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kommen. Deshalb werden auch die Spukgeschichten in der Regel durch Klopftöne veranlaßt, die sich bei Geisteskranken in ein Donnerrollen und in eine furchtbare Explosion verwandeln.
Die Töne haben zugleich das Schlimme, daß sie unbemerkt hervorgerufen und nachgemacht werden können, womit dann dem Betrüge Tür und Tor geöffnet ist. Sind nämlich die Gespenster einmal ruchbar, spannen die Leute bereits ängstlich auf alles und jedes, was sich im Hause regt, so findet sich gewiß auch irgend ein pfiffiges Kind, das die lächerliche Situation durchschaut, den Kopf nicht verloren hat und sich herausnimmt, die allgemeine Panik auf den Gipfel zu treiben, die Gespenster, an die man glaubt, zu spielen und die gefürchteten Stimmen, bei denen alles Zusammenfährt, heimlich zu wiederholen. Gerade Kinder gefallen sich in dergleichen Komödien, wie überhaupt Kinder am besten beobachten; außer ihnen sind häufig die Dienstmädchen aufgelegt, die Herrschaft ein wenig zu mystifizieren. Es ist nicht lange her, daß in Leipzig alles nach Lindenau in das Restaurant zur „Goldenen Aue" pilgerte, um das Geisterklopfen zu hören, das in der Wirtschaft angegangen war. Niemand vermochte sich die Unruhe zu erklären, auch der Wirt nicht, der sich, nebenbei gesagt, über den reichlichen Zuspruch ins Fäustchen lachte. Endlich gelang es einem Schutzmann, den Maulwurf zu fangen, und zwar in Gestalt eines Aufwaschmädchens, das von der Kellertreppe aus mit dem Besenstiel an die Treppenstufen pochte.
Ein ähnliches Vorkommnis hat vor fünf Jahren in München das Stadtgespräch gebildet. Hier wurde die Familie eines Zitherlehrers nächtlicherweile durch unheimliches Klopfen und das Umherfliegen von Kohlenstückchen so geängstigt, daß sie, wie das in katholischen Ländern meist geschieht, ihre Zuflucht zur Geistlichkeit nahm. Während bis spät in die Nacht hinein Hunderte von Neugierigen das Spukhaus umlagerten, kamen und gingen die Schwarzröcke und die Kutten, beteten mit den Insassen, bannten und beschworen den unsauberen Geist und behandelten ihn mit dem Rauch verbrannter Wacholderzweige. Diesmal war es ein Mann von der Feder, ein Zeitungsberichterstatter, der das Rätsel löste, indem er das Dienstmädchen der geängstigten Familie zum Geständnis brachte. Das vierzehnjährige Ding hatte im Bunde mit einer anderen Frauensperson die Posse angestellt.
Damit war der Spaß wieder einmal vorbei; denn für das Publikum bedeuten die Spukhäuser einen Volksunterhaltungs- abend. Das geht so weit, daß sich die Leute mit ihren Gespenstern in Unterhandlungen einlassen und sie wie Hündchen auffordern, einmal schön zu machen, einmal zu schreien, einmal zu piepsen. So geschah es in Leipzig bei dem sogenannten Geisterpförtchen am Neukirchhof, wo den Geist ein Schneider spielte.
Und deshalb spukt es immer nur dann, wenn jemand zusieht.
-O-
Die Freunde.
Novelle von Georg
s war an einem kalten und klaren Morgen, wie er im Spätsommer in den Alpen häufig ist. Zwei Männer und ein junges Mädchen schritten über die steinigen Grasböden, die von der Schöntaufspitze herabstreichend die kleine Klubhütte an ihrem Fuße umgeben, um tiefer unten in breiten Geröllhalden auszumünden und sich an den Suldenferner zu lehnen. Sicheren und leichten Schrittes ging das junge Mädchen vor ihren beiden Genossen her. Sie trug einen kurzen, fußfreien Lodenrock, den ein grauer Gletschergürtel mit zwei Stahlringen zur Befestigung des Seiles oben an der schmalen Taille abschloß und sesthielt. Zum Schutze gegen die empfindliche Kälte hatte sie über der wollenen, rot gestreiften Bluse noch eine dicke Lodenjacke angezogen und den Kragen hochgeklappt. Ihr dichtes, blondes Haar quoll in weichen Wellen hinten über den Rand des Kragens unter dem grauen Frlzhute hervor. Das seine Gitter eines Schleiers schützte ihr frisches Gesicht gegen den Einfluß des eisigen, von den Gletschern herabstreichenden Windes.
Während sie den langen Bergstock führte, dessen eiserne Spitze mit Hellem Ton auf dem Geröll ausklang, trugen die beiden sie begleitenden jungen Männer, Stephan Unterbauer und Hans Steinhof, den schweren Eispickel des Hochtouristen. Dicht hinter der, schlanken Gestalt des Mädchens ging Hans Steinhof, mit elastischen Schritten, sicher und gleichmäßig die Füße in den nägelbeschlagenen Schuhen zu Boden setzend, ohne je trotz der Dämmerung auf dem nur schwach ausgeprägten Pfade zu straucheln. Die samtenen Sterne des Edelweiß schmückten neben dem silbernen Zeichen des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins seinen Lodenhut. Mit Leichtigkeit trugen seine Schultern den gefüllten Rucksack. Kniehosen und lange bunte Strümpfe umschlossen seine mageren, aber sehnigen Beine. Der ganze Körper, jede Bewegung zeugte von Gewandtheit und Ausdauer.
Im Gegensätze zu ihm erschien Stephan Unterbauers Gestalt, obgleich nicht kleiner, doch untersetzt und gedrungen, seine Bewegungen waren langsamer, er blieb ein Stück hinter den beiden Voranschreitenden zurück. Eine kurze, englische Vfeife hing ihm im Munde, den starken Eschenstiel des Pickels
von der Gabelentz.
hatte er unter den linken Arm geklemmt und die bloßen Hände in die Rocktaschen gesteckt. Ein kurzgehaltener dunkeler Bollbart umrahmte das ernste, wettergebräunte Gesicht, dessen Haut von der Sonnenstrahlung auf den überschrittenen Gletschern an vielen Stellen ein wenig aufgesprungen war und dadurch fast runzelig erschien. Das zusammengerollte Seil lag ihm wie eine graue Schärpe über der breiten Brust, am Rucksack waren außen die klirrenden Steigeisen angebunden. Unter dem dicken, an einzelnen Stellen schon etwas mitgenommenen Anzuge ahnte man die Muskeln eines außergewöhnlich kräftigen, auf vielen Hochtouren erprobten Körpers.
Stephan Unterbauer galt in den Münchener Alpinistenkreisen obwohl er noch nicht dreißig Jahre alt war, als einer der besten unter den „Führerlosen", und manchem Bergriesen Tirols wie der Schweiz hatte er bei Sturm oder Sonnenschein den starken Fuß aufs Haupt gesetzt. Erging seit mehreren Jahren nur noch allein oder mit einen: oder dem anderen seiner Klubgenossen, am liebsten aber mit seinem Jugendgespielen Steinhof.
Es wäre Stephan Unterbauer ein Leichtes gewesen, mit den Voranschreitenden gleichen Schritt zu halten, aber er wollte es nicht. Dennoch waren seine Gedanken bei jenen, seine scharfen Blicke folgten allen ihren Bewegungen. Jedesmal, wenn das junge Mädchen den blonden Kopf mit anmutiger Gebärde nach seinem Freunde wandte, wenn er ihr feines Profil sah, wenn er den Hellen Blick ahnte, mit dem unter dem Schleier ihre Augen auf seinem Freunde ruhten, wenn er ab und zu ein vom Winde dahergetragenes Wort ihrer Unterhaltung auffing, lief ein seltsames Zucken über
sein Antlitz.
Und der Quell seiner Erregung? Wie anders war es im vergangenen Jahre gewesen! An der gemeinsamen Mittagstafel im Suldenhotel war er mit Herrn Petersen und seiner Tochter Ellen bekannt geworden, gleiche Interessen machten bald darauf die beiden an Jahren so verschiedenen Männer zu Freunden. Professor Petersen hatte ehedem gleichfalls zu den begeisterten Bergsteigern gehört. Er hatte seine Touren zu einer Zeit gemacht, als die hohen Berge wenig besucht wurden