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daß dieser Mund nie wieder Zu uns sprechen, daß dieser Geist nie wieder neue Pfade für uns suchen wird. Und doch, in Ibsen, dem Künstler, verlieren wir noch mehr.
Sind es nun seine Gedichte, die uns so Unvergleichliches gebracht haben? Manches unter ihnen wird wohl zu den schönsten Blüten norwegischer Poesie gerechnet. Aber andere nordische Lyriker haben noch Größeres geschaffen. Sind es dann seine romantischen Jugenddichtungen, die auf uns diesen unwiederbringlichen Zauber ausüben? Oder sind es die gewaltigen Schauspiele von den „Kronprätendenten" und von „Julian Apostata", in denen ein Dramatiker voll der Macht eines Hebbel fast unüberwindlich große Stoffe meisterte? Oder ist es „Brand", vielleicht Ibsens mächtigste Dichtung, die uns etwas schenkte, was die Welt vorher nie besessen hatte? Nein, nein, selbst dieses nicht! Es sind, trotz allen:, die Gesellschaftsdramen seines Mannesalters, Dichtungen wie „Nora", wie „Der Volksfeind", wie „Die Wildente", wie „Die Gespenster", wie das wundersame und herrliche
„Rosmersholm" und wie vielleicht auch das späte Schauspiel vom „John Gabriel Borkman".
In ihnen hat uns Ibsen eine ganz, ganz neue Kunst offenbart. In ihnen hat er das Meisterstück vollbracht, für die neuen Stoffe, die ihn: der große Kampf um die neue Weltanschauung entgegentrug, auch eine neue Form zu finden. Er sah, daß das Versdrama für diese Stoffe des alltäglichen Lebens nicht schlicht genug war. Er sah, daß die französischen Sittenstücke zuviel Theatralik enthielten. Und er suchte eine Form, die sich mehr als beide der Wirklichkeit anschmiegte und doch nicht in Regellosigkeit ausartete. Er ließ seine
Personen sprechen wie im täglichen Leben, und ließ sie doch nicht drauflos schwatzen wie so oft unsere deutschen
Naturalisten. Jeder Satz des Dialoges füllte seinen Platz
in einem wohlberechneten Entwurf. Jede Szene bekam eine wichtige Stelle im Haushalt seines Stückes. Die Episode um der Episode willen war ihm Zuwider. Er wußte, daß die Seele des modernen Menschen oft ein verschlungenes Gewebe von Gedanken und Wünschen ist und daß es zum Schwersten gehört, ihren vollen Inhalt in die drei oder vier Akte eines Dramas zu gießen. So beschnitt er die Ranken der Handlung aufs sorgsamste. So drängte er alles aufs kunstvollste zusammen und gab doch Seelenbilder von einem Reichtum und einer Feinheit, wie wir sie kaum vorher kannten. Und das alles ohne viel äußere Handlung. Im scheinbar alltäglichen Gespräch enthüllen uns seine Menschen ihre Schicksale, ihren Charakter, ihr Fühlen und Denken. Absichtslos und einfach erscheint uns alles. Und doch ist es gar wunderbar
fein ersonnen und geordnet.
Hierin ist Ibsen aller neueren Dramatiker unerreichter Meister. Er gehört vielleicht nicht zu jenen Dichtern, die ein Leben im Innersten mitleben und uns oft in wenigen Worten Anteil nehmen lassen an den Leiden und Wirrnissen, an den: Stürmen und Jauchzen einer Menschenseele. Er hat auch vielleicht allzuviel Freude an dem Geheimnisvollen, sich Verwirrenden, den dunklen Symbolen und Gleichnissen. Aber sein Auge durchdringt mit unerbittlicher Schärfe alle Tiefen des Menschenherzens. Alle Regungen, alle Gedanken und Gefühle liegen vor ihm da wie bunte Steinchen und Gläser, aus denen der Künstler wunderbare Mosaiken zusammenfügt.
Jetzt ist Henrik Ibsen, der Kämpfer und Dichter, zur ewigen Ruhe eingegangen. Und sein ganzes Volk, um dessen Gefolgschaft er so heiß gerungen, stand mit dem jungen Königspaar an seiner Bahre. Wir Deutschen aber trauern mit ihnen um Norwegens großen Sohn. Denn in Schmerz und Freude dürfen wir es heilte sagen: Henrik Ibsen war ja auch unser.
Aus dem Reich der Wohlgerüche.
Von I. Boy er.
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(feiere den frohen Tag! Denn niemand nimmt seine Güter O mit sich, niemand kehrt wieder, der gefahren ist zum Lande, das das Schweigen liebt. Lege Myrrhen auf dein Haupt! Stelle Salben und Wohlgerüche hin für deine Rase, salbe dich mit den echten Wunderdingen Gottes! Feiereden frohen Tag!"
Auf alten Papyrusrollen sind solche Lieder verzeichnet; wenn sie heute erklängen, würden sie das Herz jedes Parfümfabrikanten höh erschlagen lassen; denn so sehr auch die Welt von heute Wohlgerüche liebt, gegen die alten Ägypter können die modernen Völker nicht aufkommen.
Den Kindern der Veilchenernte bei Nizza. reichen Römer nach;
Pharaonen waren ja duftende Salben erzählt doch Lucia:: von den Frauen
und wohlriechende Räucherungen ein Lebensbedürfnis. Mit ! seiner Zeit, daß sie „dem Begegnenden das ganze Glückliche Staunen entziffern wir alte Hieroglyphen, die da melden, j Arabien aus ihren Locken entgegenduften ließen". Bald aber
daß die fleißigen Arbeiter beim Bau der Pyramiden sich beschwert hätten, man habe ihnen den Lohn und . . . Salben vorenthalten. So das Volk — und auch die feine, vornehme Welt
war durchaus nicht diskret im Benutzen der Parfüme. Da saßen Herren und Damen beim Festmahl, und auf ihrem Haupthaar war ein kegelartiger Aufputz aus schwammartigem Stoff befestigt; er war mit balsamischen: Öl so wohl getränkt, daß es langsam auf das Haupt des festlich Geschmückten niedertroff! Von den Ägyptern lernten die Griechen den verschwenderischen Gebrauch der Parfüme, dann ahmten ihnen die sieg-