Heft 
(1885) 50
Seite
1177
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wöchentlich Line Nummer. ^ Alle ^ Tage Lin ^eft.

Preis vierteljährlich 2 Mark. (S> Preis 35 Pfennig xro Heft.

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Roman

von

erger.

(Fortsetzung.)

Sechstes Kapitel. Im Vaterhaus e.

amsell Doris, die Beschließe­rin imlleberweg'schenHause, befand sich in großer Ver­legenheit. Herr Klaus hatte ihr nämlich sagen lassen, es sei von Basel ein Telegramm der Herrschaft eingetroffen, nach welchem dieselbe auf den Abend zu erwarten sei. Noch immer aber war sie in Zweifel darüber, ob es sich schicke, daß dem jungen Herrn ein festlicher Empfang im Trauer­hause bereitet werde. Lange genug hatte sie sich mit der Beantwortung dieser delikaten Frage abgeängstigt und war zu keinem Resultat gekommen; jetzt plötzlich drängte die Zeit, denn Kränze und Guirlanden ließen sich nicht in wenigen Stunden herbeischaffen und aus- hängen. In ihrer Nathlosigkeit wagte sich endlich Mamsell Doris auf's Comptoir; Herr Klaus sollte entscheiden, ob etwas zu geschehen habe oder nicht.

Das gehört nicht in mein Departement," wehrte der vorsichtige Prokurist sie ab. Als indessen die Beschließerin, mit jeder Minute unruhiger werdend, nicht nachließ, in ihn Zu drängen, sagte er schließlich: Ich kann mir nicht denken, Mamsell Doris, daß dergleichen zarte Aufmerksamkeiten, vom Dienst­personal ausgehend, im Dollarlande Sitte sind, und der junge Herr kennt deutschen Hausbrauch nicht. Er wäre im Stande, Blumengewinde an Thüren und Wänden lächerlich zu finden und Ihre Mühe

Deutsche Noman-Bibliothek. HI. 25.

mit einem Verweise zu belohnen. Habe ich doch schon seine Art kennen gelernt, die Leute barsch an­zufahren !"

Daß Fräulein Holder auch nicht daran gedacht hat, mir irgend eine Anweisung Zukommen zu lassen!" seufzte Mamsell Doris, noch immer unschlüssig.

Herr Klaus wiegte nachdenklich den kleinen Kopf, legte die Hände auf den Rücken und that ein paar Schrittchen vor feinem Pulte hin und her.Fräu­lein Holder," sagte er.So, so! Also Fräulein Holder hat Ihnen keinerlei Anweisung zukommeu lassen, wie Sie sich bei Ankunst des jungen Herrn zu benehmen haben! Das ist allerdings sonderbar und wundert mich von Fräulein Holder. Ueberhaupt, Mamsell Doris," fuhr er leiser fort und knöpfte seinen langen grauen Nock mit nervöser Hast zu,es ist mir unbegreiflich, wo die Reisenden in den letzten vierzehn Tagen verweilt haben. Denn so alt un­gefähr ist das Telegramm des jungen Herrn aus Lugano, worin es am Schlüsse heißt: ,Reise sofort'."

Herr Klaus pausirte und sah die Beschließerin starr an, als ob er eine Antwort von ihr erwarte. Da aber ihre geographischen Kenntnisse zur Bestim­mung der Lage von Lugano nicht ausreichten, so be­gnügte sie sich damit, den Kopf zu schütteln und Merkwürdig!" vor sich hin zu murmeln.

Mit dieser Zustimmung war Herr Klaus zu­frieden ; er wandte die Augen ab und begann wieder vor der Wartenden spazieren zu gehen. Da Mamsell Doris den gefürchteten Prokuristen so umgänglich fand, faßte sie sich ein Herz.Was meinen Sie,

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