Heft 
(1885) 52
Seite
1247
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Feuilleton.

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So geschah es denn, daß am dritten Tage die ganze Familie wieder über die Alpen reiste und Jeder von ihnen seine Laune wieder fand, als er die Heimatluft athmete.

Camill Balsado hatte am Morgen dieses Tages unter großer Theilnahme der amerikanischen Kolonie die arme, schöne Ellen zur Gruft geleitet. Nach wenigen Wochen schon folgte ihr auch Mr. Hawcourt in's Grab, der den Verlust seines einzigen Kindes nicht zu überleben vermochte. Tief darnieder gedrückt suchte der Künstler Trost bei dem theuren Meister in Neapel.

Als der Frühling gekommen, Zog er mit seiner Geige wieder in die weite Welt hinaus. Ein Traum war ihm sein Lieben geworden, ein kurzer, schwerer Doppeltraum.

Gianetti sah man wieder wie früher allabendlich in dem hintern Salon seines Kaffeehauses am Boule­vard sitzen und sich mit einem deutschen Freund und Kunstverwandten zanken, mit dem er wohl schon an die dreißig Jahre in der intimsten Uneinigkeit lebte.

Als ihm auch dieser vor einigen Jahren gestorben

Seuil

Mosaik.

Auch aus der guten alten Zeit. Einen Begriff davon, wie vor vier- bis fünfhundert Jahren junge Kausleute aus­gebildet wurden, bekommt man, wenn man das Werk:Aller- hant Hantirungen fir junge Leite, so sich der Kremerei, und Handl befleifzen tun bei Kauf, Verkauf und Tausch, bei Hausz und Jarmark. Genommen und verteutscht aus der wahr­haftigen Cronica, feit die Welt stehet bifz auf disz Jahr von Eusebius Meinert, so man zählt 1468 nach Christo, Frank­furt a. M.", einer Lektüre werth erachtet. Wir lassen das kaufmännische Lehrbuch hier in seinem Urtexte selbst reden und stellen alle Bemerkungen über Form und Inhalt der Belehrung unserer Leser anheim. Das Buch sagt wörtlich:

So der Junge in die Ler kumt bei die Krämerei, firr im von ainer Schachtel zu Andern, aldiweil aber die Jungen nicht lesen kan, binde Zibeben auf die Zibebenschachtel, Siszholz auf die Siszholzschachtel, auf die andere juuixrix bisz der Bengel lesen kan, und herangewakszen ist. Findet er alles von Selbstem alleiniglich, so ist er firwarr als fertiger Helfer oder Junker nit mehr mit Maultaschen zu behandeln, auch dasz schneuzen törf im nicht vor die Kunden befallen werden, wail er sonst rott wird.

Frumbhait ist die erste tugentliche Aigenschast eines Kremers, doch hast du auf dein Nuztail zu hantiren. Bei Masz und Gewicht sain allerhand Kunst zu machen. Wan du fir zwei Pfennige Kimel meszen tust, halte das Mäszlein fein krumb, als hettest du das Raiszen in deiner Hant, mit der andern Hant fille ain, und ehe es fol ist, stirze es der Kunde im Topf.

Anderer Hant grif. So du Honig auf die Wag gibst gebe Staine als Gewicht so, dasz dein Töpflein tiffer stehet, sonst hast du kain Gewin.

Anderer Hantgrif. Wigest du mit der Hantwage Pfeffer über drei Pfennige, so schnelle mit dem langen Finger der linken Hant das Zingelein so, daß man glauben tut, cs ist mer, als man verlangt.

Anderer Hantgrif. So du eine Ele Hanfbendelein oder Waiszeig meszen tust, so halte den Daum der rechten Hant mit der Flaischseite auf das Bendelein, beim abschneiden aber, überbige dein Daumlein bis zur Nagelwurzel, so ge-

und die Stätte um ihn öde ward, zog er nach Paffy hinaus, wo seine Repetiruhren und seine Patience­karten dem mürrischen und gebrechlichen Alten die einsamen Stunden verkürzten.

Vor wenigen Monden lief die Nachricht durch alle Zeitungen, er liege in den letzten Zügen. Aber gewiß ist ihm nur eingefallen, daß er so lange keine Rakete mehr habe steigen lassen, denn wenn er eine Zeitlang keine Reklame von sich gelesen, glanbte er selbst, er sei gestorben.

Seine Rede war immer:Schreibt über mich, schreibt Schlechtes, so viel ihr wollt, aber schreibt von mir!" Und so ließ er wahrscheinlich dieß über sich schreiben, da nichts Anderes von ihm mehr zu sagen war.

Aber es war, wie er selbst zu sagen pflegte, immer etwas Wahres an dem, was er durch die Zeitungen in die Welt sandte, und dießmal war es ganz wahr.' Gianetti.ist gestorben in dem stillen Paffy bei Paris, einsam und verlassen, und da er selbst seinen Tod nicht verkünden konnte, ist nur flüchtig von demselben die Rede gewesen.

I e t o n.

winnest du bei jeder Ele eine Nagellenge, bei Ainkäufe tuhe das verkehrte dieser Neguln.

Anderes. So du Baumehl meszest tuhe das Ziment lange abtraufen lassen, geusze aber schnell das Ehl in deiner Kunde Töpflein und henge dein Zimentlein im Stander, so wirst du zu was komen.

Anderes. Ist dir an aine Kundin was gelegen, so mache dich gefelig, sage das sie schönleibig seye, und du woll- gefallen an Ir findest, sie wird geblendet sein, und kaust auf vortailhaften Verkauf sicher sain; auch wenn die Weiber häszlich, und narbig sind tuhe ihnen schön, es pringt Nutz.

Anderes. Ist dir an eine hibsche Kundin gelegen, so mache dich gefelig, mache den Zeigefinger an die Zunge nasz, greife ihr damit auf die Bake oder Halskraus, tuhe, als hettest du ein Ungeziffer gefangen, werfe es auf die Erde und trette darauf, sie wird dir danken fir den freindschaftlichen Dienst, den du ihr getan, pringt dir Nutz.

Anderes. Wen dir ain Ratsherr, oder ainer von der Geistlichkait etwas nach Ele oder Gewicht abkaufen tut, oder gar nach Mäszlein, so lasz alle Vorteilhaftigkaiten weg, diese gelarte Herren tun alles Nachwiegen und meszen, und werden dich darob loben und sonderlich eren.

Reg ul I. Farst du auf Jarmark durch Hern-Gauen oder Wald, nimm klaine Rad an dein Wagen, und hüte dich, dasz du kaine Grundruhr zahlen must, sonst ist dein Gewin ver­loren. (Die Kaufleute mußten damals zu ihren mit Maaren be­packten Wagen nur kleine Räder nehmen, damit die Wagen auf den schlecht gepflegten Straßen nicht leicht umwarfen. Kauf­mannsgüter, welche den Boden des Fahrwegs berührt hatten, gingen nämlich schon durch das Berühren des Bodens allein in das Eigenthum des Grundbesitzers über.)

Reg ul II. Deine Gröfcheln und Pfennige trage fleiszig in dein Leibgurt, und lasz nicht merken, daß du einen solchen hast; so du aine Brennsuppe kaufest gebe nur ain Zwaipfennig- stück zum auswekseln, das man kain Gelt bei dir glaubet. Gaudiebe sind iberall.

Wirst du selbststendiger Kremer, so gehe alle Woche zwei­mal zur Mesze, und alle vierzehn Tage zur Peichte, aber nur in dein Sprengl, wo du als ansentlicher Kaufherr wirst geert werden, und kain pöser Leumund pringt dir Schaden.