Heft 
(1906) 11
Seite
228
Einzelbild herunterladen

228

der Heimat rege erhalten wird. Die Zeitungslektüre gehört zu den hervorragendsten geistigen Genüssen in Konstantinopel. Die Angehörigen aller Nationen benutzen die billige und be­queme Art des Zeitungsbezuges, selbst der Beherrscher aller Gläubigen konnte nicht widerstehen, Postabonnent zu werden.

Wo fremde Posten sich im Lande breitmachen dürfen, da ist etwas nicht in Ordnung; kein moderner Staat duldet sie in seinem Machtbereich. Auch der Türke empfindet mit Grollen den fremden Stachel, gegen den auszuschlagen er sich gelegent­lich nicht versagen kann. So ließ er 1900 das englische Post­amt in Saloniki kurzweg schließen, auch später wieder­holt unter Verletzung von. Vertrags- und Völkerrechten die fremden Postsäcke beschlagnahmen und nach verdächtigen Briefen durchsuchen. Gin gemessener diplomatischer Druck, im höchsten Falle ein paar Kriegsschiffe haben den Diwan aber immer wieder zum lebhaften Bewußtsein seines bedauerlichen Irrtums gelangen lassen. Wenn die Türkei die fremden Posten gern wieder lossein möchte, was wir ihr nicht verdenken wollten, so könnte sie das am ehesten dadurch erreichen, daß sie durch planmäßigen Ausbau ihres eigenen Postwesens mit jenen in friedlichen Wett­bewerb tritt. Den Anfang dazu hat die ottomanische Post durch Verbilligung der Tarife und Vermehrung der Posteinrichtungen schon gemacht; es wird aber noch eine gute Weile vergehen, ehe sie geschickt genug ist, die gesamten Postgeschäfte mit ihren internationalen Verpflichtungen selbst zu übernehmen. Die von dem Türken wiederholt heraufbeschworenen Postkonflikte be­weisen, daß er vor allem noch zu skrupellos über Dinge denkt, die uns durch Moral und Gesetz als heilig und unverletzlich garantiert sind. Darum haben wir unsere Posten auch noch weiter in türkisches Gebiet vorgeschoben und da, wo deutsche Geschäftsleute eine rege Tätigkeit enfalten, in Beirut und Smyrna, in Jaffa und Jerusalem, deutsche Postanstalten er­richtet, die berufen sind, den Schauplatz einer mehrtausend­jährigen Weltgeschichte in friedlichen und befruchtenden Ge­dankenaustausch mit dem Abendlande Zu bringen.

Die deutschen Postämter in der Türkei sind unter sich durch regelmäßigen Geschäftsverkehr verbunden und stehen außerdem mit zahlreichen Dienststellen anderer Länder im Briefpostaus­tausch. Die türkische Regierung gestattet wohl die Benutzung der Eisenbahnen für Briefe, nicht aber für Pakete; diese müssen daher, soweit Konstantinopel und Smyrna in Betracht kommen, durch Rumänien nach Constanza (und weiter mit rumä­nischen Schiffen) geleitet werden. Die Eisenbahn zwischen Jaffa und Jerusalem befördert fremdländische Posten überhaupt nicht; das deutsche und das französische Postamt in Jerusalem haben deshalb auf gemeinsame Kosten eine von Kawassen begleitete tägliche Postwagenverbindung mit Jaffa hergestellt.

Noch trostloser als in der Türkei stand es um das Post­wesen in Marokko, ehe dort fremde Posten ihre Netze spannten. Einen Landespostdienst in unserem Sinne gab und gibt es dort nicht, und die europäischen Kaufleute waren auf Selbst­hilfe angewiesen. Deutscher Handel und Wandel hat sich hier in den letzten Jahren aber so lebhaft entwickelt, daß eine ge­regelte postalische Bedienung geboten erschien. Auch die an­fänglich von der Woermannlinie in den wichtigeren Hafen­plätzen der marokkanischen Westküste errichteten kleinen Post­stellen genügten bald den wachsenden Verkehrsbedürfnissen nicht mehr; die Reichspostverwaltung sah sich daher 1899 genötigt, in Tanger ein deutsches Postamt und in zehn weiteren Orten Postagenturen zu eröffnen. Die Briefpost von Deutschland geht über Spanien nach Tanger; von hier wird sie gewöhnlich durch Botenposten nach den Postagenturen weiterbefördert. Die Postanstalten an der Küste stehen aber außerdem noch durch verschiedene Schiffslinien miteinander in Verbindung, wo­durch sie vor allem in die Lage gesetzt sind, auch den Paket­verkehr vermitteln Zu können, welchen Vorteil die Orte des Inneren, wie Fez, Meknes und Alkassar, leider noch entbehren. Nur Marrakesch nimmt am Paketdienst teil, weil die von Mazagan dorthin verkehrenden Boten im Besitze von Maul­eseln sind. Die Postboten sind Eingeborene und bewähren sich vortrefflich, besonders in ihren Marschleistungen. Auf dem 678 Kilometer langen Botenkurs von Tanger nach Mogador be­trägt die Marschdauer etwa acht Tage, dabei sind Märsche von 95 bis 100 Kilometer zurückzulegen, ehe ein Botenwechsel ein- treten kann. Leider sind die Postboten vor räuberischen Überfällen nie sicher, namentlich zwischen Rabat und Casablanca haben sie unter dem Räuberunwesen sehr zu leiden. Darum wird bei der Montierung der Boten alles vermieden, was sie als solche kennt­lich machen könnte; der Briefbeutel z. B. wird in eine unschein­bare aus rohem Stroh geflochtene Umhängetasche verpackt.

Während die Einrichtung einer Postanstalt selbst nur geringe Sorgen macht in Berlin wird solch eine kaiserliche Post­agentur in eine Kiste gepackt, um in irgend einer wilden Ecke mit allen postalischen Siebensachen innerhalb ein paar Stunden in Glanz und Pracht zu erstehen ist die Einrichtung und Unter­haltung gesicherter Verbindungen jetzt noch eine schwierige Auf­gabe. Aber es darf erwartet werden, daß auch in dem zukunfts­reichen Marokko bald gesicherte Verhältnisse eintreten. Dann kann auch die Post erfolgreich Mitwirken, den wilden Söhnen des Atlas die europäische Kultur mundgerecht zu machen, gleichwie sie im Türkenreiche daran mitarbeitet, daß westlicher Geist auch jene Gebiete durchweht, die in ihrer starren Abgeschiedenheit die Quellen bergen, aus denen der Mohammedanismus seine Kraft des Widerstandes gegen abendländische Kultur schöpft.

Aleiskeil vom Meg.

Äie äer forst äort, sturmäurchtegt, 3n äen rauben Mäerwiegen Zchwanker Nester falben trägt,

Die einst Mn äie weit äurchtliegen, Also trug, von web äurchrittert, weine Krust einst weloäien, 5onnenbungrig unä verbittert,

Die im fiug äas Lanä äurchschrien.

Uber Jahr um Jahr verrann!

Aut äen reichsten Wanäerwegen 6ritt mein Der? oll Wehmut an, llnä es klagt in bangen Zchlägen: Ach, äie weite Welt ist enge! fremäe 5onnen sinä nicht bell! 6insam selbst im weltgeäränge kleibt ein sahrenä'er 6esell! --

Weisheit, äie ich örtlich tanä, war äie Weisheit auch äes Züäens: 6igner Derä unä Deimatlanä 5inä äie wurzeln jeäen frieäens! kuheloses Weltäurchschweiten Ist ein Zäch, äas Disteln trägt. Zollch äir goläne fruchte reiten,

5ei ein kleiner kaum umhegt!

Deute weiss ich, wo äas 6lück 5eine blauen Llumen wieget:

Ms äer Ztrasse, äie äer klick treuer Liebe überllieget.

Im kereich äer liebsten klicke Klüt es äullig allerwärts Zchlichtes Deim in engem 6lücke füllt äas unruhvollste Der?!

6oläne Zonnen sah ich sprühn,

Mer nirgenäs aut äer 6räe 5ah ich eine schöner glühn Als äie Gut im eignen Deräe.

6inem lieben Weib ?ur Zeile

Ach, ihr holäen Lräumerein! .. .

Nehmt äen wanärer, liebe Leute!

6r auch will nun sesshatt sein!-

6eorg Lusse-Pal ma.