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Leichtes Rot flog über die Wangen des jungen Mädchens, aber sie antwortete auf diese versteckte Erklärung des Malers nicht, sondern stand auf. Ein leises Gefühl der Verlegenheit ergriff sie bei dem Gedanken an die lebhafte und freie Art, wie Hans Steinhof seine Liebe zu ihr erkennen ließ, und sie blickte nach Stephan Unterbauer hinüber. Was würde der dazu sagen? Der feine Instinkt des Weibes ließ sie ahnen, daß auch dieser mehr als vergängliche Freundschaft für sie empfand.
Unterbauer hatte sich wieder abgewendet, er hob kleine Steine vom Boden und warf diese mit lässiger Handbewegung vor sich in eine unter einem Felsblock befindliche Höhlung. Seine Art, die kleinen grauen Dinger von sich zu schnellen, war nervös und stand im Widerspruch zu seiner früheren Ruhe und Sicherheit. Auch entging dies Ellen Petersen nicht.
„Kommen Sie mit uns nach dem Süden?" fragte sie und trat nahe an den gebückt Sitzenden heran. „Ich darf doch die unzertrennlichen Freunde nicht trennen, und wenn wir, Herr Steinhof, Papa und ich, nach Griechenland fahren, müssen Sie uns natürlich begleiten."
Ein zarter Wohlgeruch ging von der Gestalt des jungen Mädchens aus, und Unterbauer atmete ihn mit einem Gefühle brennender Sehnsucht ein. Er hätte aufspringen, er hätte die Arme um sie breiten mögen, er Hütte . . . Narrheiten! Narrheiten!
Rasch stand er auf, trat zur Seite und legte das Seil zurecht, ohne das junge Mädchen anzusehen. Nun umhüllte ihn nicht mehr der Duft ihres Haares und ihrer Kleidung, und er fühlte sich mit einem Male dem geheimen Zauber entronnen und durch ihre leichthin gesprochenen Worte verletzt. Er war eben heute in gereizter Stimmung, alles kränkte ihn, alles, das Geringste selbst quälte sein Herz, als rührte man an eine empfindliche Wunde.
„Wenn wir nach Griechenland fahren" — wie das klang! War es nicht, als gehörten diese beiden schon zusammen, unlöslich wie Mann und Frau? Natürlich der Hans, der Glücksjunge, der Goldjunge, wie ihn seine Eltern schmeichelnd nannten, der bildete sich schon ein, Ellen allein zu besitzen! Unterbauer nahm die Mitte des Seiles und wieder dicht an das junge Mädchen herantretend, das die Arme emporhob, schlang er ihr das Seil um die feine Taille, indem er, ihr fest in die Augen blickend, sagte: „Sie wollen die Freunde nicht trennen, das ist sehr gut von Ihnen, aber Sie werden's doch tun. Sie werden's tun müssen, wenn Sie mit Steinhof reisen. Ich kann nicht mit, Sie wissen, daß ich arbeiten muß."
„Arbeiten? Wie schrecklich, daß Sie immer arbeiten müssen, daß Sie sich auch niemals Ruhe gönnen wollen! Warum sind Sie nicht wie Steinhof Künstler geworden, das muß so viel schöner sein!"
Sie sagte das mit einem Seufzer, ohne sich die Torheit und das Verletzende ihrer Worte klarzumachen.
„Künstler?" Unterbauer lächelte bitter. „Das ist das Schönste, was ein Mensch sein kann! Ich will's glauben, da man's immer liest, leider werd ich's nie selbst erfahren. Aber nicht alle können das sein, meine Hand ist dafür zu schwer, ich bin in solchen Dingen ein ungeschickter Kerl, ein Tölpel."
„Machst du dich schon wieder selber schlecht?" fragte Hans Steinhof, dem Freunde auf die Schulter klopfend. „Du liebst es immer, dein Licht unter den Scheffel zu stellen."
Während Unterbauer sich an das eine, Steinhof an das andere Ende des Seiles band, so daß Ellen Petersen Zwischen ihnen stand, entgegnete er leichthin:
„Ihr wollt also wirklich im nächsten Winter reisen?"
„Nur mit Ihnen, selbstverständlich," antwortete das junge Mädchen und befestigte sich mit anmutiger Bewegung wieder den Schleier über dem Antlitz.
„Aber natürlich reisen wir," sagte der Maler zuversichtlich. „Wir reisen zusammen, und ich bringe eine Menge Bilder mit heim. Im Ernst, ich erwarte unendlich viel von solcher Fahrt."
Unterbauer wandte sich, das Gespräch abbrechend, kurz um und machte einige Schritte dem Gletscher zu, da fühlte er einen leichten Widerstand am Seil.
„Nanu?" Er blickte rückwärts, Hans Steinhof machte sich am Gurt Ellens Zu schaffen.
„Du kannst unbesorgt sein, das Seil hält," sagte er ungeduldig und ließ die Spitze seiner Eisaxt neben sich auf einen Stein auffallen, daß Funken unter der Schärfe hervorsprangen.
„Ja, ja," gab Steinhof fast ein wenig verlegen zurück. „Ich glaubte nur, es könnte drücken, du zogst es vorhin gar so fest an. Man muß mit Damen zarter umgehen!"
Schweigend betraten sie nun den Gletscher und wanderten langsam empor. Es war ein angenehmer Spaziergang, nicht anstrengend und fast gefahrlos. Nur wenige Spalten liefen über die weiße Schneefläche. Blau, in gleichlaufenden Streifen schimmerte das Eis in ihnen herauf. Die aufgehende Sonne umgab die Gipfel mit einem rotgoldenen Schimmer und ließ sie fast durchsichtig scheinen, dann glitt ihre Helle langsam, wie die glühende Lava eines Vulkans an den Hängen hinab.
(Fortsetzung solgt.)
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Die körperliche Erziehung der Jugend.
Von Professor vr. A. Äoffa.
nsere ärztliche Wissenschaft hat in der Behandlung der Krankheiten seit einer Reihe von Jahren einen großen Fortschritt gemacht, denn wir sind heutzutage nicht nur bestrebt, die Krankheitserscheinungen zu beseitigen, wir bemühen uns vielmehr, ihre Ursachen zu erforschen, um darauf nicht nur an die Heilung der Erkrankung heranzugehen, sondern vor allen Dingen auch ihren Ausbruch selbst wenn möglich Zu verhüten. Diese neu aufstrebende Richtung der Medizin ist gerade in den letzten Jahren mehrfach zu Wort gekommen, so mit der Tuberkulinbehandlung der Lungentuberkulose oder der Serumbehandlung der Diphtheritis.
Man ist aber in der Frage nach dem ursächlichen Zusammenhänge der Erkrankungen nicht bei dem Gebiete der ansteckenden Krankheiten stehen geblieben. Man ist im Gegenteil auf der ganzen Front der Erkrankungen Vorgegangen und hat dabei bald auch die Erfahrung gemacht, daß eine ganze Anzahl von Erkrankungen der Jugend auf Schädlichkeiten
beruhen, die unzweifelhaft in einen Zusammenhang mit der Schule gebracht werden müssen.
Während man noch vor wenigen Jahrzehnten keine Ahnung davon hatte, daß die Schule selbst schädlich auf den kindlichen Organismus einwirken könnte, kennt man jetzt eine ganze Anzahl von Schulkrankheiten. Daß es sich bei diesen wirklich um Krankheiten handelt, die in der Schule erworben werden, und nicht etwa um rein zufällige Erscheinungen, ergibt sich sofort aus der Tatsache, daß diese Erkrankungen in den untersten Klassen der Schulen kaum Vorkommen, daß sie sich dagegen mit dem Schulbesuche von Jahr zu Jahr steigern, um schließlich in den obersten Klassen eine oft ganz unglaublich hohe Ziffern zu erreichen.
Da wir die Erkrankungen ferner vorzugsweise bei den sogenannten höheren Schulen finden, während sie in den Volksschulen, in den Schulen der Dörfer kaum Vorkommen, so ist der Schluß erlaubt, daß die Erkrankungen im Zusammenhänge