Heft 
(1906) 25
Seite
524
Einzelbild herunterladen

524

nach unten ermöglicht. Die Flughaut der Fledermäuse dagegen ist ein wirkliches Flugorgan. Wenn auch der NameFleder­mäuse" auf Flattern hindeutet, so können doch manche Fleder­mäuse es mit vielen Vögeln an Gewandtheit des Fluges, an raschen Wendungen aufnehmen. Auch schon äußerlich zeigt sich aber sofort der erwähnte Fallschirm einiger Eichhörnchen als von der Flughaut der Fledermäuse total verschieden. Bei den Flughörnchen ist die Haut mit Haaren besetzt wie die ganze Körperhaut, bei den Fledermäusen dagegen ist sie ein feines dünnes Häutchen, würdig eines zarten Elfenleibes.

Ihr andern führt nnt ^lederinäiüen Krieg,

Den kleinen Elfen Röcke dran-.:" zu machen"

befiehlt Titania imSommernachtstraum". Vielleicht freilich sollte auch das ganze Fell diesem Zweck dienen, und ein Mantel aus Fledermaus fellen würde wohl manchem anderen Pelzwerk nicht nachstehen. Feine weiche Haare bedecken dicht den Körper und rufen durch ihre braune Fär- ^ bung im Verein mit dem Schwanz, der Gestalt des Kopfes, vor allem aber der Größe der Fledermäuse die Ähnlichkeit hervor, der die Tiere die zweite Hälfte ihres Namens verdanken. Würde eine der geneig­ten Leserinnen sich überwinden können, ein solch weiches Fellchen einer Fleder­maus zu streicheln?

Freilich müßte bei diesem Versuch an einer lebenden Fledermaus die streichelnde Hand sich in acht nehmen, mit den scharfen und spitzigen Zähnen in unlieb­same Berührung zu kommen. Dieses Gebiß erinnert uns wiederum an eine andere Gruppe von Säugetieren, an das Gebiß der Spitzmäuse, Maulwürfe u. a., die der Zoologe als Insektenfresser zusammenfaßt, und hierin haben wir zugleich einen Hinweis auf die Nahrung, von der die meisten Fleder­mäuse leben. Wohl werden wir auch noch einer ganzen Gruppe zu gedenken haben, die sich von Früchten nährt, und auch von dem Borwurf blutdürstigen Charakters sind einige Fledermäuse nicht ganz freizusprechen, für die weit überwiegende Mehrzahl aber und für alle in Deutschland lebenden Fleder­mäuse sind die Insekten die einzige Nahrung. Sie sind Kerf­jäger, und der Schinken des Bauern im Rauchfang ist vor ihnen ebenso sicher wie vor der Schleiereule, wenngleich es sich der Bauer nicht nehmen läßt, in diesen beiden gelegentlich hier erwischten Tieren die Attentäter auf seine Wurstwaren Zu

Abb. 2. Ohrenfledermaus.

sehen und deshalb den Fledermäusen auch den Namen Speck­mäuse beizulegen.

Spitzmäuse und andere Insektenfresser erjagen ihre Beute auf und unter der Erde, den Fledermäusen gehört das Reich der Luft. Mit raschem Flug und sicherem Fang erhaschen sie ihre Nahrung. Wer an Sommerabenden in Eichenwäldern geht, der kann es wohl erleben, daß Dutzende von Fleder­mäusen in reißendem, rascheln Flug, in blitzschnellen Wendungen die Gipfel der Bäume umkreisen. Bis herab zum Spazier­gänger dringt ihre schrille, auffallend hohe Stimme, zu­

gleich aber auch das knackende Geräusch der Kiefern, lnit denen sie ihre Beute zerbeißen, und wie ge­waltig sie unter den Maikäferschwärmen, deren Fraß die Eichen schon fast ent­laubt hat, aufräumen, beweisen die

harten Flügeldecken der Käfer, die fort­

während zu Boden fallen. Die Beute wird auch gleich im Flug verzehrt, wie überhaupt das Luftleben den Fleder­mäusen so sehr zur Gewohnheit ge­worden ist, daß die Weibchen auch ihre Jungen im Fluge bei sich tragen. Um so unbeholfener sind die Fleder­mäuse auf dem Boden, und wir ver­mögen die Ursache hiervon darin zu erkennen, daß im Gegensatz zu allen anderen Säugetieren das Kniegelenk nicht nach vorn, sondern nach hinten gerichtet ist. So kommt es auch, daß die Fledermäuse, die einmal auf den Boden geraten, diesen so bald wie möglich durch Erklettern einer Erhöhung, sei es eines Baumes oder eines Steines, wieder zu verlassen bestrebt sind.

Sehen wir uns kurz unsere deutschen Fledermäuse etwas näher an. Am häufigsten kommt uns wohl die frühfliegende Fledermaus (VesperuZo noetula) zu Gesicht, sie fliegt zu­weilen schon etliche Stunden vor Sonnenuntergang; von allen einheimischen Fledermäusen ist sie die kräftigste und fliegt am höchsten, sie bewohnt vorzugsweise Wälder, nähert sich jedoch auch, wo ausgedehnte Baumgärten und Parkanlagen Vorkommen, dem bewohnten Ort und wird nicht selten in Mengen zu­sammen im Winter auch in Gebäuden angetroffen. Hier findet sie sich auch öfters zum Winterschlaf ein, der sehr fest ist, so daß mildere Witterung keinen Einfluß auf sie ausübt. Sie gehört zu den Fledermäusen, die sich durch den Besitz sehr großer Ohren auszeichnen; die Krone schießt allerdings hierin die langohrige Fledermaus (kleeotus auritus) ab (Abb. 2), deren kolossale Ohren sich beim Flug gleich Widder-

'-M- ' -

"MG

Abb. 3. Zwergfledermaus.