Illustriertes Familienblatt. - Begründet von Krnst Keil 1853.
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(2. Fortsetzung.)
Sonnenwende.
Roman von Mcrvre Kevrrtzlrvd.
Alle Rechte Vorbehalten.
^tlls die Thurnüchr von Sankt Lukas die vierte Morgenstunde ^ schlug, bog ein einsamer Wanderer um die scharfe Ecke, welche die gewaltige alte Kirche, ein Denkzeichen aus dem vierzehnten Jahrhundert, hier bildete, und blieb vor dem Haupt- portal stehen.
Es fiel kein Regen mehr, allein die Wolken hingen so tief, als wollten sie sich jeden Augenblick von neuem entladet!. Eine lichtlose, stille Märznacht! Nur von den Dächern rieselte und tropfte es, sonst unterbrach kein Laut die tiefe Ruhe. Der Mann war in einen dunklen Mantel gewickelt und hatte einen breitrandigen Hut tief in die Stirn gesetzt; er schob ihn jetzt ein wenig zurück, um unbehindert die Kirche ansehen zu können, deren gewaltiger Bau nur wie eine dunkle, dräuende Masse vor ihm lag. Wie weisende Finger hoben die Eck- thürmesich gen Himmel, und ein leichter Nachtwind, der sich eben aufmachte, erzeugte obeninden Schalllöchern ein seltsames, fernes Klingen.
Der Mann im Mantel unt ging die Kirche und blickte die Straße hinab, die sich rechts von ihm ausdehnte; der „Holländer
Am
Weg" hieß sie, und gleich das dritte Haus darin war ein stolzes Gebäude aus alter Zeit, reich mit Schnitzwerk und allerlei sonderbarem Zierat versehen. Der Wanderer sah daran hinauf, als erwartete er von dorther irgend eine Botschaft, er wandte sich dann wieder zu der Kirche zurück und ließ seine Blicke hin- und hergehen — endlich drehte er sich hastig ab und ging mit beschleunigten Schritten über den Lukasplatz durch die Nächstliegenden Straßen und über eine Brücke hinweg, unter welcher der breite Fluß, noch halb in eisigen Banden gefangen, in starren! Schweigen ruhte. Nur hier und da waren die Schollen voneinander geborsten, und mit leisem Gurgeln drängten sich dunkle Wasser dazwischen, unaufhaltsam schiebend und treibend, still geschäftig und rastlos bei ihren! Werk. — Das Haus, bei welchem der eilig Ausschreitende
endlich stehen blieb, lag ein wenig abseits von den andern, gleichsam von der breiten, schönen Straße auf Vorposten gestellt; 'es war auf einer leich ten Anhö he erbaut, hatte einen hübschen Garten hinter sich und mußte im Sommer, seiner freien, erhöhten Lage we gen, einen schönen Blick bieten
IV. deutsche Sängeröundesfest in Wien: Aer Aestwagen „Germania".
Zeichnung von T. Rybkowski.
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