Erzeugung des elektrischen Lichts und eine zur Hervorbringung des starken Luststroms, stehen. Das viereckige Gerüst, das den Reflektor des elektrischen Lichtes und den Trichter des Exhaustors trägt, sieht einer Guillotine ähnlich, und im Grunde genommen ist der „Einhaucher" auch ein Werkzeug, um die Verbrecher in Massen umznbringen. Wenn der Lichtstrahl der elektrischen Bogenlampe — die früher in einer Höhe von 25 Metern angebracht war, jetzt nach mehrmaligen Versuchen auf 8 Meter Höhe heruntergesetzt ist -— das Waldesdunkel bei gutem Wetter erhellt, schwirren die Milliarden von Schmetterlingen in unheimlichen Schwärmen hervor und theils unmittelbar auf die Lichtgarbe, theils auf das von der Lokomobile erzeugte Rauchgebilde zu. Aber nicht immer gelingt das Mas- seneinfangen, nur jene Schwärmer, die vom Luftzug des „Ein- hanchers" erwischt werden, verschwinden in dem weiten Halse des Apparates und werden unten in Säcke gestampft und vernichtet. Man glaubt mit solchen Versuchen an 100- bis 200 000 Falter während einer Nacht von abends bis 2 Uhr früh vernichten zu können.
In der That soll der Exhaustor noch die beste Vertilgungswirkung besitzen, während zahlreiche andere Vorschläge ohne praktische Bedeutung sind. So will der eine im Walde große mit Honig und Aepfelmus bestrichene Tücher als Fangmittel ausgebreitet wissen, ein anderer will die Schmetterlinge durch Steinkohlentheerrauch vernichten, ein dritter empfahl, mehrere Regimenter mit Vogeldunst- gewehren auszurüsten und den Nonnen militärisch entgegenzurücken. Unter Leitung des Chefs der bayerischen Forstverwaltung,
Ministerialrath v. Ganghofer, haben in einzelnen Revieren Versuche mit Waldleuchtfeuern und „Nonuenlichtern" (Zinkfackeln) stattgefunden, von denen letztere sich als praktischer erwiesen, da das intensive Licht die Schmetterlinge ans den höchsten Beständen anlockt, ohne daß die Lust wie bei den Leuchtfeuern besonders erwärmt wird. Um aber die zu Tausenden herbeifliegenden Thiere zu fangen, muß eine große, mit Klebestoff bestrichene, durchscheinende Leinwaudfläche aufgespannt werden. Alle diese Maßnahmen sind eben Versuche, die endgültig nicht abgeschlossen sind. Glücklicherweise scheint die Natur selbst als beste Helferin bei der Vernichtung der Nonnen auftreteu zu wollen. Man hat beobachtet, daß der Durchfall (eine bekannte Raupenkrankheit) viele Raupen vernichtete, und thatsächlich kann man heute noch vielfach den üblen Geruch verfaulenden Gewürmes wahrnehmen. Ein anderer Beobachter hat eine Menge ge-
tödteter Puppen gefunden, welchen Schlupfwespen entschlüpften. — Verlassen wir den Exhaustorhügel, so gelangen wir nach kurzer Wanderung durch eine junge, völlig abgefressene Kultur zum Forsthaus „Diana"; abseits von demselben stehen drei Blockhütten, in welchen zu je 60 Mann die Holzarbeiter kampiren. Für gebirglerische Bedürfnisse bieten die Hütten genügende Bequemlichkeit, und die jeweils schichtfreien oberländler Holzer kochen inzwischen den kräftigen „Retzel" (Schmarrn, Mehlspeise), der lange vorhält und eben warme Kost ist, indeß die Arbeiter aus anderen Gegenden sich an Speck und Fleischspeisen halten, die nicht immer zu haben sind. Während im Forstenrieder Park über 100 Holzhacker arbeiten, ist im bedeutend größeren Revier zu Ebersberg eine ganze Armee von Holzknechten in vollster Thätigkeit, den Wald dem Erdboden gleich zu machen.
„Der Tod tost im Walde!" klagt Lenau. Ein ächzend Sterben ist es auch, wenn ein Baumriese mach dem andern prasselnd stürzt und dumpf am Boden auf- schlägt. Wie eine Staubwolke wirbelt es dann empor zum trüben Himmel, die Nonnen verlassen den gefällten Baum, nachdem sie ihn gemordet. Ein düsteres, ernst stimmendes Bild! Auch die munteren Sänger verlassen den Forst, nur Meisen piepsen noch zuweilen in einem Geräumte, wo die Holzfäller noch nicht zu schlagen begonnen haben. Auf den neuerrichteten Telephonlinien haben sich ganze Schwärme von Schwalben niedergelassen, vielleicht hat Mutter Natur sie dorthin kom- mandirt.
Vor: Seite der Regierung ist ebenso wie vom Generalkomitee desLandwirthschaftlichenBereins alles aufgebotenworden, eineVer- minderung des Insektes herbeizn- führen; bis Anfang August waren hierfür 31 000 Mark zu Versuchen ausgegeben. Im Vorjahre haben die Maßnahmen zur Verminderung der Nonne allein im Ebersberger Park 1000 Mark gekostet, und trotzdem ist gerade dieser mächtige Forst verloren, lieber die Frage, ob kahlgefressene Föhren- oder Fichtenbäume lebensfähig bleiben und die Nadeln wieder wachsen, wenn nicht im nächsten Jahre abermaliger Rau- ^ penfraß eintritt, wird viel verhandelt und eine endgültigeBeantwortung ist wohl nicht gefunden. Daß der Ebersberger Park niedergelegt wird, l könnte füglich als eine Verneinung obiger Frage betrachtet werden. ! Inzwischen kommen die Hiobsposten auch von den Gegenden ^ am Ammersee, dem Main und aus dem Hochland selbst, und noch ist kein Ende dieser Landplage abzusehen. Möge es gelingen, ^ ihrer Herr zu werden, den „Tod, der im Walde tost" zu ver- , treiben und neues Leben und Grünen zu schaffen!
1
Die Vernichtung der Satter mittels elektrischen Lichtes und Kzyanstars.
Gduavd Sauernfeld.
(Mit Bildinß Seite 581.)
Nachdem er fast neunzig Jahre gelebt und fast siebzig Jahre litterarisch ! machet uns merkwürdigerweise wie etwas Verwunderliches an - - uns ^ ^ geschaffen, ist Eduard Bauernfeld am 9. August d. I. dahingegangen. Wiener nämlich, die wir uns gewöhnt hatten, den aufrechten Greis wie
Er hätte bis über die Schwelle des Patriarchenalters hinaus sich die geistige ein ewiges Wahrzeichen deutsch-österreichischen Schriftthums leiblich unter
und körperliche Rüstigkeit in so hohem Maße bewahrt, daß man kaum uns wandeln zu sehen.
mehr daran dachte, auch er werde der Natur den unvermeidlichen Zoll ent- Bauernfeld, geboren in der österreichischen Hauptstadt am 19. Januar
richten müssen. Das Selbstverständliche hat sich nun vollzogen, und es 1802, hat dem Theater mehr als hundert dramatische Werke geschenkt: