132
Reisewerte Stanleys und seiner Gesährten in nächster Zeit genügendes Licht über diese Fragen verbreiten werden. Einen bleibenden Werth werden aber diese Briefe für die geographische Forschung behalten; hier werden die wichtigen Fragen der Nilseen unter dem frischen unmittelbaren Eindruck erörtert, und stets wird es einen hohen Genuß gewähren, zu lesen, wie nach und nach Vermuthungen geklärt werden und ein einziger kühner Vorstoß eine ganze Reihe sinnreicher Kombinationen über den Haufen wirft. *
Aereraöend. (Zu dem Bilde S. 120 u.
121.) In der ganzen europäischen Kulturwelt ist keine Stunde geeigneter, das vertraute Leben und Treiben des Volkes unter sich zu beobachten, als die Stunde des Feierabends an einen: Sommertage. Da lebt das Volk im Freien; es athmet aus von des Tages Mühen und Plagen; mit der süßen wohlverdienten Rast nach saurer Arbeit kommt ein frohmüthiges Gefühl über den Menschen, und der Schimmer des Humors vergoldet ihm die Dinge.
In solchen Stunden läßt sich auch am besten erkennen, wie hundertfach schattirt und durch kleine Besonderheiten ausgezeichnet des Volkes Arbeitsleben ist. Ein schönes Beispiel dafür liefert uns wieder das Bild von Meister Defregger, welches wir heute bringen. Dasselbe hat einen bestimmten landschaftlichen und wirthschaftlichen Hintergrund. Im Herzen von Tirol, wo das Pusterthal und das Eisackthal Zusammentreffen, liegen üppige Bergwiesen hoch oben an den Alpengehängen. Viel- stündige steile Bergwege trennen sie von den Bauernhöfen, zu welchen sie gehören, und doch ist ihr Graswuchs so reichlich, daß der Bauer ihr Heu nicht entbehren mag. So bleibt nichts übrig, als daß, meistens um den Tag des heiligen Laurentius (Anfang August), die ganze Bevölkerung des Bauernhofes, mit Ausnahme der Bäuerin und der kleinen Kinder, mit Sensen und Heugabeln bewehrt auf ein paar Tage nach jenen Bergwiesen hinauswandert, um dort oben zu mähen, das Heu zu trocknen und es dann, je nach der Beschaffenheit des Weges, entweder auf dem Rücken oder auf nachgeschleiften Fichtenzweigen bis zum nächsten fahrbaren Sträßchen herab zu befördern. Die Mäher bringen die Nächte während dieser Arbeitszeit in den Heustadeln zu; da man aber in diesen Stadeln (Scheunen) wegen der Feuersgefahr kein Feuer anzünden darf, haben sie eine eigene „Kochhütte", die in kunstlosester Weise aus unbehauenen Baumstämmen zusammengefügt ist. Diese Kochhütte, ein alpines Speisezimmer, bildet den Bersammlungsplatz für die Mäher, wo sie von der Tagesmühe rasten, während eine alte Magd im rußigen Kessel die Polenta oder die Milchsuppe. für die Gesellschaft bereitet. Vortrefflich ist dem Künstler die Feierabendstimmung in Haltung und Gesichtern der kleinen Gesellschaft gelungen, meisterhaft aber auch die Jndividualisirung der einzelner:
Köpfe. Man glaubt es ordentlich zu hören, wie der etwas einfältig aussehende Mensch auf dem Holzklotze, der sich in täppischer Weise bemüht, seinen Hut mit Alpenblumen und Vogelfedern zu schmücken, von der übrigen, ihm geistig überlegenen Gesellschaft geneckt wird — fei es nun wegen seiner „Schönheit" und „Klugheit" oder wegen seiner „Erfolge" bei den Schönen des Dorfes. Wer je bei dem frohen und kraftvollen Volke der Berge herumgewandert ist, erkennt auf den ersten Blick, wie glücklich mitten aus dem Leben dieses Volkes unser Bild gegriffen ist; aber auch der, dem diese
Z
Freude nie zu theil ward, fühlt heraus, wie einfach, gutherzig und schalkhaft zugleich die Menschen find, die da droben Hausen. M. H.
Am eine Stunde. (Zu den nebenstehenden Abbildungen von F. Wittig.) Die Maffenhaftigkeit und die drängende Eile des Verkehrs in den Millionenstädten schafft immer schwierigere Aufgaben und immer erstaunlichere Mittel zu ihrer Bewältigung. Kernpunkt der letzteren ist, daß niemals Zeit verloren werde; was die Stunde bringt, muß schleunigst weggearbeitet werden, denn schon drängt die nächste Stunde mit neuen Massen und neuen Lasten.
In Berlin wurden bis vor kurzem die Briefe, welche auf den einzelnen Postämtern zur Einlieferung kamen, durch kleine, in einer bestimmten Reihenfolge bei den einzelnen Aemtern anfahrende Kariolwagen abgeholt und auf das Hauptpostamt verbracht. Die Fahrt, welche ein solcher Kariol- wagen zu machen hatte, dauerte je etwa eine Stunde und so lange ruhten die Briefe unberührt und unbearbeitet in ihrem dunklen Verließ. Das aber bedeutete einen Zeitverlust, der sich mit den Grundsätzen einer auf der Höhe ihrer Aufgabe stehenden Postverwaltung nicht vertrug. So kam man auf den Gedanken, für die Abholung der Briefe von den einzelnen Postämtern eigene große Wagen herzustellen, in welchen nicht nur die Masse der Briefe selbst, sondern auch ein Beamter Platz findet. Dessen Aufgabe ist es dann, während der Fahrt die in Empfang genommenen Briefe rasch mit gewandter Hand zu sortiren und je nach ihrer Adresse in die einzelnen Fächer seines Wagens zu vertheilen; ist er an der letzten der ihm zugewiesenen Postanstalten vorüber und hat er auch die von ihr erhaltenen Briese nack Maßgabe ihres Bestimmungsorts vertheilt, dann packt er den Inhalt seiner Fächer in Packete, welche er fertig zur sofortigen weiteren Versendung aus dem Hauptpostamt abliefert. Dort nimmt er alsbald die für die Postämter seines Bezirks bestimmten Briefpackete entgegen und begiebt sich von neuen: auf die Fahrt.
Von unseren Abbildungen zeigt die obere die äußere Ansicht eines solchen „Straßenpostwagens", wie sie seit 1. November 1889 durch die Straßen Berlins fahren, während uns die untere einen Blick in das Innere thun läßt. Rechts und links an den Langseiten befinden sich die Fächer für die Briefe, eine ausschlagbare Klappe dient zum Schreiben, aus den: Boden lagern fertige Briesbeutel. Ein Feldstuhl und ein Korb vollenden die Einrichtung des Wagens. Die mit dem Sortiren betrauten Beamten müssen eine große Gewandtheit besitzen, um fertig zu werden, denn es bleiben ihnen von einem Postamt zun: andern nur wenige Minuten. An der Außenseite des Wagens bemerken wir auch den Briefeinwurf, der von den: Publikum für eilige Sendungen benützt werden kann. Der Zeitgewinn, welcher durch die neue Einrichtung erzielt wird, beläuft sich wie gesagt durchschnittlich auf eine Stunde. Für eine ziemliche Anzahl Sendungen aber ergiebt sich eins Beschleunigung der Bestellung um volle 12 Stunden, insofern sie noch abends vor Schluß der Post zur Ablieferung gelangen, anstatt erst am andern Morgen.
Es ist kein Zweifel, daß diese Einrichtung der Straßenpostwagen, mit welcher unsere Reichspostverwaltung bahnbrechend vorgegangen ist, bald auch in anderen Großstädten Nachahmung finden wird. ----
Anstatt: Flammenzeichen. Roman von E. Werner (Fortsetzung). S. t17. — Ein Widerschein der französischen Revolution. Von F. A. v. Winterfeld. S. 122. — Zum hundertjährigen Todestage Kaiser Josefs :i. Von R. Mahrenholtz. S. 124. Mit Illustrationen S. t 25 u. 129. — Quitt. Roman von Theodor Fontane (Fortsetzung). S. 12/. — Blätter und Blüthen: Deutschlands merkwürdige Bäume: Die Kaditzer Linde. S. 131. Mit Abbildung S. 117, — Stanleys Briefe über Emin Paschas Befreiung. S. 131. — Feierabend. S. 132. Mit Illustration S. 120 u. 121. — Um eine Stunde. S. 132. Mit Abbildungen S. 132.
Ei» unentlirhrlilhes Fninilikiilnilh, rin lumhNcr Kathgelier in zcfnniien Enzen und rin trenn Helfer in der Unth!
In dem Unterzeichneten Verlage ist erschienen und durch die meisten Buchhandlungen zu beziehen:
Das Huch som gesunden und kranken Menschen.
von Professor vr. Gark Ernst Mock.
Vierzehnte, neu umgearbeitete Auflage. Herausgegeben von Dr. Max voll BmmevNMMI.
Mit rttsttrrerckjerr Avlartdirngerr irr Holrfrstrrrtt rrnd nrelgreverr Farvtafein.
Vollständig in einem Aand. Hkers elegant in Katöfranz gebunden 12 Mark.
In diesem berühmten Buche, welches für alle Zeitei: ein unübertreffliches Muster klarer, leichtfaßlicher und im besten Sinne des Wortes volksthümlicher Darstellung bleiben wird, ist dem größeren Publikum ein Werk geboten, worin es eingehend über den Bau des menschlicher: Körpers, die Verrichtungen seiner einzelnen Organe, sowie über den Gesundheits- und Krankheitszustand derselben unterrichtet und über eine vernünftige naturgemäße Pflege des Körpers im gesunden nnd kranken Instande belehrt wird.
Die neue vierzehnte Auflage ist von dem durch feine populär-medicinischen Arbeiten bekannten Herausgeber Di. meä. von Zimmermann, einem Schüler IZock's, wiederum auf das Sorgfältigste durchgesehen und den Fortschritten der stetig und rastlos sich entwickelnden Wissenschaft entsprechend mit zahlreichen Zusätzen, Berichtigungen und Ergänzungen versehen worden.
Verlagshandlung von Ernst Kril's Nachfolger in Leipzig.
Herausgegeben unter verantwortlicher Redaktion von Adolf Krön er. Verlag von Ernst Keil's Nachfolger in Leipzig. Druck von A. Wiede in Leipzig