231 Julius Rodenberg (1831-1914), Roman- und Reiseschriftsteller sowie Publizist; gründete 1874 in Berlin die Zeitschrift Deutsche Rundschau, die er bis zu seinem Tode herausgab. Rodenberg war seit Sommer 1871 Korrespondenzpartner Fontanes (vgl. Hans-Heinrich Reuter [Hrsg.] : Theodor Fontane. Briefe an Julius Rodenberg. Eine Dokumentation [Berlln/Weimar; Aufbau 1969]; vgl. ferner Kurt Schreinert: .Allerlei Ungedrucktes über und von Theodor Fontane“ in Jahrbuch der deutschen Schiller-Gesellschaft 4 [1960], S. 377-83, Teil 1: .Julius Rodenberg und Theodor Fontane“). Laut Kühn (S. 179, Anm. 240) war Mauthner mit Rodenberg verfeindet, weshalb er auch scheinbar nie für die Deutsche Rundschau geschrieben hat; dieses Feindschaftsverhältnis beruhte auf prinzipiellen Differenzen (vgl. dazu auch den Beitrag ,Ein Urbild des Stilkünstlers Wippchen“ in Mauthners Essay-Sammlung Von Keller zu Zola [Berlin: J. J. Heine 1887]. S. 144—153, worin er Rodenberg als den „Typ des schwächlichen Journalisten“ bezeichnete, „dessen Unaufrichtigkeit sich in der Vergewaltigung der Sprache offenbare.“ [Kühn, S. 189, Anm. 303]); vgl. ferner Mauthners abfällige Bemerkungen über Rodenberg in seinen (unveröffentlichten) Lebenserinnerungen II .Letzter Wille“, worin er von dem „gräßlichen Julius Rodenberg“ spricht (S. 57), ihn einen ..Lauseredakteur“ nennt (S. 50) und betont, daß er nicht in Wettbewerb treten möchte mit einem Mann, „der als Redakteur der deutschen Rundschau ein sehr tüchtiger Buchhandlungsgehilfe war, sonst aber — als deutscher Schriftsteller - einfach ein Lumpenkerl“ (S. 57); Fontane hat später diese Ansicht mit Mauthner geteilt, nachdem es 1896 zum Bruch mit Rodenberg gekommen war (vgl. Schreinert, a a. O., S. 379; vgl. ferner Haacke, a. a. O., S. 144-46).
232 Wilhelmine von Hillern: .Die Geyer-Wally. Eine Geschichte aus den Tiroler Alpen“, Vorabdruck in der Deutschen Rundschau Bd. 2 (Jan.-März 1875), S. 1-53 und S. 167—227; der Roman war sehr populär und die Buchausgabe Die Geyer- Wally. Eine Geschichte aus den Tyroler Alpen (Berlin: Gebr. Paetel) erschien in l. und 2. Auflage bereits im gleichen Jahr 1875; Fontane hatte laut Tagebuch (vgl. Heilborn, s. 143) am 25. 4. 1884 die dramatisierte Form des Romans gesehen. Friedrich KreyDig, Redakteur der .Literarischen Rundschau“ von 1874 bis 1879, hatte in einer Rez. der Buchausgabe der Geyer-Wally geschrieben: „Die Deutsche Rundschau ist ihr [Wilhelmine von Hillern/die Hrsg.] zum guten Teile für die ungewöhnlichen Erfolge Ihrer Nummern verpflichtet: die Begeisterung der Leserinnen namentlich, war ungeteilt.“ (Julius Rodenberg: Die Begründung der .Deutschen Rundschau“, Jubiläumsschrift 1889 [Berlin: 1889], S. 4); vgl. ferner Fontanes Brief an seine Frau vom 21. 9. 1887 (Propyläen, I, Nr. 203, 339-40 und IV, Anm., 249).
233 Vgl. dazu Fontanes Besprechung des Erfolgsstückes (in VZ Nr. 473 vom 11. 10. 1881; zit. aus Knudsen, a. a. O.. S. 198—99): „Vom ersten Augenblick an glüht es und sprüht es und knattert’s und prasselt’s, und wenn die Rakete mit den fünf Leuchtkugeln eben als Sanspareil in die Luft gestiegen ist, so folgt auch schon eine zweite, die mit ihren zwölf knatternden Schwärmern die Fünf- Leuchtkugeln-Rakete wieder aus dem Felde schlägt. Effekt über Effekt, zugestanden. Und doch nichts von eigentlicher Effekthascherei; die grellen Farben geben sich als das natürlich Kleid, und mehr Braun oder Grau darin zu verlangen, hieße den Goldfasan vom Sperlingsstandpunkt rektifizieren zu wollen. Alles im Leben hat entweder sein besonderes Licht oder verlangt es; und für den, der nächstens ein Turmseil anstelgen will, sind vielleicht Sonnen und pots ä feu's die natürlichen Beleuchtung ... “
234 Marie Esther Gräfin von Waldersee (1838—1914), Tochter von Daniel Lee (New York); heiratete Ende 1864 (als Bürgerliche) den Prinzen Friedrich von Schles- wig-Holstein-Sonderburg-Augustenburg (1800—1865), der im September 1864 - unter Verzichtleistung auf seinen bisherigen Namen und Stand (vgl. Heinrich Otto Meisner [Hrsg.]: Denkwürdigkeiten des Generalfeldmarschalls Alfred Gral von Waldersee [Stuttgart/Berlin: Deutsche Verlags-Anstalt 1922], Bd. 1, S. 200, Anm. l) — vom Kaiser den Titel .Fürst von Noer“ verliehen bekam (er starb 1865); heiratete dann 1874 den Grafen Alfred von Waldersee (1832-1904) (zu Einzelheiten seiner Karriere als Generalquartiermeister und Chef des Generalstabes der Armee vgl. Meisner, a. a. O., Bd. 1-3; zur Verlobung und Heirat vgl. Bd. 1, S. 170 f); laut Michael Balfour (Kaiser Wilhelm II. und seine Zeit [Frankf. a. M./ Berlin/Wien: 1979/=Ullstein TB 27501, S. 133) hatte die Gräfin große Ambitionen und brannte darauf, ihren Mann als Reichskanzler zu sehen; beide Waldersees waren daher bitter enttäuscht, als Wilhelm II. 1890 den Grafen Leo v. Caprivi zum Reichskanzler ernannte; Fontane hat in dieser Eheschließung wohl eine Parallele zur Problematik seiner Charakterpaare Botho/Lene bzw. Waldemar/ Stine gesehen.
235 Georg Ernst Hinzpeter (1827-1907), von 1866—77 Erzieher des Prinzen Wilhelm, des späteren Kaisers Wilhelm II.; vgl. dazu G. Hinzpeter: Kaiser Wilhelm II. Eine Skizze nach der Natur gezeichnet (Bielefeld: Velhagen & Klasing 1888), worin es u. a. heißt: „Aber je leichter alle diese Äußerlichkeiten mit dem nötigen Eifer sich besorgen und erreichen ließen; desto schwerer war es, das innere