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wohl durch sein Libretto zu Viktor Neßlers Oper „Der Trompeter von Säkkingen" geworden.
WiLHelmine von KMerrr. Wohl manche von den vielen, die der rühmlich bekannten Dichterin Stunden voll Anregung und Genuß verdanken, werden mit Verwunderung erfahren, daß Wilhelmine von Hillern in diesen Tagen schon die Feier ihres 70. Ge burtstages begehen konnte. Am 11. März 1836 ist die Verfasserin der „Geier-Wally" und des in der „Gartenlaube" mit so regem Beifall aufgenommenen Romans „Aus eigener Kraft" als Tochter der weitbekannten Bühnenschriftstellerin Charlotte Birch - Pfeiffer in München geboren. Schon in jungen Jahren errang sie als Bühnendarstellerin große Erfolge. Bald aber zog sie sich von der Bühne zurück, um in der Folge nur ihrer schriftstellerischen Tätigkeit zu leben.
Georges Ktewenceau ist die markanteste Persönlichkeit des neuen französischen Kabinetts. Obwohl er seit Jahrzehnten als Abgeordneter, als Senator und als Publizist eine führende Rolle in der Republik gespielt hat, ist er jetzt zum erstenmal in den Besitz eines Ministerportefeuilles gelangt. Schon vor siebzehn Jahren war er mit Floquet zusammen Kandidat für den
Posten des Kammer-
Wilhelmine v. Lillern.
Georges Clemenceau.
Phot.
Präsidenten. Damals hatte er es seiner Jugend zuzuschreiben, daß er nicht gewählt wurde, denn er erhielt ebenso viele Stimmen wie sein Gegenkandidat und unterlag ihm nur, weil nach der Geschäftsordnung der französischen Kammer in solchem Falle der Ältere den Sieg davon- trägt und er einige Tage jünger war als Floquet. Nächst Zola war er der tatkräftigste, geschickteste und erfolgreichste Streiter gegen den parteipolitischen Justizmord, mit dem sich die Republik am Ende des vorigen Jahrhunderts befleckt hatte. Zola und ihm hat Dreyfus in erster Linie seine Befreiung zu verdanken. Die von ihm geleitete Zeitung „Aurore" gelangte in diesem Kampf zu einer über die Grenzen Frankreichs weit hinausgehenden Bedeutung. Das Gesetz über die Trennung von Staat und Kirche hat er mit einer fast fanatischen Leidenschaftlichkeit verteidigt. Darum bestand er auch darauf, daß ihm das Ministerium des Innern übertragen wurde. Zu dem Sturze Deleasses hat er nach Kräften beigetragen, und daß er von dem fanatischen Deutschenhaß der Nationalisten nichts wissen will, hat er auch dadurch bewiesen, daß er regelmäßiger Mitarbeiter eines führenden,, dreibundfreundlichen Blattes Österreichs geworden ist.
Jessie White Mario- die begeisterte englische Vorkämpferin der italienischen Einheitsbewegung, Garibaldis Freundin, die Gattin des Mazzinianers Alberto Mario, ist im Alter von 73 Jahren in Florenz Anfang März gestorben, wo sie an einem Lehrerinnenseminar die englische Sprache lehrte. Sie gehört zu den zahlreichen englischen Frauen, die sich wie Elisabeth Browning, über die Fremdherrschaft entrüsteten, unter der das zerstückelte Italien seufzte, und die mit ihrem großen Landsmann Glad- stone das Regiment der Bourbonen für die „Negation Gottes" hielten. Im Jahre 1854 begegnete sie Garibaldi und wurde, wie so viele, die in seine leuchtenden Augen schauten, von seiner bezwingenden Persönlichkeit so Opossum mit seinen Jungen.
bezaubert, daß sie ihr ganzes Leben den Idealen des großen Fischers aus Nizza weihte. Sie wirkte als Schriftstellerin und Wanderrednerin für die italienische Einheit und entfaltete dabei ein so stürmisches Temperament, daß Marco Monnier sie, obwohl er mit ihr befreundet war, zur Heldin einer neapolitanischen Novelle satirischen Charakters machte, der er den Namen „Miß Uragan" (Fräulein Ungewitter) gab. In Genua wurde sie im Jahre 1857 verhaftet und zu vier Monaten Gefängnis verurteilt, weil sie sich im Bann Mazzinis an der verunglückten Verschwörung vom 29. Juni beteiligt hatte. Im Gefängnis lernte sie Alberto Mario kennen, heiratete ihn nach ihrer Freilassung in England und wirkte dann mit ihm gemeinsam in Amerika für die italienische Sache. Nach der Erhebung des Jahres 1859 kehrte sie nach Italien zurück und begleitete Garibaldi als Krankenpflegerin auf dem Zuge der Tausend nach Sizilien und den Feldzügen von 1866 im Trentino, von 1867 und 1870/71. Sie schrieb eine sehr verbreitete Biographie Garibaldis, eine Beschreibung des Garibaldinischen Feldzuges nach Frankreich und das Leben Giuseppe Mazzinis. Im Jahre 1883 starb ihr Gatte. Seitdem widmete sie sich dem Lehramt und
Iessie White Mario.
schriftstellerischen Arbeiten. Wenn man von den edlen, opfermutigen Frauen spricht, an denen die italienische Einheitsbewegung so reich ist, wird ihr Name immer mit Ehren genannt werden.
Aas Hpossuur. (Zu dem untenstehenden Bilde.) Schön ist das Geschöpf durchaus nicht, das wir in gelungener naturgetreuer Abbildung unsere:: Lesern vorsühren.
Es zählt zu der Familie der Beutelratten. Der Körper ist plump gebaut, der Kopf läuft in eine spitze Schnauze aus, der kräftige, bis 30 Zentimeter lange Schwanz ist nur an seiner Wurzel behaart. Das Fell zeigt eine schmutzige gelblichweiße Färbung, nur die Beine erscheinen dunkeler. Nordamerika, von Mexiko bis zu den großen Seen Kanadas, ist die Heimat des Opossums. Hier lebt es mit Vorliebe im Dunkel der Wälder und Gebüsche, da es das Helle Tageslicht scheut. Auf den Bäumen versteht es ziemlich geschickt zu klettern, wobei ihm der Schwanz gute Dienste erweist. Es ringelt ihn um die Zweige und kann sich damit so festhalten, daß es manchmal stundenlang herabhängt.
In der Not begnügt es sich mit Pflanzennahruug, mit jungen Schößlingen, Wurzeln und Beeren, aber nach Fleisch ist es besonders lüstern. So stellt es überall kleineren Säugetieren und Vögeln nach und plündert die Nester. Blut geht ihm aber über alles, es schlürft es gierig wie unser Marder, bis es im Blutrausch liegen bleibt. Diese Gier verleitet es, das schützende Dunkel der Wälder und Hecken zu verlassen und Hühnerställen und Taubenschlägen der Farmer unliebsame Besuche abzustatten. Es mordet hier mehr, als es verzehren kann, und darum ist das Opossum überall verhaßt und wird eifrig verfolgt. Nur selten setzt es sich einem überlegenen Feinde gegenüber zur Wehr und wird um so leichter bewältigt, als es auf dem Boden ziemlich unbeholfen ist. Hart bedrängt rollt es sich zu einer Kugel zu- L Nnclöi- sammen und bleibt dann wie ^vooZ, I^onäon L Vork. tot liegM.
HI II der nächsten Nummer schließt das erste Quartal dieses Jahrgangs der „Gartenlaube"; wir
* ersuchen die geehrten Leser, ihre Bestellung aus das zweite (Quartal schleunigst aufgeben zu wollen. — Die Postaboirirenteir machen wir noch besonders darauf aufmerksam, daß der Bezugspreis (2 Mark für die Ausgabe ohne „Welt der Frau", 3 Mark 25 Pf. für die Ausgabe mit „Welt der Frau") bei Bestellungen, die nach Beginn öes Vierteljahrs bei der Post aufgegeben werden, sich um so Pfennig erhöht.
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