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Unerhörte geschah. Die feindliche Attacke erlahmte angesichts der entschlossenen Haltung. Die Lanciers rissen unwilllürlich ihre Gäule herum. Diejenigen Reiter, die am weitesten vorgeprallt waren, vermochten nicht einzudringen. Die Schützen, denen ihr wackerer Führer beim Aufpflanzen der Seitengewehre zugerusen hatte, daß ihnen lein Haar gekrümmt werden würde, wenn sie geschlossen drauf und dran gingen, erlitten tatsächlich keinen anderen Verlust als einige heruntergeschlagene Tschakos und Hirschfänger. Die entschlossene Haltung der beiden Kompagnien wirkte noch fort. Ungebrochen, festgeschlossen und durch weitere Angriffe unbelästigt, trat die Truppe, den linken Flügel deckend, den aus der Gesamtlage notwendig gewordenen Rückzug an, auf dem sie freilich nunmehr auch Verluste durch feindliches Geschützfeuer erlitt.
Die tapfere Tat blieb dem heldenmütigen Führer der Schützen unvergessen, der als Generaladjutant des Königs starb.
Als Kaiser Wilhelm II. am 27.
Januar 1889 einer Reihe von
Truppenteilen neue Benennungen verlieh, erhielt das 5. Jägerbataillon (die Görlitzer, seit 1887 Hirschberger Jäger) die Bezeichnung: „Jäger-
bataillonvon Neumann (1. Schlesisches) Nr. 5".
N. Knötel.
Kürst MüLorv.
(Zu dem nebenstehenden Bildnis.) All den beunruhigenden Gerüchten, die infolge der Erkrankung des Fürsten Bü- low im Volk umliefen, bricht das nehenstehende, am achten Mai aufgenommene Bild des Reichskanzlers die Spitze ab. Das Gesicht zeigt wieder den frischen Ausdruck von einst, die Gestalt wieder die vielbewunderte Elastizität, und wenn der Fürst, der seit dem Anfang die- '
fes Monats die
Leitung der deutschen Politik wieder in die Hand genommen hat, auch öfter als sonst am Tage sich pause gönnt, so bringt ihm doch jeder neue Tag ein
alten Kraft zurück, und wir dürfen uns nach
F.', -
Fürst Bülow nach seinem Genesen.
eine Ruhe- Stück seiner sorgenvollen Wochen
eines Genesenden freuen.
Or. Aerdinand Hoch begeht am 24. Mai seinen 80. Geburtstag. In der deutschen Turnerwelt wird dieser festliche Tag freudigen Widerhall finden. Ist doch vr. Goetz, der von seiner frühesten Jugend an ein unermüdlicher, begeisterter Kämpfer für die edle Turnsache war, als Vorsitzender der Deutschen Turnerschaft seit nunmehr elf Jahren ihr erprobter Führer. Ein köstliches Leben, der Arbeit, der Menschheit gewidmet, ist es, auf das Ferdinand Goetz zurückblickt. In doppeltem Sinne der Menschheit gewidmet. Als Arzt hat er in treuer Berufs
tätigkeit seine Kräfte dem allgemeinen Wohl geweiht, für unser ganzes Volk, für das Vaterland aber hat er sich durch seine Wirksamkeit in der Deutschen Turnerschast, die sich die Heranbildung einer kräftigen, an Leib und Seele gesunden Jugend zur Aufgabe stellt, unschätzbare Verdienste erworben. Als im Jahre 1860 auf dem ersten deutschen Turnfest in Koburg die Sammlung der Turnvereine der deutschen Lande erfolgte und der Grund zu ihrer Vereinigung gelegt wurde, stand Ferdinand Goetz, der sich in Leipzig-Lindenau als Arzt niedergelassen
hatte und 1858 in die Leitung der „Deutschen Turn- zeilung" eingetreten war, als treibende Kraft mitten in der Bewegung. 1861 wurde ihm die Geschäftsführung des Bundes übertragen, welches Amt er 35 Jahre hindurch bis zu seiner Wahl zum Vorsitzenden der Deutschen Turnerschast verwaltet hat. Für 8 den Ausbau dieser
8 einzig dastehenden
Organisation hat er in allererster Linie zielbewußt und unermüdlich gewirkt und gekämpft, in ihren Grundgesetzen ist sein Geist erlenn- har, für sie, für ihre Festlegung in vaterländischem und zugleich freiheitlichem Sinne hat er seine ganze Kraft, sein ganzes Ansehen eingesetzt.
Wenn es noch eines Beweises bedurfte für den Wert körperlicher Erziehung, der Leibesübungen, wie sie das Turnen bezweckt, so würde ihn der 80 jährige vr. Goetz bieten. Trotz seines hohen Alters ist er heute noch in seinem Berus tätig, erfüllt er in einer Reihe von Ehrenämtern die übernommenen Pflichten, steht er der deutschen Turnerschast mit Um sicht und Energie vor, wie ein Jüngling turnt er selber noch mit, und im Freundeskreis wie in seinem äußerst ^ glücklichen Familienleben ist er der belebende Mittelpunkt. Am 24. Mai werden ihm feine vielen Freunde und Verehrer, werden ihm, ihrem Führer, aus allen Gauen unseres Vaterlandes die vielen Tausende deutscher Turner begeistert ihr „Gut Heil" zurufen. Auch wir wünschen, daß es dem trefflichen Manne noch recht lange vergönnt sein möge, in gleicher Rüstigkeit wie bisher sich seines Werkes zu erfreuen. I. S.
Eduard Grützner. (Mit dem umstehenden Bildnis.) Der Maler Eduard Grützner, der am 26. Mai seinen 60. Geburtstag auf der Höhe seiner Kraft und seiner Kunst begehen darf, ist der „Gartenlaube" lein Fremder; hat sie doch ihren Lesern im Lauf der Jahre viele seiner besten Bilder in vorzüglichen Reproduktionen uahebringen dürfen, und auch die heutige Nummer enthält eines der lustigeu und harmlosen Bilder Grützners aus dem Klosterleben. Auch Grützner ist eins