Heft 
(1890) 08
Seite
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Reisewerte Stanleys und seiner Gesährten in nächster Zeit genügendes Licht über diese Fragen verbreiten werden. Einen bleibenden Werth wer­den aber diese Briefe für die geographische Forschung behalten; hier wer­den die wichtigen Fragen der Nilseen unter dem frischen unmittelbaren Eindruck erörtert, und stets wird es einen hohen Genuß gewähren, zu lesen, wie nach und nach Vermuthungen geklärt werden und ein einziger kühner Vorstoß eine ganze Reihe sinnreicher Kombinationen über den Haufen wirft. *

Aereraöend. (Zu dem Bilde S. 120 u.

121.) In der ganzen europäischen Kultur­welt ist keine Stunde geeigneter, das ver­traute Leben und Treiben des Volkes unter sich zu beobachten, als die Stunde des Feier­abends an einen: Sommertage. Da lebt das Volk im Freien; es athmet aus von des Tages Mühen und Plagen; mit der süßen wohlverdienten Rast nach saurer Ar­beit kommt ein frohmüthiges Gefühl über den Menschen, und der Schimmer des Hu­mors vergoldet ihm die Dinge.

In solchen Stunden läßt sich auch am besten erkennen, wie hundertfach schattirt und durch kleine Besonderheiten ausgezeich­net des Volkes Arbeitsleben ist. Ein schönes Beispiel dafür liefert uns wieder das Bild von Meister Defregger, welches wir heute bringen. Das­selbe hat einen bestimmten landschaftlichen und wirthschaftlichen Hinter­grund. Im Herzen von Tirol, wo das Pusterthal und das Eisackthal Zusammentreffen, liegen üppige Bergwiesen hoch oben an den Alpengehängen. Viel- stündige steile Bergwege trennen sie von den Bauern­höfen, zu welchen sie gehören, und doch ist ihr Graswuchs so reichlich, daß der Bauer ihr Heu nicht entbehren mag. So bleibt nichts übrig, als daß, meistens um den Tag des heiligen Laurentius (An­fang August), die ganze Bevölkerung des Bauern­hofes, mit Ausnahme der Bäuerin und der kleinen Kinder, mit Sensen und Heugabeln bewehrt auf ein paar Tage nach jenen Bergwiesen hinauswan­dert, um dort oben zu mähen, das Heu zu trocknen und es dann, je nach der Beschaffenheit des Weges, entweder auf dem Rücken oder auf nachgeschleiften Fichtenzweigen bis zum nächsten fahrbaren Sträßchen herab zu befördern. Die Mäher bringen die Nächte während dieser Arbeitszeit in den Heustadeln zu; da man aber in diesen Stadeln (Scheunen) wegen der Feuersgefahr kein Feuer anzünden darf, haben sie eine eigeneKochhütte", die in kunstlosester Weise aus unbehauenen Baumstämmen zusammengefügt ist. Diese Kochhütte, ein alpines Speisezimmer, bildet den Bersammlungsplatz für die Mäher, wo sie von der Tagesmühe rasten, während eine alte Magd im rußigen Kessel die Polenta oder die Milch­suppe. für die Gesellschaft bereitet. Vortrefflich ist dem Künstler die Feierabendstimmung in Haltung und Gesichtern der kleinen Gesellschaft gelungen, mei­sterhaft aber auch die Jndividualisirung der einzelner:

Köpfe. Man glaubt es ordentlich zu hören, wie der etwas einfältig aus­sehende Mensch auf dem Holzklotze, der sich in täppischer Weise bemüht, seinen Hut mit Alpenblumen und Vogelfedern zu schmücken, von der übrigen, ihm geistig überlegenen Gesellschaft geneckt wird fei es nun wegen seiner Schönheit" undKlugheit" oder wegen seinerErfolge" bei den Schönen des Dorfes. Wer je bei dem frohen und kraftvollen Volke der Berge herum­gewandert ist, erkennt auf den ersten Blick, wie glücklich mitten aus dem Leben dieses Volkes unser Bild gegriffen ist; aber auch der, dem diese

Z

Freude nie zu theil ward, fühlt heraus, wie einfach, gutherzig und schalk­haft zugleich die Menschen find, die da droben Hausen. M. H.

Am eine Stunde. (Zu den nebenstehenden Abbildungen von F. Wittig.) Die Maffenhaftigkeit und die drängende Eile des Verkehrs in den Millionenstädten schafft immer schwie­rigere Aufgaben und immer erstaunlichere Mittel zu ihrer Bewältigung. Kernpunkt der letzteren ist, daß niemals Zeit verloren werde; was die Stunde bringt, muß schleu­nigst weggearbeitet werden, denn schon drängt die nächste Stunde mit neuen Mas­sen und neuen Lasten.

In Berlin wurden bis vor kurzem die Briefe, welche auf den einzelnen Postäm­tern zur Einlieferung kamen, durch kleine, in einer bestimmten Reihenfolge bei den einzelnen Aemtern anfahrende Kariolwagen abgeholt und auf das Hauptpostamt ver­bracht. Die Fahrt, welche ein solcher Kariol- wagen zu machen hatte, dauerte je etwa eine Stunde und so lange ruhten die Briefe unberührt und unbearbeitet in ihrem dunk­len Verließ. Das aber bedeutete einen Zeit­verlust, der sich mit den Grundsätzen einer auf der Höhe ihrer Aufgabe stehenden Post­verwaltung nicht vertrug. So kam man auf den Gedanken, für die Ab­holung der Briefe von den einzelnen Postämtern eigene große Wagen herzustellen, in welchen nicht nur die Masse der Briefe selbst, sondern auch ein Beamter Platz findet. Dessen Aufgabe ist es dann, während der Fahrt die in Empfang genom­menen Briefe rasch mit gewandter Hand zu sortiren und je nach ihrer Adresse in die einzelnen Fächer seines Wagens zu vertheilen; ist er an der letzten der ihm zugewiesenen Postanstalten vorüber und hat er auch die von ihr erhaltenen Briese nack Maßgabe ihres Bestimmungsorts vertheilt, dann packt er den Inhalt seiner Fächer in Packete, welche er fertig zur sofortigen weiteren Versendung aus dem Hauptpostamt abliefert. Dort nimmt er als­bald die für die Postämter seines Bezirks bestimm­ten Briefpackete entgegen und begiebt sich von neuen: auf die Fahrt.

Von unseren Abbildungen zeigt die obere die äußere Ansicht eines solchenStraßenpostwagens", wie sie seit 1. November 1889 durch die Straßen Berlins fahren, während uns die untere einen Blick in das Innere thun läßt. Rechts und links an den Langseiten befinden sich die Fächer für die Briefe, eine ausschlagbare Klappe dient zum Schreiben, aus den: Boden lagern fertige Briesbeutel. Ein Feldstuhl und ein Korb vollenden die Einrichtung des Wagens. Die mit dem Sortiren betrauten Beamten müssen eine große Gewandtheit besitzen, um fertig zu werden, denn es bleiben ihnen von einem Postamt zun: andern nur wenige Minuten. An der Außenseite des Wagens bemerken wir auch den Briefeinwurf, der von den: Publikum für eilige Sendungen benützt werden kann. Der Zeitgewinn, welcher durch die neue Ein­richtung erzielt wird, beläuft sich wie gesagt durchschnittlich auf eine Stunde. Für eine ziemliche Anzahl Sendungen aber ergiebt sich eins Beschleunigung der Bestellung um volle 12 Stunden, insofern sie noch abends vor Schluß der Post zur Ablieferung gelangen, anstatt erst am andern Morgen.

Es ist kein Zweifel, daß diese Einrichtung der Straßenpostwagen, mit welcher unsere Reichspostverwaltung bahnbrechend vorgegangen ist, bald auch in anderen Großstädten Nachahmung finden wird. ----

Anstatt: Flammenzeichen. Roman von E. Werner (Fortsetzung). S. t17. Ein Widerschein der französischen Revolution. Von F. A. v. Winterfeld. S. 122. Zum hundert­jährigen Todestage Kaiser Josefs :i. Von R. Mahrenholtz. S. 124. Mit Illustrationen S. t 25 u. 129. Quitt. Roman von Theodor Fontane (Fortsetzung). S. 12/. Blätter und Blüthen: Deutschlands merkwürdige Bäume: Die Kaditzer Linde. S. 131. Mit Abbildung S. 117, Stanleys Briefe über Emin Paschas Befreiung. S. 131. Feierabend. S. 132. Mit Illustration S. 120 u. 121. Um eine Stunde. S. 132. Mit Abbildungen S. 132.

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