Heft 
(1906) 24
Seite
493
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Idains 6ntsüknung.

Noman von Linse westkirch.

(2. Fortsetzung.)

achdeu: Ehlers auf den: Heimweg von der Spinn­stube bei Meier-Clüvers in ihren Hof abgebogen waren, stapfte Janfredrik, ohne den Kopf zu wenden, weiter durch die Nacht, weiter ganz ver­loren in die Verwunderung über das Neue, das in ihm aufblühte, von dem er bis vor kurzen: nicht gewußt hatte, daß es da war, und das doch herrisch entschied in: Leben. Erst als er sich bis zur Brücke von seinen: Anwesen durchgestapft hatte, fiel ihm Brün ein. Den ganzen Abend hatte er sich nicht um ihn gekümmert. Das war nicht vor­gekommen, seit die beiden einander kannten.

Aber als er sich jetzt umwandte, war Brün dicht hinter ihn:.

Ich bün immerlos achter dich an gegangen. Ich geh immer achter dich an."

Auf den: Flett verbreitete der glühende Torf noch einen schwachen Lichtschimmer. Ohne Licht anzuzünden, krochen beide in ihre Wandbetten. Und beide schliefen nicht. Mitten in der Nacht war Janfredrik in Versuchung aufzustehen, den: Kameraden zu sagen von seiner inneren Not.

Aber als Brün, der ihn hörte, fragte:Was hast, Jan­fredrik? Warum schläfst nich?" schämte er sich und brummte nur vor sich hin.

Und Brün kniff die Hände in sein Unterbett und zwang sich still zu liegen, damit der andere nur ihn nicht frage.

In dieser Nacht lernten beide, daß es Dinge gibt, die jeder mit sich allein durchfechten muß, bei denen der liebste Freund kein Beistand und jedes gesprochene Wort Ent­weihung ist.

Am Morgen stand Janfredrik zeitig auf.

Jk wull to'r Karke in Grasdorf," erklärte er.

Sich eins," antwortete Brün,das hatt' ich auch auch vorgenommen, heut nach der Kirche zu gehen."

Sie wären jeder lieber allein gegangen, aber keiner fand einen Grund, des anderen Begleitung abzuleynen.

Die Straße neben den leuchtend goldenen Birken an: Kanal war heut belebt. Überall Burschen und Dirnen, würdige Männer, zitternde Mütterchen, Knechte und Mägde. Zu Fuß und zu Wagen zogen dreizehn Dorfgemeinden zur Kirche in Grasdorf. Vor dem Tor, zwischen den Kreuzen des Gottes­ackers versammelten sie sich, warteten auf den Beginn der Liturgie. Es gab Begrüßungen von alten Freunden, vertrau­liche Aussprachen. Verlobungen wurden angebahnt, Käufe und Verkäufe abgeschlossen. Außer auf den Märkten in

Scharmbeck begegneten die Glieder der weit auseinander

gelegenen Moorkolonien einander jahraus, jahrein nur Sonntags an der Kirchentür in Grasdorf.

In diesen: Gewühl suchte Janfredrik die Ehlerssche Familie. In ihrem neuen Wagen war sie an den Kameraden vorbei- gesaust, daß der Straßenschmutz hoch aufspritzte. Neben Trina und Alheid hatte Sophee gesessen in schwarzen: Federhut und schwarzem Schleier.

Als Janfredrik spähend über den kleinen Kirchhof irrte, faßte eine Hand ihn am Ärmel.Nahwer, wuttst nich en Torfboot köpen?"

Janfredrik blieb stehen.Tat kümmt'r up an." Seine Augen suchten in: Gedränge den schwarzen Federhut.

Smidt-Puvogel in Fischerhude hett een," fuhr der andere, ein Bauer aus Stellichte, fort.De Lowises En' vernwsteTÜ Boot. He mutt sie:: Geswisters utbetahlen, weetst. Jk wull di dat man bloß seggen. De Kahn liggt in Bremen. Kannst di'n jo mol ankieken."

Jo, dat kann ik."

Janfredrik begriff nicht, wo der schwarze Federhut ge­blieben war. Er riß sich los, ging in die Kirche.

Die Familie des Vorstehers saß schon auf ihrem Platz in einer der ersten Bänke. Janfredrik setzte sich ihr gegenüber auf den Chor, in die Abteilung für die ledigen Burschen. Ganz vorn an der Brüstung saß er, und während des Gesanges und wahrend des Gottesdienstes sah er nur die beiden Mädchen, Alheids reingeschnittenes, aber scharfes Gesicht voll mühseligem Ernst, voll schwerfälliger Gebundenheit, und daneben unter den nickenden schwarzen Straußenfedern die rosige Haut, die lachenden Augen, das flimmernde Goldhaar der anderen. Und Alheid hielt die blondbewimperten Lider auf das Ge­sangbuch gesenkt und hob sie kau::: bei der Predigt. Aber die Blicke der anderen irrten durch das Kirchenschiff, und einigemal glitten sie hinauf zun: Chor, weilten auf Janfredrik. Und Janfredrik vergaß Brün, der neben ihn: saß, den Pfarrer und den lieben Gott, sah nur das Helle Gesicht unter den schwarzen Federn.

Bein: Hinausgehen aus der Kirche wurde er gegen Alheid gedrängt, er mußte grüßen:Gu'n Dag ook, Alheid." Es klang verlegen.

Sie hob die Augen. Eine Frage stand darin, ein Heischen.

Da flüchtete er an ihr vorüber aus der Kirche und wagte nicht zurückzusehen.

Als er aus den: Flecken bog, war Brün wieder hinter ihn:. *) samoses.

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1906. Nr. 24.

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