Heft 
(1885) 01
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Illustrrrtes Familienblatt. Begründet von Krnst Keil 1853 .

Wöchentlich 2 bis 2-/2 Sogen. - Ln W-chennummern niertelHihrlich 1 Mark 60 Pfennig. - Ln Heften L 50 Pfennig oder Haltchesten L 30 Pfennig.

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^d wieder schied ein Jahr! Die Welt wird alt!"

So klagt ein traurig Wort: ein Wort des Wahns!

Die Welt bleibt jung: du hüte nur dich selbst,

Daß dir das Herz, erkaltend, altre nicht.

Die Welt bleibt jung! Noch scheint so hell, so warm Wie auf jung Siegfrieds Goldgelock die Sonne;

Noch reift aus duft'ger Nebenbluft fo wonnig Wie für der Hohenstaufen Mund der wein;

Nicht holder sang als dir die Nachtigall Herrn Walther von der vogelweide vor,

Und schöner schwebte vor Herrn Gottfried's Augen Jur Rosen-Schapel keineHerrin" hin,

Als deutscher Frauen Reiz noch heute blüht.

Was hilft's? Mir aber fließt das Blut nicht mehr So heiß, so rasch wie in der Jugend Tagen.

Wohl wird auch dieser Lenz noch Rosen bringen:

Doch taugt ihr Roth nicht meinem grauen Haar."

.. nd muß denn grade dich die Rose schmücken?

Und ziert sie Andrer Locken minder schön?

Frei schenkte dir wo war dein Recht darauf? Der Gott des Lebens eine ganze Welt;

Tr gönnte dir des Athems warme Freude;

Hast du den Anspruch, ewig zu genießen?

Willst in dem Wald du einziger Baum allein,

Den Rünst'gen Raum und Wachsthum hemmend, ragen? Erröthest du ob soviel Selbstsucht nicht?

Das wahrhaft Ew'ge ist keinImmerfort!",

Ist nicht die Rette endlos vieler Stunden:

Das Ew'ge ist der Rreis, der, in sich selbst Vollkommen und nothwendig, sich beschließt.

was Einmal du an wahrem, Schönen:, Gutem Erkannt, genossen und gehandelt hast,

Bleibt ewig, bleibt unwiderrusbar dein:

Rein Tod kann tödten, was vollendet war.

Dem Ganzen lebe, dem du angehörst Und ohne das du nichts und elend bist:

Der Menschheit, deinem Volk und deinen Freundei:! Zerbrich der Selbstsucht schnöde Zwingherrschast, Begreife das Nothwend'ge und sei frei l In Demuth beuge dich den: einzig Ew'gen:

Dem unaussprechlich heiligen Geheimniß,

Das in dein Abgrund der Unendlichkeit

Stets treibt und wirkt, vom dunkelblaue:: Mantel,

Gestickt mit Milliarden von Gestirnen,

Dem Blick inehr zugedeckt als offenbart.

vast du dies Ew'ge frommen Sinns geahnt,

Nie wirst du um Vergänglichkeit mehr klagen, Und Friede, heiliger und unbedrohter Als er in aller Priester Tempeln wohnt,

Der Friede der Entsagung, wird dein Herz,

So lang es pocht, beseligend durchdringen.

Ja, wahre Seligkeit ist nur der Friede,

Die Harmonie mit Schicksal, Welt und Menschen Und mit dem eignen gottversöhnten Selbst.

Die Neujahrsglocken dieses jungen Jahres,

Sie mögen uns mit feierlichem Schall Solch hehren Frieden künden und bedeuten;

Dann sei':: sie auch die letzten, die wir hören, Dann soll'n sie ewig uns gesegnet sein!

AeM Dahn.

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