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Leben gegeben hatte, nun auferstünde und ihn umfinge, so griffen ihm dabei die Sehnsucht und eine heiße, hingebende Dankbarkeit ans Herz. Mit streichelnden Händen ordnete er die Wäsche in den Schubladen des Waschtisches, und liebevoll stellte er die Bücher auf den kleinen Aufsatz des Stehpultes am Fenster. Wie die Mutter an alles gedacht hatte, was er liebte — so gut . . . Da war auch Herrn Heinrich Gerolds Bild in dem schmalen Holzrähmchen. In der Wand stak über dem Pult ein kleiner Nagel — da sollte es hängen. Es sollte
ihn ansehen, wenn er hier an die Mutter oder an Sephi schrieb, es sollte auf ihn blicken, was immer er tat . . .
Und dann scholl wieder das Klopsen an der Tür, und die Stimme des Herrn Thienemann erklang:
„Pang — 's ist Zeit -— halb Zwei — wir wollen kehen!" Da ging Georg; das Tagewerk der Arbeit lief weiter, und das schmale himmelblaue Zimmer, dessen Fenster hinaus auf den stillen Garten ging, stand leer bis zum Abend.
(Fortsetzung folgt.)
blüsn
Glätten
Jas Kawburger Bismarck - Jenkrnas. (Mit der untenstehenden Abbildung und den beiden Bildnissen.) Der große Einiger des Deutschen Reiches stand bekanntlich zu der schönen Hansestadt Hamburg
jung, sie haben das 35. Lebensjahr noch nicht vollendet. Lederer^ ist in Znaim geboren, wo er in einer Fachschule für Keramik den ersten Grund für sein Können legte; dann lam er über Dresden und Breslau nach Berlin; hier beendete er seine Studien unter Toberentz. Ein besonders gütiges Schicksal Hai dem Künstler im Jahr 1901 einen seltenen Freudentag geschenkt. Am selben Tage, da sein Entwurf für das Hamburger Bismarck-Denkmal mit dem ersten Preis gekrönt wurde, erhielt er aus Breslau die Nachricht, daß sein mit dem zweiten Preis ausgezeichneter Entwurf für eineu Universitätsbrunnen zur Ausführung bestimmt sei. Dieser Brunnen ist bereits seit einiger Zeit fertiggestellt. — Emil Schmidt ist in Stuttgart geboren. In Dresden arbeitete er im Atelier des Reichslagsbaumeisters Wallot. Jetzt lebt er ebenfalls in Berlin.
Ire Eröffnung des Tettorvkanals fand am 2. Juni in Gegenwart des Kaiserpaares statt, Am 22. Dezember 1900 hatte der Kronprinz an der Glienicker Bucht den ersten Spatenstich zu dem in vieler Hinsicht bedeutenden Werk getan. An dieser Stelle rum ging die Eröffnung vor sich. Alles wehte von Wimpeln und Fahnen, und wenn auch das Wetter im Anfang recht unfreundlich war, so hatte es doch schließlich im entscheidenden Augenblick ein Einsehen. Denn nun kam die blitzend weiße Jacht „Alexandra" mit dem Kaiserpaar und den anderen Festteilnehmern an Bord daher. Über die Mündung des Kanals war ein Band gezogen. Dies zerschnitt der Bug der „Alexandra", und der Kanal war eröffnet. Hierauf begann die Durchfahrt durch die Schleusenanlagen, während der sich der Kaiser lebhaft mit dem Erbauer des Kanals, Baurat Havestadt und dem Landrat von Stubenrauch unterhielt. Der neue Kanal hat seine Bedeutung zunächst darin, daß er nicht vom Staat, sondern vom Kreise Teltow selbst aus eigenen Mitteln hergestellt wurde. 22 Millionen Mark waren veranschlagt, mehr als 40 Millionen hat er gekostet. In erster Linie dient er der Entwässerung, er wird aber auch als Wasserstraße von großem Nutzen sein, da er den Wasserweg von Potsdam nach Grünau um etwa 20 Kilometer verkürzt. Außerdem sind die Berliner Wasserwege überfüllt, und da der Weg durch den Kanal für den Durchgangsverkehr eine Ersparnis von ein bis zwei Tagen bedeutet,
Von der Enthüllung des Bismarck-Denkmals in Hamburg.
in ganz besonders innigen Beziehungen. Im nahen Sachsenwald hauste der alte Necke, für seine offiziösen Auslassungen bediente er sich gern eines Hamburger Blattes, und er, der „Ehrenbürger des Deutschen Reiches", er war auch Hamburgs größter Ehrenbürger. So haben ihm denn die getreuen Nachbarn am Elbestrand ein Denkmal errichtet, das schon durch seine außergewöhnlichen Dimensionen die Bedeutung des außergewöhnlichen Mannes symbolisiert. Das Werk des Bildhauers Hugo Lederer wurde nun am Nachmittag des zweiten Juni feierlich enthüllt; die großen Erwartungen, die man an das eigenartige Modell seinerzeit geknüpft, haben sich glänzend erfüllt. In seiner Festrede sagte der Bürgermeister Moenckeberg, daß dieses neu enthüllte Denkmal Bismarck nicht so darstelle, wie man ihn sich sonst denke. Und in der Tat, weder Schlapphnt noch Kürassierhekm bedeckten das mächtige Haupt; die starke Brust ist in Erz gepanzert, und die Hände umschlingen den Knauf eines hohen Ritterschwertes. Lederer hat hier wie Tuaillon bei seinem Bremer Kaiser Friedrich-Deillmal die moderne Gewandung verschmäht, die sich nur schlecht für monumentale Aufgaben eignet. Denn die Statue mißt nicht weniger als 13^ Meter, und diele Größe verlangt geradezu ein stilisiertes Gewand. Besonders glücklich waren die Hamburger in der Wahl des Ortes, auf dem das Denkmal zur Aufstellung gelangte. Nicht inmitten der steinern Häusermassen ist ihm ein enges Plätzchen gegeben. Frei und groß erhebt es sich auf der Elbhöhe, und prachtvolle Parkanlagen umgeben es. Ganz besonderes Verdienst um die Wirkung des Denkmals erwarb sich der Architekt Emil Schaudt, der den Sockel geschaffen hat. Beide Künstler sind noch verhältnismäßig
so wird er wohl häufig
benutzt werden. An eine Nentierung des verwendeten Kapitals ist freilich vorläufig nicht zu denken; aber er ist ja in der Hauptsache der Entwässerung gewidmet und kommt den Bewohnern des Kreises Teltow zugute, die freilich auch jährlich etwa 2 Millionen für die Verzinsung aufbringen müssen.
Kenrick Ibsens Begräbnis. (Zu der unteren Abbildung auf nebenstehender Seite.) Es war ein langsames Sterben. Beizeiten hatte der größte dramatische Dichter der
Bildhauer Lugo Lederer und Architekt Emil Schaudt, die Schöpfer des Hamburger Bismarck-Denkmals.