Heft 
(1906) 17
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vollzogen worden. Ein neues und von allen Leiten als versassungs- gemäß und geschäftsfähig anerkanntes Ministerium ist gebildet worden, und der Kaiser hat den schon durch seine frühere Tätigkeit bekannten Ministerpräsidenten l)r. von Weierle zur Übernahme des Präsidiums veranlaßt. Die klangvollsten Na­men Ungarns sind in dem neuer:

Ministerium, den: u. a. Gras Julius Andrassy, Graf Albert Apponyi und Franz Kossuth an­gehören, vereinigt. Der Friedens- fchluß nach den langwierigen in­neren Kümpfen kann jedenfalls freudig begrüßt werden, gibt er doch den Ausblick auf ein erfreu- liches Zusammenwirken Ungarns mit Österreich sowohl auf wirt­schaftlichem wie auf militärischem Gebiete.

Morn Mesuv. (Zu den beiden Abbildungen aus der vorhergehen­den Seite.) Die charakteristische Berglinie, die dem Golf von Neapel sein Gepräge gab, die jedem unvergeßlich ist, der ein­mal das schöne Neapel sah, ist verschwunden, sremd blickt der vertraute Berg uns an, seines spü.cn Gipfels beraubt. Es ist, als schäme er sich des kläglich geduckten Nackens so fest hat er die Wolkenkappe aufgestülpt, aber der verräterische Feuerschein, der immer noch aus der zucken­den Wolle bricht, zeigt die Wunde, die der zornige Berg sich selbst geschlagen, die Einsenkung ist deutlich zu sehen! Unsägliches Elend hat der Ausbruch des Vesuv über das Völkchen gebracht, das sich immer wieder, der drohen­den Zeichen, der furchtbaren Er­innerungen nicht achtend, auf dem gefährlichen Boden anbaut, mit Weinstöcken und Oliven immer wieder an den unheimlichen Berg­hängen emporklettert, der Erde treu', die trugvoll und gütig zugleich, die geringste Mühe mit reicher Ernte lohnt! Unzähligemal in: Lauf der Jahrtausende hat der Vesuv sein grausiges Zerstörungswerk getan, die Menschen zu Hunderten ge­mordet, die Fluren und Städte zerstört, und immer wieder hat das Land am Golf in paradiesischer Sckönheit geblüht und gelacht. So wird auch diesmal wieder neues Leben aus den Ruinen blühen, wenn die Trauerllagen ver­stummt und die Zeu­gen der Schreckens tage,

Ruinen, Geröll und Asche, aus dem Wege geräumt sind. Schon beginnt das schwer geprüfte Volk wieder aufzuatmen, schon klirrt die Hacke, die Pflug­schar wieder wären die toten Bäume, die geborstenen Häuser nicht, der Fremde wür­de an die Furchtbar­leit des jüngsten Aus­bruchs kaum glauben.

Ire furchtbare Erd­bebenkatastrophe in

San Krancisco schließt sich als neues erschütterndes Glied an a lle vorhergehenden ele- mentaren Schreckens­ereignisse an, über die die Welt noch nicht zur Ruhe gekommen ist. Diesmal ist es Amerika, das mit ei­ner seiner blühendsten Städte in einer Weise gefährdet und geschädigt wurde, deren.Folgen noch nicht zu übersehen sind. Die bis zu dem Augenblick, in dem wir diese Zeilen schreiben, vorliegenden Nachrichten sprechen von Tauenden von Toten, der Schaden

ist aus mehr als hundert Millionen Dollar zu schätzen, und ein Feuer wütet in der Stadt, das die Panik ins Grenzenlose

steigerte und neue Opfer unausbleiblich macht. In der Frühe des 18? April erfolgten die ersten drei Erdstöße, der dritte war der ver­hängnisvollste. Was die Trüm­mer nicht unter sich begruben, suchte zu fliehen, die Telegraphen­verbindungen wurden fast gänz­lich zerstört, es fehlte an Wasser, um die an allen Ecken und Enden ausbrechenden Flammen zu löschen- Kurz nach 8 Uhr erfolgte ein zweites Erdbeben, das zun: Glück nur von ganz kurzer Dauer war. Ebenso wie ^an Franeisco wurde die Stadt Saeramento von der Katastrophe heimgesucht. Jeden wird ein schmerzliches Gefühl durchziehen, daß gerade San Fran­cisco, diese wundervolle Stadt, den: Element zun: Opfer fiel. Sie war nicht wie viele andere amerikanische Städte nur praktisch und nüchtern, sondern sie war schön, südländischer Glanz umspielte sie und die herbe Rühe nordischer Linien machte sie noch malerischer. 400 000 Ein­wohner faßte San Francisco, das an der großen MeeresbuchtGolden Gate" im nördlichen Kalifornien liegt. Hier hatten die überreichen Leute ihre Wohnstätten, und hier pulsierte ein kaleidoskopartig buntes Leben. Ein Opfer der Kata­strophe wurde auch das prächtige und neue Stadthaus, das Wu­cher abbilden und das jüngst erst mit einem Kostenaufwand von 7 Millionen Dollar entstanden ist.

Mrofessor Mierre Gurre. (Zu dem nebenstehenden Bildnis.) Mit dem jähen Tode Professor Curies, dessen Entdeckung des Radiums seinen Namen über die ganze Erde trug, ist in die Reihe der Gelehrten von grundlegender Be­deutung eine tiefe Lücke gerissen worden. Ein Unfall hat dies unendlich tätige Leben unerwartet am 19. April abgeschlossen. In Paris, wo er gestorben, wurde Curie im 1859 als Sohn eines Physikers geboren. Des Lebens äußeren Glanz hat der Gelehrte nicht empfunden, in dieser bescheidenen stillen Natur war nichts größer als die Hingabe an die Wissenschaft. Und in seiner Gattin, einer polnischen Studentin in

Paris, die er 1897 heiratete, wurde ihm eine Gefährtin beige- geben, die ihm, dem Pfadfinder, in treuer Mitarbeiterschaft zur Seite ging. Das Jahr 1898 brachte den bei­den Forschenden die Frucht rastloser Arbeit und bereicherte mit der Entdeckung des Ra­diums die Wissenschaft um einen ungeheueren wichtigen und kostbaren Faktor. Ehren und Ehrungen fluteten zu den Erfindern, aber sie machten Halt vor ihrer Bescheidenheit, das Kreuz der Ehrenlegion lehnte Curie ab, er verwies dabei auf die wertvolle Mittätigkeit seiner Frau. Den ihnen im Jahre 1903 verliehenen Nobelpreis verwandten sie voll­ständig zur Anschaf­fung neuer Apparate für weitere Experi­mente. So ist der Tod des verdienten Mannes ein unersetzlicher Ver­lust, für seine treue Lebensgefährtin, die Wissenschaft und die Welt. Aber sein Name wird durch "alle Zeiten gehen.

Pierre Curie -I

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Das neue Stadthaus in San Francisco vor der Zerstörung.

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