Heft 
(1906) 16
Seite
351
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--Vor den wirtschaftlichen Kampf gestellt!" Als das Beiblatt der Gartenlaube, dieWelt der Frau", im vorigen Jahre unter dem Titel:Bor den wirtschaftlichen Kampf gestellt" ein neues Preisaus­

schreiben erließ, wandte es sich an alle die Frauen und Mädchen seines großen Leserlreises, die sich unerwartet der Not des Lebens gegenüber­gesehen und den aufgezwungenen Daseinskampf mutig ausgenommen hatten, mit der Bitte, ihre Erfahrungen und Enttäuschungen, ihre Siege und Niederlagen zu Nutz und Frommen ihrer Schicksalsschwestern niederzuschreiben und der Redaltion einzusenden. Der Erfolg war überraschend. Briefe über Briese liefen ein, aus allen Gesellschafts­kreisen, allen Berufs- und Altersklassen, neben dem unverkennbar den Stempel hoher geisti­ger Bildung tragenden Schreiben der Dame die unbehilflich steifen Schriftzüge der Frau aus dem Volke, deren Hand wohl Besen und Bürste, nicht aber die Feder zu führen ge­wöhnt ist; neben dem frohen, selbstvertrauen- den Slolz der Siegerin die verzweifelten, vet bitrerten Bekenntnisse einer Unterlegenen im Kampf. Heute liegt da?

Ergebnis dieser reichen Fülle, die L)r. C.Müh- ling in Heft 40 de? vergangenen I ahres eingehend gewürdigt hat, gesichtet und ge­ordnet, im Buche vor uns. Nicht alles tonn­te ausgenommen wer­den, was der Annahme würdig gewesen wäre.

Nach dem Gesichts­punkt, größte Man­nigfaltigkeit in engem Rahmen zu geben, wurden in 38 Berichten eben soviel verschiedene Erwerbs

Revoü, Graf Taitenbach, v. Radowitz. Regnault.

Die deutschen und französischen Abgeordneten in Algeeiras.

Möglichkeiten und Schicksale zu einem Buche vereinigt, das den Titel des Preisausschreibens trägt. Es ist ein ganz einzigartiges Buch, das sich da irr schlichtem Gewände präsentiert, ein Buch, das kein literarisches Er­eignis, keine künstlerische Tat bedeutet, aber das von größtem wirtschaft­lichen wie sozialen Interesse ist. Ein Frauenleben ums andere entrollt sich vor unserem Blick, mit der Unmittelbarkeit des Selbsterlebten vor­getragen, unendlich verschieden alle in ihrer äußeren Gestalt, in der Art, wie sie vom Schicksal jäh zerstört und von fleißigen Händen wieder auf­gebaut worden, und doch auch wieder eins dem anderen ähnlich, weil der gleiche Schmerz, die gleiche Lust die Herzen der Kämpferinnen durchbebt hat. Und eines wiederholt sich in all diesen zugleich bedrückenden und

erhebenden Erzählungen von Frauennot und Franenstärke, das stetig ertönende:Ach hätt' ich doch!" . -mit dem die meisten dieser

Frauen und Mädchen beim Hereinbruch des Unglücks klagend und an­klagend rückwärts schauen.Ach hätt' ich doch da ich noch jung und frei und gesund war, irgend etwas tüchtig, voll Grund ans erlernt!"Vorbeugen!" mahn: eine, die sich vomTippfräulein" zur Schriftstellerin emporgearbeitet hat.Es ist Pflicht der Eltern, genau so wie ihre Söhne, auch ihre Töchter instand zu setzen, ihr Brot zu verdienen!" Nicht aus außergewöhnliche Weise! Das ist ebendas Bemerkenswerte an diesem Buche, daß es zeigt, wie immer noch, aller Emanzipation zum Trotz, in der Not Zuflucht genommen wird zu den

althergebrachten Frau­enberufen der Schnei­derin, Putzmacherüg H an? bälterin, Erz ie - herin und Pensions- inhaberin, und wie diese Berufe, richtig erfaßt und mit Fleiß und Eifer erfiillt, auch heute noch die Frau nähren, ihr Unabhän­gigleit und Zufrieden­heit, ja bescheidenen W ohlst and gewäh reu. Es wird dem Buche freilich gehen, wie es allen anderen guten und eindringlichen er­gangen ist: ein jeder wird seine eigene Nutz­anwendung daraus ziehen, wird es der eigenen Tendenz dienst­bar machen und e? als schlagenden Beweis für die Richtigleit der von ihm verfochtenen An­sichten hinstellen. Und all das wird dem Buche nichts schaden, denn e? ist reich ge- nm allen etwa? zu brin­gen, und es spricht von einer Not, die uns alle umlauert, die uns Mütter und Töchter jeden Tag selbst überfallen kann. Möchten wir lernen au? diesem schlichtet: und schönen Buche, uns vorzubereiten, so lange es Zeit ist, und unseren Heranwachsenden Töchtern ein gründliches Wissen, eine tüchtige Art­bildung und Hochachtung vor der ehrlichen Arbeit irr jeder Gestalt als beste und kostbarste Mitgift mit auf der: Weg zu geben. Sie werden dann,vor den wirtschaftlicher: Kampf gestellt", ihre Pflicht mit gleichem Mut und gleicher Hingebung erfüllen, rvie die stillen Heldirrneu des Lebens, die dieses Buch mit ihrem Herzblut geschrieben haben.

Aus ATgeciras. lZu der obenstehenden Abbildung.) Die Ma- roklokorrferenz, deren Arbeit so oft mit banger: Zweifeln und Besürch-

nng,

Die deutschen Rettungsmannschaften von EourriereS vor dem Kaiser in Kresew.

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