Heft 
(1890) 30
Seite
501
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Illustriertes Lamilienblatt. - Begrünet von Krnst Keir 1853.

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WRE

(3. Fortsetzung.)

Gin Wann.

Roman von Hevmann HerUev^.

Limforden war inzwischen ein Schreiben aus Kiel einge- laufen, in dem Frau Erieius neben anderen nicht unwichtigen Dingen mitgetheilt hatte, daß Graf Utzlar sich endgültig ent­schlossen habe, künftig in Limforden seinen Wohnsitz zu nehmen, und daß die Hochzeit, sobald dies schicklicherweise mit den traurigen Vorfällen zu vereinbaren sei, stattfinden werde. Da Utzlar schon in wenigen Tagen seinen Austritt aus der Marine bewirkt haben würde, habe sich das Brautpaar entschieden, nach dem Gute zu reisen, um sich seine künftigen Wohnränme anzusehen und eine Uebersicht zu gewinnen, was etwa an Mobiliar und sonstigen Einrichtungsgegenständen anzuschaffen sein werde. Gleich mit dem Frühlingsanfang solle dann die Uebersiedelnng stattfinden, und Frau Erieius bitte fämmtliche Betheiligte, ihrer Tochter und Utzlar möglichst in allem Vorschub zu leisten. Im übrigen erwarte sie Richard bald­möglichst in Kiel behufs weiterer Rücksprache.

Also die ganze Generalität wird ihr Standquar­tier hier beziehen!

Na, das wird ja fortan ein para­diesisches Leben werden!"-stieß Alten heraus.

Ich sehe schon alles vor mir!

Der Graf wünscht dies und wünscht das, der Graf ist schlechter Laune, der Graf findet, glaubt, meint, er­wartet, befiehlt kurz, der Graf wird die Taran­tel unseres Da­seinswerden, und wir werden jeden Tag die Zeitun­gen studieren, ob nicht ein Nacht­wächterposten in 30

Mom X. deutschen Mundes schießen in Merlin: Empfang der Schützen auf dem Bahnhof Friedrichstraße.

Buxtehude oder anderwärts in der bunten Welt frei geworden ist. Und Sie, Tromholt, werden natürlich ganz ruhig bleiben! Aber passen Sie auf, zuletzt werden auch Sie den Spaten ins Moor stoßen, drüben die Dampfventile pfeifen lassen, welche Melodie sie wollen, und rufen: .Ich danke, ich danke, ich danke! Sucht euch das Lastthier eurer Launen anderswo!' Wahr­haftig, wenn mir der alte Besserwisser Erieius nicht gar so zu­wider gewesen wäre, jetzt könnte ich beten, daß er wieder anf- erstehen möge"

Alten stockte plötzlich und musterte mit einer Mischung von Ernst und Humor die Züge Biancas, die bei den berathschlagenden Männern saß. Dann fuhr er in seiner lebhaften Weise fort: Ah, meine gnädige Frau, Sie schelten wieder! Ja, Sie schelten! Ich seh's an Ihren unmuthig zuckenden Nasenflügeln, die sich im­mer im Halbtakt bewegen, wenn ich einen nach Ihrer Ansicht strafwür­digen Einfall habe! Aber ich kann nicht dafür. Kupfer kann ich nicht für Gold er­klären. Und fra­gen SienurSeine Hochwohlgebvren Herrn Direktor Richard Trom­holt, ob er sich der kommenden Dinge freut!"

Richard und Bianca lachten, aber ehe sie ant­worten konnten, ward von der al­ten Mariekett eine Depesche für den erstereit gebracht. Dieselbe kam aus Hamburg und lautete in däni­scher Sprache: Kommen Sie, ich beschwöre Sie,