ihr etwas gar zu scheuer Anbeter endlich im Eifer des Streits über eine Gartenlaubenovelle sein Herz entdeckt habe.-—
Wir könnten noch viele Seiten füllen mit dein Inhalt derartiger Briefe, verzichten aber darauf. —
Die in den fünfziger Jahren des Jahrhunderts die „Gartenlaube" als junge Lente lasen, sind heute selbst Fünfziger und mehr; ihre Söhne und Töchter lesen sie heute mit ihnen und werden sie — so Gott will — einst mit ihren Kindern lesen.
Nun wohl: in diesen von einer Generation auf die andere vererbten Beziehungen liegt — so will uns scheinen — der Grund, nach welchem wir fragen, der Zauber, welcher die Hunderttausende deutscher Familien immer wieder in der „Gartenlaube" vereinigt.
Um solche Beziehungen von einer Familiengeneration zur anderen möglich zu machen, dazu gehört aber allerdings ein treues Festhalten des einmal für recht und gut erkannten Zieles, ein unentwegtes Fortschreiten auf den erprobten Bahnen. Nicht als ob die „Gartenlaube" sich engherzig verschlösse gegen das Nene; es wäre dies eine Verkennung der Eigenschaften, die sie groß gemacht haben, und eine Verkennung der Aufgaben, welche ihr gestellt sind. Immer war und immer soll sein die „Gartenlaube" ein Spiegel ihrer Zeit lind eine Leiterin ihrer Zeit. Fern aber soll ihr wie immer bleiben alles Unreife und Unsaubere, der trübe Schaum, den die gährende Bewegung des Tages absondert und der sich so oft als die eigentliche und wesentliche Frucht dieser Bewegung geben möchte.
Möge es der „Gartenlaube" beschieden sein, daß, wie bisher der gesunde, wahrhaft bildende Geist ihres Inhalts sich überall die Achtung der Besten gewann, so auch in Zukunft die Reinheit ihrer Ideale allenthalben offene Herzen und wachsende Anerkennung finde. Das ist der Wunsch, mit dem wir diesen Jahrgang schließen, mit dem wir den nenen eröffnen. Was wir an unserem Theist chnn können zu seiner Erfüllung, das soll redlich geschehen! Die Redaktion.
Jas Meujayrsötasen der Berliner Wostrssone. (Zu dem Bilde S. 889.) Zur Zeit der Jahreswende, wenn überall die Geschäftsleute ausruhen von der Arbeit, die das Weihnachtsfest gebracht hat, schwillt die Thätigkeit der Mannen Stephans zu wahrhaft unheimlicher Höhe an und erfordert zu ihrer Bewältigung die ganze Lust und Liebe und zugleich die selbstlose Pflichttreue aller der Personen, die zu der Postarmee gehören und deren Leistungsfähigkeit wir zu bewundern schon so oft Gelegenheit hatten.
. Am lebhaftesten und angestrengtesten geht es in dieser Nacht im Berliner Hauptpostgebüude zu. Wagen auf Wagen rollen in die Höfe ein, und sie liefern immer neue, endlose Berge von Packeten, Briefen und Karten ab, die von Hunderten von Beamten nach den auswärtigen Ortschaften, dann nach den Stadtgegenden Berlins und schließlich nach den einzelnen Postanstalten auseinaudergelesen und letzteren sofort wieder durch Eilposten überliefert werden. So geht es Stunde auf Stunde; immer mehr wächst die Arbeit, statt abzuuehmen, und scheint kurz vor Mitternacht überhaupt jeder rechtzeitigen Bewältigung zu spotten. Da, hoch vom Rathhausthurm dröhnt der erste der zwölf Schlüge, und in demselben Augenblick verkünden Postillone
mit lauten Trompetenstößen in jedem Saal, daß das neue Z gönnen und die Arbeit für eine kurze Zeit zu ruhen hat. i Die leitenden Beamten halten kurze Ansprachen, Erfrischungen herumgereicht, und nun ertönen auch draußen auf dem Posthofe die fri zu Herzen gehenden Klänge eines von Postillonen geblasenen Choral ! stimmungsvolle Weisen die Vorübergehenden von den Straßen Herl ! Nach einer viertelstündigen hochwillkommenen Pause wird die j Arbeit mit fiebernder Hast wieder ausgenommen und derart geförd j sie in ihren wichtigsten Theilen fast immer beendet ist, wenn die N ! schwärmen noch in den Federn liegen und von all dem Herrlichen t was das neue Jahr in seinem Schoße für sie birgt.
Zn der Genesung. (Zu dem Bilde S. 884 u. 885.) Es' w ' krank, das arme Prinzeßcheu, und das verwöhnte Fürstenkind, de die Lebenslust und Lebensfreude aus den Hellen Augen leuchtete, recht hinfällig und schwach und vermag kaum die müden Lider halten. Aber besser ist es doch geworden; mit den beruhigendst j sicherungen ist der Leibarzt gegangen, und nun werden alle A ! Bewegung gesetzt, nicht bloß den Körper, sondern auch das Gem Genesenden von den Nachwehen der Krankheit vollends zu befreie treue Gesellschafterin mischt stärkende Tropfen, die jugendliche K zofe lächelt ihre Gebieterin mit ihrem fröhlichsten Lächeln an, dan auch gewiß dem Glauben an die Wiederkehr vergnügter Stunden i erschließe, und der lustige Hofrath, der gewandteste Vorleser bei der lichen Zirkeln des schöngeistigen Höschens, hat das Neueste und § i mitgebracht, was der Büchermarkt in der Zeit der Krankheit fein so verständnißinnigen Zuhörerin zn Tage gefördert hat, und er ihr vor mit dem ganzen Aufwand seiner die Lachmuskeln reizenden Nun — lange wird es nicht mehr dauern, da verzieht sich ganz ß jetzt noch so betrübt geschlossene Mund des Prinzeßchens, ein S> der alten Heiterkeit stiegt über das müde Gefichtchen hin und eil rosiger Schimmer verklärt die bleichen Wangen der Genesenden. Ire Kochwasser in den letzten Tagen des November haben i halben in Deutschland und Oesterreich große Verheerungen ang wie wir dies ja an dem Beispiel von Karlsbad in der letzten Vi gezeigt haben. Viel Hab und Gut ist den Fluthen zum Opfer c Elend und Krankheit bilden das traurige Gefolge der jähen Kata Da ergehen überall in den öffentlichen Tagesblättern Aufrufe menschliche Barmherzigkeit, daß sie helfend eingreife und die äuße ! lindere, soweit es in ihren Kräften steht. Gern würde auch die laube" solchen Aufrufen Raum geben, aber bei der langen Zeit, sie zum Drucke ihrer großen Auslage bedarf, würde sie zu spät kc auch "'ürde die „Gartenlaube", die im ganzen deutschen Vaterlai darnver hinaus gleichmäßig verbreitet ist, durch Veröffentlichung ei ! dieser öffentlichen Hilferufe leicht eine Ungerechtigkeit begehen. S ! also nur an alle ihre Leser die herzliche und dringende B' te ^ sie möchten die Augen offen halten, damit sie die Stellen ei wo Gaben für die Ueberschwemmten in Empfang gen werden, und sie möchten dann auch nicht verfehlen, d - tyütigen Häiide zn öffnen und willig und reichlich Zi
ßplvejstrnachi
Die Glocken Ionen durch die Nacht, ! Kein Gtockeulaut, kein Mrnschenmnnd. Du lauschest ihrem Klingen; ! Noch der Gestirne Kreisen
Das Jahr, das du herangelvacht, ! Vermag auf Gottes Erdenrund Was wirk das neue bringen? ^ Die Zukunft dir ;n weisen!
Drum frag dich selbst! Das Jahr wird gut, Gehst du auf rechten Wegen In deinem Thun und Lassen ruht Des neuen Jahres Segen.
Max Vartnnn.
Anstatt: -Lvnnenwende. Roman von Mario Bernhard (Schluß). S. 881 . — Am Morgen nach Weihnachten. Bild. S. 881 . - In der Genesung. Bild. S. 884 und
I Wann beginnt ein neues Jahrhundert'? Von Heinrich Bauer. S. 887 . — Finstere Mächte. Eine Bauerngeschichte von Elmar Weidrod (Schluß). S- l
Das Neui.ahrsblasen der Berliner Postillone. Bild. S. 889 . — Gefährliche Spielerei. Bild. S. 892 . — Furchtbare Katastrophe. Bild. S. 893 . — Blätter und Bluthen: Jahreswende. S. 895 . — Das Neujahrsblasen der Berliner Postillone. S. 896 . (Zn dem Bilde S. 889 .) — In der Genesung. S. 896 . (Zu dem Bilde S. 884 und 885 .) Hochwasser. S. 896 . - Sylvesternacht. Gedicht von Max Hartung. S. 896 .
HerausgegeLen unter verantwortlicher Redaktion von Adolf Kröner. Verlag von Ernst Keil's Nachfolger in Leipzig. Druck von A. Wiede in Leipzig.