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Gebrauch der Atlanten, auf der Landkarte alle etwa englischen Kolonien als rot, Spanien als gelb vorstellen usw. Wie alle die genannten mannigfaltigen Assoziationsbilder etwas durchaus Natürliches und Selbstverständliches und nichts weniger als eine pathologische Erscheinung sind, so muß man auch das Farbenhören als einen völlig normalen psychologischen Vor
gang betrachten, der zwar den Uneingeweihten bei der ersten Begegnung höchlichst überrascht, der aber nicht rätselhafter und abnormer ist als die unendlich vielen sonstigen Jdeenasso- ziationen des menschlichen Hirns. Jedenfalls gehört das Farbenhören zu den interessantesten und anregendsten Gebieten der modernen Psychologie.
Die deutsche Dost iin Orient.
von Lrnst
n den: großen, über drei Erdteile ausgebreiteten islamitischen Weltreiche hatten die klugen Kalifen Posteinrichtungen geschaffen, die wir in ihrer Großartigkeit noch heute als die Vorläufer der modernen Post bewundern. Und ein Jahrtausend später, als die Welt schon unter dem Zeichen des Verkehrs stand, als Eisenbahnen, Posten und Telegraphen zu einem Bedürfnis des täglichen Lebens geworden waren, fanden die fränkischen Kaufleute unter der türkischen Herrschaft, der schwächlichen Erbin des Kalifats, nicht einmal ein Postwesen, das auch nur den billigsten Anforderungen der Zeit genügt hätte.
Bis 1840 war die türkische Post eine lediglich für Staatszwecke bestimmte Anstalt; für das Volk und für die Fremden waren die grotesken Tatarenkuriere nicht da. Und weil der Diwan auch außerstande war, auf dem Wege internationaler Verträge geordnete postalische Beziehungen mit dem Abendlande herzustellen, mußten die fremden Gesandten zu dem Mittel greifen, für ihre Staatsdepeschen eigene Kuriere einzurichten. Diese Kabinettkuriere bildeten sich mit der Zeit zu einem regelmäßigen Postdienst auch für die fremden Staatsangehörigen aus, bis schließlich die erweiterten Handelsbeziehungen die heutigen fachmännisch organisierten und verwalteten fremdländischen Postämter erforderter:. Zuerst in Konstantinopel, dann auch in fast allen türkischen Hafenplähen des Mittelmeeres und am Schwarzen Meere, sowie in den wichtigsten Städten fränkischen Handels, in Adrianopel, Philippopel usw.
Das im Jahre 1870 in Konstantinopel errichtete deutsche Postamt hat sich eine führende Stellung unter den abendländischen Posten erworben und ist zu einem Mittelpunkt der deutschen Kolonie geworden. Wie ein Heimatgruß leuchtet's dem deutschen Landsmann entgegen, wenn er in der großen, ihm wildfremden Stadt dort am Fuße der großen Steintreppe, die hinauf nach Pera führt, einen stattlichen „Han" erblickt, über dessen Tür die goldene Inschrift „Kaiserlich Deutsches Postamt" prangt; wenn er dort alles so heimatlich findet, deutsch von den gefälligen Beamten bis zum Formular. Fremdartig nur mutet die Stätte an, wo der Kawedschi (Kaffeesieder) seines Amtes waltet. Aber was wäre ein rechtschaffener „Han" ohne Kawedschi, was im Lande des Propheten ein Postamt, auf dem nicht einmal ein teurer Kunde zu einem Kaffee mit obligater Zigarette „nähertreten" dürfte, um die Falten von seiner Stirn zu scheuchen? Auch die achtzehn Unterbeamten sind Orientalen. Da sind die „Hamale", die unverwüstlichen Transporteure des Postamts, die die schwersten Lasten durch die holperigen Straßen schleppen, die Briefträger, die in Stambul jeden Winkel kennen; da ist ferner vor allem der Kawaß, der Schutzgeist und Schaffner der deutschen Post. Seine polizeilichen Befugnisse machen ihn zu einer Respektsperson, und wenn er in strahlender Uniform und bis an die Zähne bewaffnet den Posttransport begleitet, so kann Europa um seine Postsücke ruhig schlafen. Diese Leute fühlen sich alle recht wohl in der Haut eines deutschen Beamten und betrachten daher ihr Amt gern als ein erbliches Familienbesitztum; der älteste Briefträger steht schon über 20 Jahre, der Kawaß über 15 Jahre in: deutschen Postdienst, und der Hauch orientalischer Gemütlichkeit, der nun einmal von jeden: Muselmann ausgeht, hat der deutschen Ordnung und Gründlichkeit noch nichts geschadet.
Niemann.
Nur nicht eilig — es ist so viel gemütlicher! Davon geht der brave Osmanli auch am Postschalter nicht ab. Langsam und bedächtig, geziert mit den Höflichkeitsformeln des Morgenlandes ist die Unterhaltung; der Ankauf einer Freimarke wird zu einem sehr wichtigen und umständlichen Geschäft. „Möge dieser schöne Morgen für dich recht glücklich werden, Herr!" so nähert sich der Türke mit tiefen, unterwürfigen Salams dem Beamten. „Würdest du deinem ergebenen Diener- einige Marken überlassen, um damit Briefe nach London zu schicken? Du mußt nämlich wissen..." damit beginnt er eine lange Familiengeschichte zu erzählen, bis der Beamte endlich seine vier Piaster fordert, die nach einigem Feilschen in Papiergeld erlegt werden. „Nein, nein, Effendi, mein kostbarer Edelstein!" protestiert der Beamte, „Papiergeld nehmen wir nicht; du mußt in Silber Zahlen". — „Wie, mein frommes Lamm, du weisest Papiergeld zurück? Nun, dann sollst du Silbergeld haben. Hier sind meine letzten Stücke." — „Nimm meinen allerwärmsten Dank, meine vortreffliche Turteltaube!"
— „Allah sei mit dir und lasse deinen Schatten mächtig wachsen!"
— „Leb wohl, Effendi! Möge dein Bart Zu ganz besonderer Länge werden!"
Der Türke hat nicht das geringste Verständnis für den starken Impuls, der das Geschäftsleben der Franken durchzittert, die täglich ihre Posten haben müssen. Und dann dieses Hasten und Jagen vor den wichtigen Postabgängen, bannt nur ja noch alle Briefe mit fortkommen — wie mancher brave Muselmann mag darüber die Stunde des Gebets vergessen! Und wenn die Hamale mit den soeben angekommenen Postsäcken durch die Straßen zun: Postamt eilen, wo sich später ein ganzes Heer von Abholern zum Sturm auf den Postschalter sammelt, daß ohne die ordnende Hand des Kawassen alles drunter und drüber gehen würde, dann schüttelt sich manches beturbante Haupt: „Nasellallaly voll olaüsellallE Himmel, was soll das werden! Da die Briefabholung die' Regel bildet, hat das deutsche Postamt über ein halbes Tausend Abholer. Die unabgeholt gebliebenen Sendungen werde:: aber dann kostenfrei bestellt, ein Geschäft, das von den Briefträgern eigentlich verlangt, daß sie neben allen fränkischen Sprachen auch die Zungen des Orients, das Griechisch und Rumänisch, das Serbisch und Bulgarisch, das Albanisch und Arnautisch, Armenisch und Tatarisch, verstehen.
In dem Maße, wie das deutsche Postamt aus der anfänglichen Beschränkung auf die Briefbesorgung seinen Wirkungskreis auch auf andere Postsachen, auf Zeitungen, Postanweisungen, Pakete usw. ausdehnte, wuchs sein Betriebsumfang, wuchsen die Anforderungen an die Beamten, diese sprachkundigen „Lieblinge des Propheten". Große Schwierigkeiten waren besonders mit dem Postanweisungsdienst verbunden, an den sich die anderen fremden Postämter ryegen der verwickelten Münzverhältnisse noch gar nicht herangetrüut hatten. Die Postanweisung war bis dahin in der Türkei ein unbekanntes Ding gewesen, und der Moslem hat lange beobachtet und geprüft, ehe er der geheimnisvollen Zauberei, mit der die Effendis aus Alemannia Geld in die Welt schickten, sein Vertrauen schenkte. Große Beliebtheit hat sich das deutsche Postamt durch die Übernahme des postmäßigen Zeitungsvertriebs erworben, wodurch das geistige Leben unserer Landsleute gepflegt, die Verbindung mit