hörnern nach abwärts biegen. Im Gegensatz zu der frühfliegenden Fledermaus kommt die verwandte Art, die den Namen spätfliegende Fledermaus (VesxeruZo serotiouch führt, erst spät zum Vorschein und ist sehr empfindlich gegen äußere Einflüsse. Kalte, unfreundliche Nächte lassen sie ihre Schlupfwinkel nicht verlassen, und ebenso fliegt sie nie bei Wind und Regen. Ihr Flug ist niedrig und langsam, mit weit ausholenden flatternden Flügelschlägen. Sie erinnert hierin an andere deutsche Fledermäuse, die zur Gattung Vesper- tilio zusammengefaßt werden und bei denen besonders mehr von einem Flattern als von einem Fliegen gesprochen werden kann. Zu diesen gehört auch die gemeine Fledermaus (Vespertilio muriniw); sie ist es vor allen Dingen, die sich meist an Gebäuden unter Dächern verkriecht und sich hier oft zu Hunderten zusammenfindet.
Mit vielen anderen teilt auch sie die Scheu vor schlechtem Wetter. Diesen großen stattlichen Fledermäusen gegenüber verhält sich ganz anders die Zwergfledermaus (V68P6VUA0 pipirtrellrw). (Abb.
3.) Sie ist von allen die kleinste und in Deutschland zugleich die häufigste Art. So unscheinbar sie erscheint, so ist sie entschieden von allen am wenigsten empfindlich. Mit Sonnenuntergang zum Vorschein kommend und erst in der Morgendämmerung wieder verschwindend, scheut sie keine Witterung und fliegt in Sturm und Regen frei umher. Ihr Flug ist hoch und rasch und zeichnet sich durch schnelle
und gewandte Wendungen aus. Von allen einheimischen Arten zieht sie sich am spätesten in das Winterquartier zurück und beendet zuerst den Winterschlaf; ja, man kann in milden Wintern, besonders bei Tauwetter, beobachten, daß sie dann ihren Winterschlaf unterbricht und umherfliegt. In der Wahl ihrer Quartiere sowohl für den Winter- wie für den Tagesschlaf ist sie nicht wählerisch. Sie findet sich auf Dachböden, in Kellern, Felsritzen, Baumlöchern, Bohrlöchern in Balken und dergleichen. Es mag mit ihrer Widerstandsfähigkeit Zusammenhängen, daß sie sich leicht an Gefangenschaft gewöhnt und mit Milch und lebenden Insekten gefüttert, monatelang aushält, als liebenswürdiges Haustier also nur empfohlen werden kann. Für solch ausgesprochene Dunkeltiere, wie es die Fledermäuse sind,
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Abb. 4. Gemeine Fledermaus im Winterschlaf.
sind die Augen merkwürdig klein, wenn wir im Vergleich hierzu an die Augen anderer Nachttiere denken; wir dürfen annehmen, daß die geringere Schärfe des Gesichtssinns, wenn sie wirklich vorhanden ist, ausgeglichen wird durch die un- gemeine Ausbildung des Gefühls. Man hat Fledermäusen die Augen verklebt und sie in einem Zimmer fliegen lassen, das nach allen Richtungen von einer großen Anzahl feiner Fäden durchzogen war; das Tier stieß nicht nur nicht an Ecken und Wände an, sondern es vermied im Flug auch die ausgespannten Fäden. Die Luftwellen, die von den dünnen
Fäden beim Flug des Tieres zurückgeworfen werden, waren
stark genug, die Fledermaus das Hindernis wahrnehmen und vermeiden zu lassen. Als Sitz dieses außerordentlich feinen Tastvermögens ist in erster Linie die Flughaut zu nennen, die un- gemein nervenreich ist. Aber auch die Ohren sind in den Dienst der Tastempfindung gestellt und durch eigenartige Auswüchse vergrößert, und in dem gleichen Sinn haben wir die merkwürdigen Aufsätze auf der Nase zu deuten, die wir bei vielen Fledermäusen antreffen, und die den Tieren oft ein ganz bizarres Aussehen verleihen. Diese lappenförmigen Aufsätze mit ihren Einfaltungen und rippenförmigen, kühn geschwungenen Erhöhungen, alles Einrichtungen, die eine Vergrößerung der Oberfläche bezwek ken, können bei nahe direkt als Vorbilder der Ornamentik modernsten Stils bezeichnet werden. Sie sind mit Haaren ausgestattet, die jedenfalls die gleiche Bedeutung wie die sogenannten Schnurrhaare anderer Tiere haben, die wir als Tastorgane betrachten müssen.
Am Tag ruhen die Fledermäuse; wie alle lichtscheuen Tiere, suchen sie ein geschütztes Versteck auf. und eine lange Ruhezeit bringt für die Tiere in unseren Gegenden der kalte Winter. Für alle Tiere, die sich von Insekten nähren, bedeutet der Winter, soweit sie nicht, wie z. B. die Meisen, die Insekten aus ihren Schlupfwinkeln hinter Rinden und unter Moos hervorholen, die Zeit nicht nur der Not, sondern des Todes. All das Jnsektenvolk, das am Tag und bei Nacht in der Luft herumschwirrt, ist verschwunden; zweierlei Wege bleiben den Tieren, die auf diese meist angewiesen sind, übrig: in wärmere Gegenden zu Ziehen, wo auch in diesen Monaten