Heft 
(1906) 12
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Frauenrecht, Fräulein Alice Sa- lomon, Hai am 5. März an der Berliner Universität ihr Doktor­examen gemacht und wurde zum pvil. ernannt. Die Promo­tion erfolgte auf Grund einer umfassenden Arbeit über die Lohnverhältnisse weiblicher und männlicher Arbeiter ein Ge­biet, das Fräulein Salomon wie wenige beherrscht, auf dem sie seit Jahren Material gesammelt hat. Unseren Leserinnen ist die jüngste Berliner Doktorin keine Fremde, schreibt Fräulein Salo­mon doch für dieWelt der Frau" fortlaufend Artikel über soziale Fragen, die sich durch eine wohltuende Klarheit und Mäßi­gung auszeichnen.

Aas Himöenrmgtück rn tzourrieres. (Mit den neben­stehenden Abbildungen.) Der Fortschritt der menschlichen Kultur geht über eine blutbedeckte Bahn.

Die schwarzen Diamanten, die heraufgeholt werden, um Licht und Glanz über die Welt zu breiten, Wärme und Kraft in die Adern der Welt zu leiten, sie sind die Ursache ewig sich erneuernder Leiden, immer erneuten Schmerzes und Jammers. Das Grubenunglück in Courrieres bei Lille am 10. März, das mehr als 1300 Opfer gefordert, ist wohl die größte aller derartigen Katastrophen, welche die Geschichte auszuweisen hat. Die Ursachen sind in ihrem völligen Umfang bis heute noch nicht geklärt. Fest steht, daß der Brand, der schließlich eine ungeheure Explosion zur Folge hatte, schon mehrere Tage lang gedauert hat. Indes sind derartige Brände durch­aus nicht selten. Herr des Feuers kann man gewöhnlich nicht werden, und die einzige Mög­lichkeit ist, diese Brände zu lokalisie­ren, in­dem

Gerettete Berg­leute. die sich nabe mn Ein­gang zur Kohlen­grube be-

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Ankunft der westfälischen Hilssmannschasten.

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ragender Weise ausgerüstet und ausgebildet. Es sind nicht Berg­arbeiter, die gewissermaßen neben­bei auch im Rettungsdienst er­probt sind, sondern sie sind ähn­lich wie unsere Berussfeuerwehren organisiert. Die Vorbereitung sür den Rettungsdienst ist ihre einzige Arbeit, und sie werden dabei von fachmännischen Kräften geleitet.

AudoL'f Munge. (Mit dem nachstehenden Bildnis.) Der zum 27. März bevorstehende 70. Ge­burtstag des Kunsthistorikers und Schriftstellers Rudolf Bunge ist auch für dieGartenlaube" ein Freudentag, gehört Bunge doch zu ihren ältesten und treuesten Mitarbeitern. Auf den Wunsch seines Vaters, eitles Cöthener Industriellen, sollte er in Paris Chemie studieren; er benutzte je­doch 1856 seinen Pari er Aufent­halt, um die historischen Borträge der Professoren Saint-Marc- Girardin und Saint-Hilaire, sowie die literarischen des Professors Arnould zu hören und die Kunstschätze in den wundervollen Galerien des Louvre zu studieren. Auch den Studiensaal der kaiserlichen Bibliothek besuchte er oft, um sich in die Sange der proven^alischen Troubadours zu vertiefet: und sie ins Deutsche zu übertragen. Aus­gedehnte Reisen in Italien bestärk­ten seine Neigung zu den schönen Künsten. In die Heimat zurück­gekehrt, begann er die Scbillerschen Dramen in melodramatischer Art für den Konzertsaal zu bearbeiten und lvurde durch diese Art litera­rischer Tätigkeit von selbst zu eige­ner dramatischer Arbeit gedrängt.

Aus der großen Reihe seiner Werke nennen wir nur ein paar:

Deutschlands Erwachen" 1861,

Heimat und Fremde" 1864,Der Herzog von Kurland" 187 t, 1813", die TragödienNero",Alarich",Das Fest zu Bayonne", verschiedene Schau- und Festspiele usw. Am bekanntesten ist Bunge

Rudolf Bunge.

n: an alle Zu gange zu dem Brand­herd vermauert.

Auch das ist dies­mal ge chehen. Aber es scheint, als ob die Vermauerungen nicht fest genug waren. Am Tage des Unglücks waren 1800 Arbeiter eingefahren, und nur wenig über 400 fanden den Weg zurück zum Licht. Wohl kam Hilfe von allen Seiten, und auch eine deutsche Hilfs­kolonne aus Gelsenkirchen in Westfalen ist an den Schau­platz geeilt und hat dort unrer außerordentlichen Anstrengun­gen geholfen. Brandmeister Hugo Koch ist mit jenen deutschen Mannschaften denn auch in Courrieres sehr herzlich empfangen worden, und die französischen Blätter bezeugen, daß diese braven Leute Großartiges leisten. In der Tat sind ja auch die deutschen Hilfsmannschaften in ganz hervor-

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Das Publikum am Eingang der Kohlengrube.

Vom Grubenunglück in Courrieres.