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iele öes Gebens
Roman
von
Wilhelm Berger.
(Schluß.)
Elftes Kapitel.
Kala M o r g a ii a.
bin ich, Klara!"
Mit einem Aufschrei flog sie ihm entgegen und warf sich an seine Brust.
„Laß mich weinen — habe Geduld mit mir — einen Augenblick nur — ich bin schwach geworden, merke ich —"
Sanft führte Arthur sie in das schwach erleuchtete Zimmer und Zn einem Sitze. „Du hast Zeit, Dich Zn fassen." Er sah sich um. Wie stach doch dieß Gemach von jenem andern ab, in dem er noch am gestrigen Abend gesessen! Eine geflickte Fußdecke, die gespaltenen Dielen zum dritten Theile bedeckend, Polstermöbel mit vielfach abgesprungenen Fournieren, die eingesunkenen Sitze mit verschossenem, portwein- farbigem Plüsch bezogen, ungemusterte Tüllgardinen, von schwarzer Stange bis eben unter die Fensterbänke hinabreichend, ein blind gewordener Spiegel über dem Sopha, die großgeblümte, himmelblau gründete Tapete hier und dort ohne Symmetrie mit Holzschnitten überklebt, die aus illustrirten Blättern stammten: fürwahr, ein trauriges Heim für ein Mädchen von Klara's seinem Geschmack! In der Ecke, nahe am Ofen, eine grau gemalte Korbwiege. Arthur trat auf den Zehen heran und blickte hinein. Wie eine
Deutsche Noman-Bibliothek. XII. 26.
schlafende Puppe sah der Kleine aus mit seinen schwarzen Haaren und rothen Wangen.
„Ist er nicht niedlich?" fragte Klara, ihre Thränen trocknend, mit einem Anfluge von mütterlichem Stolz.
Arthur setzte sich zu ihr. „Und Dein Vater?"
„Ich erwarte ihn jeden Augenblick; es ist seine Zeit. Das heißt, es sollte seine Zeit sein. Aber er kommt und geht nach Laune."
„Es ist seinetwegen, Klara, daß Du mich hieher beschieden hast?" forschte Arthur.
Klara nickte traurig. „Im ersten Schreck," er- wiederte sie. „Ich wußte mir keinen Rath mehr. Vater hat sich in letzter Zeit auffällig verändert. Rastlos, unregelmäßig in allen seinen Gewohnheiten war er immer. Er machte die Nacht zum Tage, den Tag zur Nacht. Speise nahm er zu sich, wenn es ihm gerade einfiel. Ging ihm die Arbeit flink von der Hand — er hat eine Wochenschrift zu illustriren — so wußte er sich vor Uebermuth nicht Zu lassen; wenn ihm dagegen die Produktionskraft versagte, was zuletzt immer häufiger geschah, so wurde er eine Beute der düstersten Gedanken, tobte gegen sich und die Welt und drohte, seinem Leben ein Ende zu machen. Ich war dieß schließlich gewöhnt geworden und machte ihm keine Szenen mehr, wie er's nannte, wenn ich ihn beschwor —"
Sie stockte. „Das Trinken zu unterlassen," ergänzte Arthur.
„Er kann dieß nicht mehr," fuhr Klara fort. „Vor einigen Abenden war er verstimmt nach Hause
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