaufen Sie es nicht, gnädige Frau, ich weiß ein anderes, das nur vier- hundcrtundfünfzig Mark kostet, mit zwölf Pfirsichen und einer Melone, welche noch nicht angeschnitten ist."
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Schmeichelhaft. Ein junger Dandy im Theater bemerkt, wie ihn eine hübsche Schauspielerin unausgesetzt durch ihr Opernglas fixirt. Sofort davon überzeugt, daß dieselbe sterblich in ihn verliebt sei, redet er sie nach der Vorstellung an. „Augenscheinlich hatte ich das Glück, von Ihnen bemerkt zu werden, mein Engel." — „Allerdings," antwortet trocken die Schauspielerin, „ich pflege meine Studien nach dem Leben zu machen, und da ich demnächst eine Dümmlingsrolle zu spielen haben werde, suchte ich mir ein passendes — Modell."
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Eine originelle Höslichlreitsbezeugung. Wraxhall erzählt in seinen „Memoiren" aus der Zeit Georg's III. von England: George Damcr, ein Sohn Lord Milton's, stand einmal zusammen mit dem berühmten Kanzelredner Partington plaudernd an einer Straßenecke in London. Lady Melbourne, die in ihrem Wagen vorüberfuhr, erkannte Damcr und grüßte ihn. Dieser, der bei der kalten Temperatur seinen Kopf nicht entblößen wollte, nahm Partington den Hut vom Kopse und erwiederte mit diesem den Gruß der Dame. Gewiß ein charakteristischer Zug für „Old Johu Bull".
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Don den ersten Jahrgängen unserer „Deutschen RomnbMiothkk"
ist nunmehr Jahrgang 1873 bis 1878 vergriffen, und von dem Jahrgang 1879, den wir vor Kurzem zu ermäßigtem Preise offerirten, besitzen wir in Folge der schon äußerst zahlreich (angegangenen Bestellungen fetzt nur noch eine sehr geringe Anzahl von Exemplaren.
Diejenigen unserer geehrten Abonnenten, welche diesen Jahrgang in 2 Bänden broschirt zum ermäßigten Preis voll nur drei Mark behufs Ergänzung ihrer Romanbibliothekbände noch zu erwerben wünschen, wollen deßhalb mit ihrer Bestellung nicht säumen, sie könnten sonst zu spät kommen.
Dies; zur Antwort auf neuerdings wieder vielfach an uns gerichtete Anfragen.
Stuttgart.
Deutsche Merkags-Anstalt
vormals Eduard Hallberger.
Redaktion: vr. Edmund Zoller. - Truü uns Verlag der Tratschen Verlags-Anstalt (vormals Eduard Hallderger) in Stuttgart.