Heft 
(1906) 16
Seite
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sich zwei neue Krater gebildet, aus denen die Ströme nach zwei verschiedenen Richtungen sich bewegten. Der eine Strom lief auf alte, längst erstarrte Lavaselder zu, der andere aber brach nach Südwesten zu in die Wein­pflanzungen von Boscotreease ein, überflutete sie völlig und machte schließlich vor den Toren des blühenden Städtchens Halt. Wenige Schritte vor dem Bittgang mit der Statue der heiligen Anna stand er still, und die ge- ängstigten Bewohner sanken lobpreisend auf die Knie/sie glaubten, die Heilige habe geholfen. Aber der Stillstand war nur von kurzer Dauer. Denn alsbald war Boscotrecaje fast völlig eingeschlossen. Am 7. April gab das Vesuvobservatorium noch sein letztes Bulletin aus, kurze Zeit darauf mußte es verlassen werden. Unaufhaltsam drängte die Lavamasse vor. Sie entzündete die Häuser, Kirchen

Von der Lava bedrohte Weingarten.

tungen verfolgt worden ist, deren Ergebnis bis in die jüngste Zeit hinein recht zweifel­haft war, ist beendet, nachdem unter den interesiierten Mächten eine prinzipielle Eini­gung erzielt und das Protokoll am 7. April unterzeichnet worden ist. Unter Bildchen ver­einigt all die Namen, die in den letzten Wochen so oft genannt worden sind, die Persönlichkeiten, die (o große Verantwortung trugen. Als wären sie zu harmlosem Plau­dern zusammengelommen, stehen Rovoil und Regnault, die Vertreter Frankreichs, dem Grasen Tattenbach und dein deutschen Dele­gierten Herrn von Radowitz gegenüber.

Are deutschen Aetter von Courrieres.

(Zu der unteren Abbildung auf der vorher­gehenden Seite.) Wir haben unseren Lesern in Wort und Bild schon einmal von den wackeren westfälischen Bergleuten erzählt, die, mit vorzüglichen Rettungsapparaten aus­gestattet, in die raucherfüllten Schächte von Courrieres eindrangen und wenn auch leider keine Lebenden, doch die Leichen der Verunglückten

zum Teil bergen konnten. _

Heute bringen wir sie noch einmal, im Festtagskleid, wie sie am 3. April in Krefeld vor unserem Kaiser standen, um dessen Dank und An­erkennung entgegenzunehmen.

Bergmeister Engel verteilte die Auszeichnungen, die der Kaiser ihnen zugedacht hatte, unter die Mannschaften.

Der Ausbruch des Vesuv. (Zu den oberen Ab­bildungen und der neben­stehenden Karte.) Seit dem letzten großen Ausbruch vom 26. August 1872 hat der Vesuv nie völlig geschwiegen.

Auch im Mai und Septem­ber v. I. hat man wieder stärkere Tütigleit des grollen­den Alten festgestellt. Glühende Lavaströme bedrohten die nähere Umgebung des feuerspeienden Berges. Nun aber hat der Vesuv wieder einen großen Tag, ein schrecklich schönes Naturschauspiel, das Men­schenleben, Menschenwerk und Menschenglück erbarmungslos vernichtet hat. Am 4. April wurden die ersten drohenden Anzeichen beobachtet. Unter halb des Aschenkegels hatten

Karte der Umgebung.

Vom Ausbruch des Vesuv.

Bittgang am Rande der Lavamassen.

stürzten ein, und die prachtvollen. Weingärten am Abhang des Vesuv wurden völlig zerstört. Die Bürger von Boscotreease und Torre An­nunziata hatten kaum Zeit, aus der Stadt zu flüchten. Kurz vor Torre Annunziata hat sich der Strom in zwei Arme geteilt, von denen der eine auf Torre Annunziata selbst, der andere auf Pompei zueilt. Blutrot ist der Wider­schein der glühenden Lava­massen am Himmel, das Meer ist wilderregt, unter­irdisches Gebrause ertönt. Ein ununterbrochener Feuer­regen geht über Oltajano, dessen Kirchen einstürzten, Poggiomarino und Somma nieder, die bereits ebenfalls von ihren Bewohnern ge­räumt sind. Und in dem nahen Neapel regnet es be­ständig Asche, die die ganze Stadt in einen grauen Schleier hüllt. Die durch die Feuchtigkeit der Luft und die heißen Wasserdämpfe in Schlamm verwandelten Aschenmassen lasten auf den Häusern der Stadt und haben am Vormittage des 10. April die große Ge­müsehalle zum Einsturz ge­bracht. Unter ihren Trüm­mern sind viele Menschen be­graben worden.

Druck und Verlag Ernst Keil's Nachfolger G. m. b.H. in Leipzig. Verantwortlicher Redakteur: vr. Hermann Tischler; für den Anzeigenteil verantwortlich: Franz Boerner. beide in Berlin. In Österreich-Ungarn für Herausgabe und Redaktion verantwortlich: B. Wirth in Wien.

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