Heft 
(1890) 35
Seite
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Fünfundzwanzig Jahre! Das ist doch nicht möglich! Wie alt können Sie denn damals gewesen sein?"

Nun vielleicht dreizehn- oder vierzehnjährig dann hat der Tanz für mich aufgehört!"

Es klang so herb, daß Annie fast erschreckt ihm ins Antlitz blickte. Sie begrüßte es in diesem Augenblicke als einen will­kommenen Ausweg, daß hinter ihr der aufwartende Diener mit einer Schale Eis erschien.Wahrhaftig, jetzt geht schon der Nach­tisch herum! Sind wir wirklich schon mit dem ganzen Essen fertig?"

sagte sie, um rasch über die Verstimmung hinüberzuleiten, welche aus dem letzten Worte Delmonts gesprochen hatte.

Sie hob ihr gefülltes Champagnerglas gegen Frau Hedwig, die gerade zu ihr herübersah, mit einem strahlenden Ausblick, der sagen wollte:Ich bin Dir dankbar, Liebste, und unterhalte mich vortrefflich!"

Die ältere Freundin verstand diesen Blick, sie lächelte und nickte wieder, aber sie unterdrückte einen Seufzer, als sie ihr Glas an die Lippen setzte und Annie Gerold zutrank. (Forts etzung folgt.)

Won den Leichenfeldern des Waldes.

Gin Md aus dem ZerstörungsgMet der ^Uonne".

Von ArckHirr: AcHLeiLnew. Mit Zeichnungen von IwrH Mengen.

. . Den Bäumen nimmt der Herbst das Laub, Der Tod im Walde tost . . ." ° Lenau.,

^>ie Liebe des Deutschen zum deutschen Walde ist mit ein Stück germanischer Stammesart, sie hat, so weit die deutsche Zunge klingt und Sangesbrüder wohnen, poetischen und klangreichen Ausdruck ge­funden in dem herrlichen LiedeWer hat dich, du schöner Wald, aufgebaut so hoch da droben!" Poe­ten und Tondichter Prei­sen des deutschen Waldes Schönheit, sie pflanzen mit flammender Begeisterung in die junge Volksseele die Liebe zum götterge-, weihten Hain, die mit dem Menschen wächst, groß wird und so lange währen wird, als es deutsche Wäl­der giebt.

Leider ist eine Zeit des Jammers für den deut­schen Wald herangebrochen, eine Zeit der Vernichtung stolzer Baumriesen auf Flächen, die das Auge kaum mehr abzuschätzen vermag. Wo Jahrhunderte hindurch über allen Gipfeln Ruh'gewesen, dröhnt dumpf der Äxtschlag, ein Massen­morden herrlicher Waldun­gen hat begonnen, be­dungen und erzwungen durch die vernichtende Thä- tigkeit des Fichtenspin­ners, auchNonne" ge­nannt, des Schreckens aller Forstleute.

Wohl hat es Nonnen­raupen und -schmetterlinge zu allen Zeiten gegeben, aber seit der Mitte der fünfziger Jahre war ein so entsetzliches Massenauftreten dieses Waldverwüsters nicht mehr zu verzeichnen. Damals litten die Waldungen Ostpreußens bis nach Rußland hinein schwer; jetzt, fünfunddreißig Jahre später,

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haben wir ein Nonnenjahr zu verzeichnen, das zunächst Bayerns Waldungen gräßliches Unheil zufügt. Die stolzen schönen Bestände an Fichten und Kiefern auf der oberbayerischen Hochebene vom Bayerischen Meere", dem Chiemsee, herauf bis an die schmucken

Anlagen Münchens und die Forste und Wildparke in nächster Umgebung der bayerischen Hauptstadt, dann die Waldungen in Niederbayern, der Ober­pfalz und Schwaben sind jäh von den Nonnen über­fallen worden und dem Untergange geweiht. Ein Wehschrei ganzer Völker- stümme dringt durch die Lande, vom Lech und der bergfrischen Isar, von den tosenden Gebirgsflüssen und Sturzbächen des Hoch landes, aber auch schon zittert der Klageruf über die blaue Donau und vom Norden herab, vom meer­umschlungenen Schleswig- Holstein, von Oldenburg und Schlesien kommt die Trauerkunde, daß auch die dortigen mächtigen Forsten der Vernichtung anheim­gefallen sind.

Wer je dem geheimnih- vollen Rauschen der wie im Traume flüsternden Bäume lauschte, die Wunderwelt des Bergwaldes, die Maje­stät der mächtigen Forste auf sich wirken ließ und all die Größe und Schön­heit in sich aufnahm, dem mußte sich das Herz zu- sammenkrampfeu bei der Kunde, daß auf Meilen in der Runde der ganze sattgrüne Kiefern- und Fichtenbestand rettungslos

> verloren sei durch die Gefräßigkeit eines einzigen Waldverwüsters. ! Der Liebe für den deutschen Wald zunächst ist es zuzuschreiben,

> daß in den Weheruf sich sofort die bittersten Vorwürfe mischten,

o n n e. *

A. Federer.

* Unsere Abbildung führt dieNonne" vom Anfänge ihres Daseins ^ einander folgender mehrmaliger Häutung ist die nun ausgewachsene an in den verschiedenen Stufen ihrer Entwicklung vor. An den: Raupe (b) bräunlichgrün, mit blauen und rothen Warzen, und trägt ans

Kieferustamme sitzen die eben aus dem gemeinsamen Eineste geschlüpften ^ dem zweiten Ring einen schwarzen, hinten blau, seitlich weiß gesäumten Räupchen (a). Sie erscheinen zu Airsang des Mai, winzig kleine, schwarze ! Fleck. Anfang Juli steigt die Raupe wieder den Baum hernieder, sucht Dingerchen, die nun nesterweise zwei bis drei Tage lang-aus ein und ! sich einen passenden Riß in der Rinde und verpuppt sich dort, sich mit demselben Flecke sitzen bleiben und im Frühjahrssonnenschein sehr rasch ! losen Fäden befestigend (e). Kurze drei Wochen, und der schöne Falter wachsen. Diese Ranpenhänfchen nennt manSpiegel", ihre Vernichtung j sprengt die Hülle und fliegt im Tageslicht. Der Nonnenschmetterling heißt in der Jägersprache dasSpiegeln". ! hat sehr hübsch gezeichnete, schwarzweiße Flügel und rosafarbigen, schwarz-

Nach dieser ersten Ruhepause gleich beim Eintritt in die Welt kriechen geringelten Hinterleib. Das Weibchen (ä^ und äz) ist bedeutend, um gut die schon bedeutend größer gewordenen Raupen den Baum hinan und IV2 em größer als der männliche Falter (äz), welch letzterer sich durch seine beginnen an dessen Nadeln ihre verderbliche Thätigkeit. Nach rasch ans- schönen buschigen, doppelt gelammten Fühler sofort kenntlich macht.