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Deutsche Roman-Bibliothek.
Erbschaft zu verfügen, die ihm einige Jahre der sorglosesten Existenz bereiten konnte. Als er Wien verließ, hatte er das Vorgefühl, daß er in sein Dienstverhältniß nicht Zurückkehren werde.
In Venedig erst fand er Bettina. Sie empfing ihn freundlich, aber mit verlegenem Lächeln, als bereue sie, was sie ihm gestattet. Als er zum Gruß ihre Hand erfaßte, Zitterte dieselbe, sie wich seinem Auge aus, dann aber traf ihn plötzlich das ihrige streng verweisend, als er in der Ekstase des Wiedersehens sich Hinreißen ließ, ihre Verabredung zu überschreiten. Aber auch das schien sie wieder zu bereuen; sie wollte ihm nicht wehe thun.
Sie lud ihn deßhalb ein, sie auf einer Gondelfahrt zu begleiten, und zu seiner heimlichen Freude bestieg sie ohne ihre Gesellschaftsdame mit ihm die Gondel.
Auf der Fahrt verlangte sie hinaus, immer weiter hinaus, zwischen den Inseln hindurch; sie begehrte, hier und da bei den Fischern zu landen; die Unruhe trieb sie und er folgte ihr bereitwillig.
So sank der Abend plötzlich herab und da erst drängte sie erschreckt zur Heimkehr. Dunkler ward's in dem Raum der Barke. Bettina saß hingelehnt, ermüdet, träumend, nur anfschreckend zuweilen durch die rauhen Zurufe sich begegnender Gondoliere.
In der schmerzbewegten, schwermüthigen Stimmung, die sie umfing, war sie sanft und nachgiebig gegen ihn, während er zu ihr plauderte; sie vergaß sogar, mit ihren Gedanken fern von ihrer Situation, daß er sich ihrer Hand bemächtigt, wie er neben ihr saß; sie hatte nicht Acht darauf, daß er sich zu ihr beugte. Erst als es ihm sogar gelungen, mit seinen Lippen flüchtig die ihrigen zu streifen, wehrte sie ihn von sich mit einem Laut des Unwillens.
„Bettina, Sie wissen es ja, ich liebe Sie! Selbst wenn sie unglücklich wäre, ich gäbe diese Liebe nicht um eine Welt andern Glücks! Wenn ich nur hier zu Ihren Füßen liegen darf."
Er lag vor ihr, umklammerte ihre Kniee und barg das Antlitz aus denselben.
„Warum erzürnen Sie mich?" fragte sie, sich ausrichtend, in rauhem Ton. „Sie wissen, mein Herz ist unheilbar krank; es kann nicht mehr lieben! Wenn es dereinst genesen. . . Aber das kann und wird es nicht! Was Sie soeben gewagt, sollte Sie für immer von mir entfernen, denn jede Berührung eines Mannes bringt mein Innerstes zur Empörung; aber ich will den Freund nicht verlieren, so lange er mir gestattet, ihn als solchen zu betrachten."
Oettinghaus beugte sein Herz unter dieses Gebot auch für die Zukunft. Er folgte ihr durch Italien wie ein Schatten, nicht ahnend, daß er wirklich in ihren Augen ein solcher war. Aber es gab Tage,
Stunden wenigstens, in welchen entweder die Noth- wendigkeit, der Zufall oder der Wechsel ihrer Stimmung sie intimer zu ihm trieb, in welchem sie ihm persönliche Dienste gestattete, die sein Herz, wenn es in Entsagung erlahmte, immer von Neuem wieder entflammten.
Sie selbst stachelte diese Leidenschaft, wenn sie ihn ermüden, verzweifeln sah, aber in unberechenbarem Launenwechsel scheuchte sie ihn wieder von sich.
So nahte der Tag, wo sein Urlaub ablies. Gab er sich Rechenschaft, wie unverantwortlich er, ein junger, kräftiger Mann, all' die Zeit vergeudet, so überfiel ihn Reue; aber sah er sie vor sich, spendete sie ihm ein einziges verheißendes Lächeln, so rechtfertigte er Alles vor sich selbst. Sie mußte sein werden; was galt ihm sein elender Dienst! Jeder strebte in seinem Alter nach seinem Glück; er meinte das seinige zu erreichen.
Und dennoch fanden ihn die letzten Tage vor diesem Termin wieder in einer Stimmung, die ihm bessern, vernünftigem Rath gab. Bettina war wieder einmal verschwunden, ein Facchino brachte ihm ein Zettelchen von ihrer Hand mit der Nachricht, sie sei eilig von Florenz nach Venedig gereist; sie könne nicht bestimmen, wann sie zurückkehre.
Müde dieses Spiels, packte auch er seine Effekten. Er wollte zurück nach Wien. Ein Tag blieb ihm noch Frist; er suchte sie in Venedig, fand sie nicht, und von Ingrimm über sich und sie gepackt, kehrte er nach Wien zurück.
Aber kaum hatte er sich bei seinem Kommando gemeldet und einigen Kameraden die Hand geschüttelt, die ihn ganz verändert fanden, als ihn die Sehnsucht nach der Vermißten und Verlorenen wieder ergriff. Er glaubte sich nicht mehr tauglich zum Dienst; unzurechnungsfähig für das, was er that, reichte er seinen Abschied ein. Wie einem Fieberkranken ward ihm geglaubt, was er von seiner momentanen Dienstuntauglichkeit sprach; die Aerzte vermutheten die Malaria, die er von Italien mitgebracht.
Seinen Wünschen ward also nichts entgegengestellt, und Oettinghaus fühlte sich erst genesen, als ihn die kräftigende Luft des Sömmering umwehte.
Eine einzige Zeile von Bettina's Hand, die ihm nach Wien nachgeeilt, hatte all' das bewirkt. Sie hatte also gewußt, was er gethan, sie sehnte sich nach ihm. In Florenz sollte er sie wieder finden, wo sie ihn vergeblich gesucht haben wollte, als sie, die Welt fliehend, sich in eine einsame Cascine von Fiesole zurückgezogen, nicht ahnend — so schrieb sie — daß es ihm so leicht sein werde, seine Freundin aufzugeben.
(Fortsetzung folgt.)
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Lelivers 2Va1d. 4 Lde. 21. 15. — Leter der Dritte. 3 Lde.
21. 12. — Das Daus des Ls-britLunten. 2 Lände. 21. 8. —
Din den Dnldinond. 4 Lände. 21. 15. — 11«o/te/rTDr«6rr. Der LeNvvedensotiLtL. 3 Lände. 21. 12.
Redaktion: vr. Edmund Zoller. — Druck und Verlag der Deutschen Verlags-Anstalt (vormals Eduard HallLerger) in Stuttgart.