„Ich hätte Sie mal allein zu sprechen."
„Bitte sehr!"
Der Friseur ging voran, seine Knie wankten.
Wie sie in dem kleinen Wohnzimmer waren, holte der Besucher eine ovale Blechmarke hervor und sagte:
„Ich bin von der Kriminalpolizei."
Albert Hohstadt hatte sich gefaßt. Er holte tief Atem, dann sagte er scheinbar ganz gleichmütig:
„Na und? . . . was wünschen Sie denn von mir?"
Aber der Beamte sah ihn nur an und schüttelte den Kopf.
„Mensch, was machen Sie für Sachen!"
Der Verbrecher, in dem die Wut erwachte, sagte mit gereizter Stimme:
„Na, was is denn? . . . woll'n Se sich räch jefälligst 'n bißchen deutlicher erklären?!"
„Erklären?" sagte der Kriminalpolizist, „noch deutlicher?" Sein Blick ließ die Augen des Friseurs, die ihm ausweichen wollten, nicht los. „. . . Ich komme eben aus der Ackerstraße, wo wir die Mutter Pfeifer ab geholt haben . . . hm . . .?"
Die Haltung des Friseurs veränderte sich mit einem Male. Der blasse Albert, dem es durch den Kopf schoß, stand plötzlich da, ob er den Greifer nicht über den Haufen rennen und ausreißen könne. . . .
Aber dann sah er sich um, sein Gesicht wurde schlaff und seine Muskeln erlahmten. Und durch die tobende Nacht seiner Gedanken blitzte nur das eine Licht: Gott sei Dank, daß die Trude jetzt nicht da is . .!
„Na, nu komm' Se man!" sagte der Beamte.
„Ich will mir bloß noch'n Hut holen, Herr Kommissar,
un da nebenan schläft mein Kind drin, das möcht ich Atjöh sagen."
„Aber keine Dummheiten machen," drohte der Beamte, „vorm Hausflur stehn auch zweie!"
Der blasse Albert schüttelte den Kopf, dann ging er ins
Schlafzimmer. Dort küßte er sein Kind und benetzte das
kleine Gesicht mit seinen Tränen. Dann nahm er die Flasche mit konzentrierter Sublimatlösung, die er zum Reinigen seiner Instrumente brauchte, von der Waschtoilette und trank sie auf einen Zug leer.
Die Schmerzen kamen sofort. Aber er hielt sich aufrecht, bis er an die Droschke kam, die inzwischen einer von den anderen Beamten geholt hatte.
„Donnerwetter," schrie der, der neben ihm ging, als der blasse Albert zuckend in den Wagen fiel, „er hat sich vergiftet!"
Und unter dem Zusammenströmen einer immer mehr sich sammelnden Menschenmenge trug man den Sterbenden zurück in seinen Laden . . .
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Kaiseröesuch auf dem KotzenLrviek. (Zu der nebenstehenden Abbildung.) Eine unerwartete Freude hat der Kaiser, der in der ersten Maiwoche als Jagdgast des Fürsten in Donaueschingen weilte, den Bewohnern des sogenannten Hegaus gemacht, indem er das Festspielhaus besuchte, das sich am Fuße des Hohentwiel erhebt und die Statte bilden soll für die im Sommer stattfindenden Aufführungen des Volksschauspiels „Unter der Reichssturmfahne". Vom Festausschuß und dessen Vorsitzenden Herrn Hofbuchhändler Ackermann am Eingang bewillkommnet, ließ der Kaiser sich dann vom Herrn Direktor Lorenz, dem Dichter des Festspiels, über Plan und Ausführung der Spiele unterrichten. Dann ging es hinauf zum Gipfel des sagenumrauschten Hohentwiel, dessen Ruinen Scheffel mit unvergänglichem Zauber und dichterischem Glanz erfüllt haben.
Die Schlesischen Schützen unter Kaupt- mann von Weltmann bei W auch amps am 14.
Aeöruar 1814.
(Zu dem Bilde auf Seite 440.)
Jene Februartage 1814, an denen sich Napoleon überraschend auf das von Blücher geführte preußisch-russische (sogenannte'schlesische) Heer.stürzte und ihm die empfindlichste Niederlage beibrachte, sind trotz des unglücklichen Ansganges als Ehren- und Ruhmestage in vielen Regimentsgeschichten verzeichnet. Hätte damals im Heere des alten „Marschalls Vorwärts" nicht jener herrliche Geist an Haupt und Gliedern geherrscht, so hätten die Folgen der Schläge unberechenbar werden lönnen. Aber jener Geist, geboren aus dem langen und harten Druck des Zwingherrn in: großen Vorfrühling 1813, wage- und opsermutig, er riß „gewaltig wie Wittdes
weben" alle mit bis zum halbwüchsigen Trommeljungeu, der mit ver- klammten Fingern die Trommelstöcke auf dem Kalbfell den Sturmmarsch rasseln ließ, kaum noch mit Sohlen unter den Füßen, mit zerschlissenen Drillichhosen und einer Litewka angetan, deren Schöße in hatbverfaulten und an Biwaksfeuern versengten Fetzen im scharfen Winterwinde flatterten. In jene Tage versetzt uns unser Bild. Zwei Kompagnien des Schlesischen Schützenbataillons unter Hauptmann von Neumann, dem Sohn des tapferen Verteidigers von Koset 1807, bildeten am 14. Februar 1814 den linken Flügel der Aufstellung, und zwar links der von Etoges nach Montmirail führenden Chaussee, nur wenige hundert Schritte von ihr entfernt. Das in der Front gelegene Dorf Vau- champs war von den Zietenschen Vortruppen genommen worden, mußte aber, von den Franzosen mit Übermacht angegriffen, geräumt werden. Die Infanterie, in einzelnen Trupps aus den Gehöften heraus gedrückt, wurde von feindlicher Kavallerie, die plötzlich sehr zahlreich auftrat, umringt und niedere emacht. Nur geringen Resten gelang es. sich durchzuschlagen. In diesem kritischen Augenblick ließ Hauptmann von Neumann seine Schützen, die auf gänzlich ungedecktem Gelände standen, die Hirschjünger auspflanzen. Teile der feindlichen Reiterei, und zwar die roten Lanzenreiter Hr Kaisergarde (ursprünglich holländische Gardekavallerie, nach der Einverleibung des Königreichs Holland 1810 zu einem französischen Lancier- regiment umgewandelt), marschierten jetzt zur Attacke aust Den Stoß suchte Hauptmann von Neumann durch einen Gegenstoß abzulenken. „Zur Attacke Gewehr rechts! Marsch! Marsch! Hurrah!" Das
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Kaiser Wilhelm li. besucht das Festspielhaus aus dem Lohentwiel.
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