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„Setz' dich!" ,
Sic gehvrchte. Ee stand vor ihr, betrachtete sie mit Blicken, i die auch in ihr Gesicht die Röte trieben.
„Wo du sitzest, ist der Platz der Hausfrau," sagte Inn- fredrik langsam. „Einmal — einmal mußt' ich dir da sehen, ! einmal!" !
Sie lehnte sich behaglich gegen die Lehne des Sessels, kreuzte die zierlich beschuhten Füße übereinander und lächelte.
„Nur einmal, Janfredrik?"
Da geschah etwas, an das Sophee bis an ihr Lebensende nur mit einem mit Grauen gemischten Entzücken Zurückdenken konnte. Mit beiden Annen sie umschlingend, brach der Mann vor ihr auf die Kniee, wie vom Blitz hingeschmettert. Der Estrich schlitterte von seinen: Fall.
„Sophee! Sen phee! — Ich kann nich anners. Gott weet, ich kann nich anners!"
Er preßte sie an sich, bedeckte ihre Lippen, ihre Haare mit wilden Küssen. Sie rührte sich nicht, gelahmt von der Gewalt seiner Leidenschaft, erschrocken und in ihrer Angst doch eitel, daß ihre Schönheit solche Leidenschaft zu entfachen vermochte.
Seine rauhen Fäuste taten ihr weh. Sie hatte das Gefühl, zu versinken in seiner Kraft. Aber nach Sekunden besann sich ihr Verstand.
Sie durfte sich nicht willenlos verlieren an diesen Wilden. Der alte
„Janfredrik!" Gemälde von
Ihre Stimme brach den Zauber.
Wie aus einem Traum aufgerufen, erschrocken über sich selbst, ließ Janfredrik sie los. Die Größe seiner Kühnheit jetzt erst fassend, senkte er beschämt den Kopf.
Sie mußte lächeln. Wie leicht war dieser Bär zu leiten!
„Lieber Janfredrik."
„Wenn du mir nich lieb hast, Mädchen, — dann ."
„Mich danach zu fragen, ist's jetzt ein bißchen spät, Janfredrik."
„Ja," sagte er, „ja, ich bin ein grober Kerl, ein Tier. Ich hält' bedenken müssen —" Er sah sich im Haus um. Er sah durch das Fenster auf die Einsamkeit, die sein Gehöft wie ein Mantel umgab. „Ja, und alt genug bin ich auch. Aber ich mein's ehrlich, Mädchen. Da nimmt man s nich so genau. Ich mein's wahrhaftig ehrlich."
„Wie ist mir denn, Janfredrik," mahnte Sophee, „die Leute sagen, du hättest schon eine Braut."
Janfredrik machte eine abwehrende Handbewcgung.
„Laß das. Du wirst meine Frau. Kein andere als du." Er sah um sich. Da schauten die Kühe zwischen den Holzfäulen ihrer Stände durch: Wir wollen gefüttert und ge
molken sein. Die Hühner gackerte::: Wir brauchen Wartung. Die Truhen mahnten: Wir wollen gefüllt sein mit Flachs und Lein. Ich will erhalten sein, sagte das glimmende Feuer der Herdstütte. Und auf den: Sessel vor der Glut, dem Thron der Hausfrau, saß ein Märchengeschöpf, ein Kind.
Janfredrik wandte die Augen auf Sophee zurück. „Das
muß nun gehn wie's kann. Ich schwör's bei Gott, du wirft meine Frau, Sophee Klünders."
„Da reden wir noch mal drüber." Sie stand auf. „Für jetzt mach ich mich eilends fort. Die Kirche muß aus sein. Es darf mich niemand hier sehen."
„Das is nu all eins," meinte Janfredrik.
Aber sie schüttelte den Kopf. „Nein, du Indianer, das ist mir gar nicht einerlei." Und da sie seine Trauer sah, beugte sie sich zu ihm. Flüchtig berührten ihre Lippen seine Stirn in einem wirklichen warmen Gefühl. Sie dachte jetzt nicht an Al Heid und ihre Rache. „Du wunderlicher, du lieber Kerl!"
Sie glitt zur Tür. An der Schwelle wandte sie sich um.
„ Ich will nicht, daß man über uns spricht, hörst du's" „Aber warm:: denn?"
t!" Sie legte den Finger an die Ich mein', für heut' könntest du Janfredrik! Unser Geheim-
Müller.
I. Old ach.
Lippen und lachte ihn an. zufrieden sein. Nicht plaudern, nis bleibt unseres allein."
„Ich komm' heut zu dir," sagte er.
Sie schüttelte den Kopf. „Heut will ich dich nicht sehen. Vor all den Leuten zu Haus nicht. Aber damit du manchmal an mich denkst — da!"
Sie löste das rote Seidenband, das den Afternstrauß an ihrer Brust zusammenhielt, und reichte es ihm.
Er schob es hastig unter seine Weste.
„Ich denk' immerfort an dir, Sophee."
Noch eine Kußhand warf sie ihn: zu. Dann lief sie, wachsam um sich spähend, der Brücke zu und erreichte ungesehen von den von Grasdorf heimkehrenden Kirchgängern die Dorfstraße.