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Bestrebungen völlig unabhängig zu leben. Später schrieb er in seinem so weit verbreiteten Volksbuch „Die Sprichwörter des alten Heinrich" den Satz: „Ein leerer Sack kann nicht aufrecht stehen". Er ist ein Autodidakt im wahren Sinn des Wortes und ein ganzer Selfmademan, in gewisfer Beziehung muß man ihn auch zu den geistigen Eroberern rechnen. Seine wissenschaftliche Tätigkeit erstreckte sich besonders auf das Gebiet der Physik, die Elektrizität hat ihn am meisten beschäftigt. Die Erfindung des Blitzableiters machte feinen Namen populär, und feine Arbeiten trugen ihm den Doktorhut von Oxford und Edinburgh und die Ernennung zum Mitglied der Königlichen Gesellschaft in London ein. Seine gelehrten Bestrebungen traten jedoch im Bewußtsein der Menge hinter seine politische Tätigkeit zurück: aus dem Drucker und Papierhändler entwickelte sich mit den Jahren der eifrige Sozialpolitiker und Volkssreund. Im Kleinen, mit einer bescheiden und rücksichtsvoll geübten Kritik an städtischen Einrichtungen und mit praktischen Verbesferungsvorschlä-
gen begann er und fand willige Ohren. Da, was er wollte, nie über die Grenze des Möglichen und schnell zu Ermöglichenden hinausging, gelang es ihm, sich bald eilt größere-:- Feld der Tätigkeit zu erobern, seilte Anhänger mehrten sich, seine Stimme galt. Dabei blieb er siel-:- eilt vorsichtiger Ratgeber und bemühte sich, im Hintergrund zu bleibeit. E-: ging ihm um die Sache, nickt darnm, sich und seilt Bedienst ins hellste Licht zu stellet. Ju ihm war keilte Nei gung zur Herrschsucht, und sein Bestreben, vorwän-r- und in die Höhe zu kommen, kann man nicht Ehrgeiz nennen. Er hatte nur den aufrichtigen Wunsch, seiner Heimat nach seinen Kräften zu nützen. Er befaß in vollem Ni aß das Bewußtsein seines Wertes, und das prägte sich auch in seiner „Persönlich eit aus, aber ohne lächerliche und verlegende Über- Hebung. Jahrelang halte er über sich lind seilte Fehler und Vorzüge gewissenhaft Blich geführt, sich gleichsam als einen Fremden, der aufmerlsamster Beobachtung wert war, betrachtet und strenge Selbstkritik und Selbstzucht geübt — eine ständige Überwachung seiner selbst gewissermaßen auf sich genommen. Daraus ergab sich später seilte in sich gefestigte Ruhe, feine unablenlbare Besonnenheit. seine Für und Wider- sicher abwägende Klugheit. Alles Eigenschaften, die dem Staatsmann irr den stürmisch bewegten Zeiten des Unabhüngkg- keitskampfes Amerikas in höchstem Maß zustatten kamen. Die Heimat hatte den sicheren Instinkt, daß sie keinen besseren Gesandten nach Frankreich senden konnte als den bereits in wichtigen Geschäften als trefflichen Diplomaten erprobten Franklin.
Und der französische Minister hat des öfteren bestimmt erklärt, daß ein anderer als Franklin nicht solch ein bereitwilliges Entgegenkommen bei der Regierung und eine solche begei-
Benjamin HcrantLin.
sterte Ausnahme beim Volk gefunden hätte. Gerade m Frankreich, dessen Sympathien für die junge, noch um ihre Existenz ringende Republik so überaus wertvoll waren, hat Franklin seine staatsmännischen Fähigkeiten glänzend bewiesen. Diese Jahre, die er hier verbrachte, krönen gleichsam fein Leben als Politiker, ihm hat O merika es zu danken, wenn Frankreich Geld und Truppen schickte, und er hat schließlich die Präliminarien des Versailler Friedens unterzeichnet, der seinem Land die Unabhängigleit gab. Und darum wird man bei dieser Geburtsseier wohl und mit Recht des Staatsmannes Franklin in erster Reste gedenken, aber nicht vergessen daneben den Volkserzieher und Sozialpolitiker, auf deu inan die Einrichtung der ersten amerikanischen Leihbibliothek, die Gründung der philosophischen Gesellschaft in Amen a und so mancher anderen gemeinnützigen Einrichtung zurückführt und dem man das treffliche Volksbuch, dessen schon kurz gedacht ward, dankt. Eine Fülle von Lebensregeln und guten Ratschlägen ist in ihm enthalten,
Ankerkette.
Riesenankergeschirr.
Anker.
die alle auf den Aufbai: und die Dnrch- iührnng eines naturgemäßen Lebens abzielen, in den: die Arbeit ihren Raum ebenso wie eine angemessene Erholung hat, in den: eine vernünftige Sparsamleit als die höchste soziale Tugend hingestellt wird. Ein Mann lann nur etwas leisten für sich und da-:- Gemeinwohl — so lönnte wohl da-: Motto sein — wenn er wirtschaftlich unabhängig ist. Damit er da-: wird, mnß er nickt nur fleißig arbeiten, 'andern auch sparsam sein. Die ersten hundert Pfnnd Sterling ziehet: die nächsten hundert bald nach sich, und so geht das dann fort. Das ist Franklin-:- Lehre, die er unermüdlich wiederholt, und jein reiche-:- und bei aller Einfachheit großes Leben zeigt, daß feine Taten feinen Worte:: entsprachen. A. S.
Ittesenankergeschirr. (Zudenmben stehend. Bildern.) Das allergrößte Schiff, das bis jetzt die Wogen des Atlantik durchfurcht hat, ist die für Rechnung